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u churusch, Das u delus, Def u lef, Sir u sar, Sef u sif, Sib u nib, Saf u baf, Schikest u mikest, Kutsch u pulutsch, Keschmekesch, Schachderschach, Tand u chand, Asuman u risman u. s. w.

Nach durchgelaufener Synonymik und Tropik der persischen Sprache sey vor dem Uebergange zu dem Real-Inhalte des Siebenmeers noch ein wiederholtes Wort über die nächste Verwandtschaft des Persischen mit den germanischen Sprachen, und insbesondere der deutschen gegönnt. Ein Wort so mehr an seinem Plage, als bisher die schäßbarsten deutschen Sprachforscher und Grammatiker, wie z. B. Grimm und Becker (Dr. Karl Ferdinand), dieselben ganz außer Acht gelassen, und es nicht der Mühe werth erachtet haben, in den weiten Kreis ihres Sprachstudiums auch die so leichte Erlernung des Persischen zu ziehen. Wie vieles neues Licht würde nicht dadurch des Lehten vortreffliche Abhandlung, die deutsche Wortbildung, oder die organische Entwickelung der deutschen Sprache in der Ableitung (als das vierte Stück der Abhandlung des Frankfurter gelehrten Vereins für deutsche Sprache), erhalten haben, wenn derselbe die meisten Formen, deren Ursprung ihm dunkel geblieben, aus dem Persischen nachgewiesen hätte, was wir hier so kurz als möglich an seiner Statt übernehmen wollen. Die Formen end und ung oder in g sind nicht, wie es (S. 114) heißt, mundartische Abänderungen des Infinitivs und ursprünglich dieselben; beyde sind im Persischen vorhanden, die erste als die Partizipform ende, wie güsende (kiesende), gujende (fofende), gerdende (fehrende), derende (sehrende), pitschende (biegende), kiristende (freißende), kefende (flaffende) u. f. w. Die Form ung oder ing ist aber als Ableitungsform von Substantiven vorhanden im persischen eng, als: aheng, aweng, areng, aleng, estereng, ewreng, peschleng, pineng, peleng, tileng, dschileng, chaleng, deleng, sereng, serheng, schechleng u. f. w. S. 119. Nicht eben so klar ist die Abkunft der Endung fal. Dieselbe findet sich im Persischen, als die Kollektivform far, lalefar Tulpenbeet, und niß als isch, wie: effaisch, nuwafisch, küschisch u. f. w. Das deutsche ei ist die gemeinste Bildungsform persischer Substantive in i. (S. VII. Bd. des Siebenmeers. S. 31). Die Infinitivform en ist dem Persischen und Deutschen gemein; nur daß jenes noch meistens ein t vorseht. Die Endung bar findet sich im Persischen als war und wer. Schahwar, guschwar, dschanwer, tatschwer, barwer, danischwer u. f. w. Das Diminutiv chen ist das persische ek. Made, eine Magd, und Madek ein Mädchen (noch erhalten im altschottischen lassak, witschak u. f. w.). Keit

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und heit bestehen beyde im Persischen, das erste sehr häufig als gi, das zweyte selten als het, z. B. chuanandegi, bachschendegi, ferahet (Freyheit). Die Form ig ist aus der älteren nah oder nacht entstanden, so lautet steinig in oberdeutschen Mundarten noch steinacht; dieselbe ist das persische nak, wie ghamnak, grámlich; senknak, steinig; nemnak, feucht (feuchts lacht). Die Form isch als deutsche Ableitungs- Endung von Adjektiven, wie spöttisch, neidisch ist das persische wesch, welches eigentlich ähnlich bedenret; fo: Senwesch, weibisch; petschewesch, kindisch u. s. w. (S. Siebenm. VI. S. 79). Dies selbe Bedeutung von ähnlich hat die persische Ableitungsfylbe lika (das englische like und das deutsche gleich, welche zwar nicht im Siebenmeer, wohl aber im Ferh. Sch. II. Bl. 338 1. 3. und Bl. 339, erste Zeile, in mehreren Zusammensetzungen aufgeführt ist, als: mehlika (moon like), chorschid lika (sunlike). Die Endung icht, welche Adelung von achten herleitet, ist das pers fische lacht, fo: senklacht, steinicht. Die Adjektivform en lautet im Persischen als in, so: ferin, golden; simin, silbern; schirin, füß, wörtlich milchern. Was von den Ableitungs-Endungen gilt, gilt auch von den Vorfylben, das einzige ge abgerechnet, welches die deutsche Sprache wohl mit der griechischen, aber nicht mit der persischen gemein hat. Dafür hat diese das deutsche Be und bei in ba, das er und ver in fer; das vor in furu; das zer in der; das un in na, welche alle in dem Anhange vorkommen werden. In den Zusammensegungen ist der Genius der persischen Sprache derselbe mit dem der deutschen, wo es auf bloße Verschmelzung ankömmt, welche Hr. Dr. Becker eben so scharfsinnig als richtig von der Zusammenfügung unterscheidet. Bey dem Perser bleibt Königs sohn, Königsmörder, Löwenmuth immer getrennt, als Sohn des Königs, Mörder des Königs, Muth des Löwen, auch hat die persische Sprache das Eigenthümliche, daß sie das Verhält niß des Genitivs am Subjekte selbst, und nicht am Bestimmungsworte desselben bezeichnet; nämlich durch ein hinzugefügtes furzes i, welches der Lateiner für den Genitiv des Bestimmungswortes gebraucht. Fuß heißt pa, Knabe pur, der Fuß des Knaben pai pur. lat. pes pueri. Daß die Wurzeln jeder Sprache (die Empfindungswörter abgerechnet) zuleßt in den Zeitwörtern zu suchen sind, ist schon oben bemerkt worden. Der Verfasser der ob gedachten Abhandlung ist auf dem Wege seiner Forschungen ganz zu demselben Resultate gelangt. »Je tiefer man in die Ableitung »der Verbalien eindringt (sagt er S. 180), desto wahrscheinli»cher wird es, daß alle Substantiven und Adjektiven zuleht nur »Verbalien find. Wir müssen daher die Stamm-Verben für die

»eigentlichen Wurzeln unseres Sprachvorrathes halten.« Die Wahrheit dieser Aeußerung leuchtet bey der Vergleichung des Persischen mit den germanischen Sprachen noch weit mehr ein, und von dem in der obigen Abhandlung gegebenen Verzeichniß von 485 Wurzeln und Kernformen der deutschen Sprache läßt sich wenigstens ein Drittheil im Persischen nachweisen, so wie umgekehrt von boo persischen Verben wenigstens ein Drittheil als germanische. Bey solchem hier und im Anhange vor Augen gelegten Beweise der nächsten Verwandtschaft der persischen Sprache mit den germanischen, und zunächst mit der deutschen, steht zu hoffen, daß künftig deutsche Sprachforscher und Grammatiker die Nothwendigkeit, derselben eben so wie anderen Zweigen des germanischen Sprachstammes ihre Aufmerksamkeit zu schenken, einsehen, und das hier kurz Angezeigte in besonderen Werken zur besseren Begründung deutscher Etymologie ausführlich entwickelu

werden.

(Der Beschluß folgt.)

Art. V. Ueber Reinheit der Tonkunft. Heidelberg, im Berlage von J. C. Mohr, 1825 und 1826.

In einer jeden Kunst fast hört man heut zu Tage sich auf

eine große Vergangenheit derselben beziehen, und in den zeich nenden Künsten zum Beyspiel sind es nicht Gelehrte und Kunstfreunde allein, die auf die Geschichte verweisen; auch die Künstler sieht man, im stolzen Bewußtseyn der Geschicke ihrer Kunst, auf die Monumente fast mehr, als auf das Theorem sich beru fen, und dieß legte selbst, in so feru es in den hier im Auge behaltenen größeren Kreis fällt, ist zur besseren Hälfte ein von jenen Abstrahirtes oder doch daran geprüftes. In der Musik verhält sich dieß alles jest scheinbar anders: Musiker, nicht bloß ausübende, auch schöpferische, so wie die handanlegenden Dilettanten, alle sieht man sie im Dienste der ausschließlichen Verehrung der Gegenwart, alle gleich überzeugt von der Herrlichkeit, von der früher unerreichten Klassicität der neuen musikalischen Zeit. Mozart (und das ist die schöne Seite dieser Gesinnung) ist ihnen, man könnte sagen, Gründer und höchste Blüthe dieser Periode zugleich. Nicht nur was ihm vorausgeht, ist durch die von ihm gegebene Richtung und Vollendung antiquirt, sondern, der Meinung gar vieler unter ihnen zufolge, ist das innerste Wesen dieser Kunst durch ihn so rein und vollständig erschöpft, daß sie eine Bereicherung, einen wirklichen Fortschritt, wie dieß wohl von Beethovens neueren Werken hin und wieder angedeutet worden ist, eine über Mozart hinausgehende

Musik nur als Folge einer vorhergegangenen gänzlichen Umgestaltung der bisherigen Grundlagen als möglich begreifen. Ref. sind schon völlig ausgebildete Hypothesen vorgekommen, wodurch eben diese Vollendung der jeßigen Musik aus dem gesammten Geiste der neuesten Zeit hergeleitet, und so die Nothwendigkeit dieser Erscheinung nachgewiesen wurde. Dieser Geist, sagen sie, künstlerischer Stimmung und Produktivität — im Sinne der vergangenen großen Kunstepochen für alle anderen schönen Künste keineswegs günstig, habe sich in diese Kunst gänzlich zurückgezogen, und hier schaffe er auf seinem eigensten Gebiete. Hiermit stimmt denn auch die Skepsis gegen die Musik des funfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts und der Umstand, daß eine wahr= haft klassische Periode, wie die griechische unweigerlich für Archi tektur, Sculptur und Poesie anerkannt wird, für die Musik in der That nicht nachgewiesen werden kann. An denen, die sich der hier angedeuteten Gesinnung näher oder ferner, mit mehr oder weniger Bewußtseyn anschließen, wird nun die vorliegende Schrift keine Freunde finden. Dagegen gibt es, besonders in Deutschland, eine mit den Obigen ganz außer Verbindung stehende Klasse von denkenden Freunden der Musik, bey denen die großen musikalischen Namen, der mittleren Jahrhunderte in ungetrübtem Ansehen stehen; mannigfaltige Einflüsse und Theorien, wozu man auch die diesen Jahrhunderten unbestimmt und ein für alle Mal zugeschriebene Gunst für alles den höchsten Geistesschwung Erheischende rechnen kann, wirken dahin, den hier bezeichneten Kreis von Liebhabern die Zeiten jener Meister als die eigentliche Blüthenzeit der göttlichen Musika annehmen zu lassen, wobey es indessen einem Theile derselben keineswegs schwer fällt, die neuere und neueste Entwickelung der profanen, insbesondere der Instrumentalmusik zu würdigen, und ihr im Sinne ihrer Weltbetrach= tung die, wie fie glauben, rechte und hohe Stelle anzuweisen. Diesen allen wird nun offenbar die gegenwärtige Schrift höchst willkommen seyn, ja doppelt erwünscht, in so fern darin eine verwandte Stimmung mit vorwaltender Kenntniß des Gegenstandes entgegentritt.

Das kleine Buch zerfällt in folgende Abtheilungen: 1. Ueber ächte Kirchenmusik. 2. Ueber Bildung durch Muster. 3. Ueber das Studium älterer Werke. 4. Ueber den Effekt. 5. Ueber das Instrumentiren. 6. Ueber genaues Studium der Werke großer Meister. 7. Ueber Vielseitigkeit. 8. Ueber Verdorbenheit der Terte. 9. Ueber Singvereine.

In dem Vorworte bemerkt der ungenannte Verfasser ausdrücklich: »Auch habe ich das, was die Kirchenmusik betrifft, bloß abstrakt nehmen wollen, mithin ganz ohne Rücksicht auf ein

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zelne Kirchen.« »Nur so viel, sagt er, sey unbestreitbar, daß die Musik aus der Kirche nicht ganz ausgestoßen werden, daß aber auch auf der andern Seite die Kirche sich nicht in eine musikalische Kunstschule verwandeln darf.« An jener Stelle so im Algemeinen, und mit dieser Diskretion ausgedrückt, kann man die dadurch angeregten Fragen dahin gestellt seyn lassen, während fie sonst wohl von anderem Standpunkte zu feineren Erwägungen, Distinktionen und Beantwortungen, ohne daß diese eben von Leidenschaft und Hypochondrie,« wie der Verfasser meint, eingegeben seyn müßten, Veranlassung werden könnten. 1. Ueber echte Kirchenmusik. In diesem Abschnitte spricht der Verfasser von den beyden Hauptperioden der echten Kirchenmusik; er bezeich net als solche die des Ambrosianischen und Gregorianischen Kir chengesangs, und die im funfzehnten und sechzehnten Jahrhundert, von deren größtem Meister Palestrina *) der eigent liche Kirchenstyl auch der Palestrinastyl genannt zu werden pflegt, vobgleich vor und neben ihm auch andere in demselben Styl komponirten, z. B. der deutsche Senffet, der Spanier Morales, der Flamander Orlando di Lasso, und andere herrliche Meister.« Nun wird, leider nur zu flüchtig, erwähnt, wie in den ersten 150 Jahren nach Palestrina dieselben Meister, wie z. B. Cotti, Durante und Scarlatti, die im Fache der belebten Musik sich hervorthaten, zugleich noch in jenem Styl arbeiteten, bis allmälich sich der weltliche, wilde, gemeine Styl hinzugefellte, weiter um sich griff, und am Ende fast ganz die Oberhand bekam, so daß unsere Virtuosen, Komponisten und Organisten in der Regel nicht einmal die Namen der großen alten Meister kennen.« »Nur in der Sirtinischen Kapelle hat sich bis in die lehten Zeiten der große alte Styl vielfach gehalten.« Daß auch bey diesem Institute, sonst so streng seinen alten Gewohnheiten und Sagungen anhangend, in neueren Zeiten, selbst in der Charwoche, Neuerungen vorkommen, die eben keinen großen Sinn und Taft zu Besserungen verrathen, wenn auch eben dem weltlichen Styl noch kein Eingang verstattet ist, wird der Verfasser seitdem in des bekannten Sievers Berichten aus Rom ersehen haben. Für den Fall unserer Kirchenmusik führt der Verfasser fünf Hauptgründe an. 1. Die Welt hat überhaupt das Große nie lange ertragen können. Abgestumpft für die reine milde Herrlichkeit des Alten, empfindet man das Bedürfniß neuer Reize. So sind nnsre neuen Messen und andere Kirchenstücke

*) Pietro Aloisio da Palestrina, nach seinem Geburtsorte, dem heutigen Palestrina, dem alten Praeneste, wonach er auch wohl unter dem Namen Praenestinus vorkommt.

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