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sich sonst nie wieder hineinfände. Der Pring bittet seinen Vater, jenem diese Gunst zu gönnen:

Denn das ist die Sitte seines Landes.
Als ich mich in Deutschland umgesehen,
Hab' ich's so getroffen, wie er's angibt.
Wenn die Menschen dort zusammen tressen,
Nedet Einer ungestört zwey Bogen;
Während dessen seßet sich der Andre
Seine Rede im Gedanken auf,
Die er dann in Seelenruhe hält.

Keiner hört zwar, was der andre spricht,
Aber beyde haben doch geredet.

Nicht minder unterhaltend als diese Gesandtschaftsscenen sind
die zwischen den gebildeten und verliebten Mägden der Frigida,
Die unglückliche Ottilie wird von ihrer strengen Herrin an der
Ausbildung gehindert, indem diese sich alle Bildung verbittet, die
nur für Damen ihres Standes geeignet ist. Die Gründe sind:
Erstlich wird mir zu viel Licht verbrannt,
Zweytens kann sie mir das Haus anstecken,
Drittens ist am Tage sie mir schläfrig,
Viertens wird die Trutte davon toll,

Fünftens will ich es durchaus nicht leiden.

Dessen ungeachtet hat Ottilie so trefflich den Schiller, Göthe, Müllner und Grillparzer studirt, daß sie in der Liebesscene mit Thymian, zum Erstaunen des lauschenden Johann Türk, in Redensarten mit dem Galan konversirt, von denen weder der schlaue Diener, noch sie selbst etwas versteht. Die Scene ist belustigend, nur allzu sehr mit starken Zweydeutigkeiten ausgestattet. Auch der Bauer Märten ist unter den drolligen Personen nicht zu vergessen. Ein Beweis der diesem Drama inwohnenden Poesie ist es aber, wenn, aller komischen Personen und des burlesken Interesses ungeachtet, der fünfte Akt in seinem poetischen Interesse nicht verkürzt erscheint. Obgleich nicht neu, sprechen die Elfenscenen doch in ihrer Frische an, und der Hauch des Blüthenlebens weht erquickend zum Schluß des buntdrolligen Spieles uns an.

*

Die 1822 erschienene Sammlung von Hrn. Immermann's Gedichten enthält noch viel des Unreifen bey manchem Gelungenen. Im Ganzen leuchtet hier noch mehr als in den Tragödien die Nachbildung nach Götheschen Mustern hervor, namentlich ein Streben, dem an sich Unbedeutenden durch einen dem Meister eigenthümlich naiven Ton des Vortrags Bedeutung zu geben. Das ist aber ein Verfahren, was zur unerträglichen Manier ausarten kann, wo nicht die Form aus dem Geiste des Dichters ent

springt. Daß der Verfasser sich übrigens auch hier als solcher zeigt, ist nicht zu bestreiten."

Die Sammlung ist seltsam eingetheilt in Scherze, Romans zen, Freude und Wehmuth, Leidenschaft, Wehmuth und Fassung, wohl auch ein Nachklang, wie Göthe seine Lieder ordnete. Die Scherze gehören nicht zu den besten Gedichten; sie scheinen selten aus der frischen Brust des Dichters hervorzuquellen, und erinnern an die epigrammatisch - lyrischen Ergüsse Göt he's aus der Sturm- und Drangperiode, wo die momentanen Kunsturtheile, denen der Meister selbst jest nicht eben beystimmen möchte, durch die barocke Form Dauer erhalten haben. In der Zueignung (Uranien) erzählt der Dichter, wie ihm die Poesie ers schienen sey:

Da in der letzten Noth

Ich stand bey einer Eichen,
Trat aus dem Abendroth
Die Jungfrau sonder gleichen.

Späterhin sey sie ihm indessen verschwunden,

Ich sah das hohe Weib
Nie mehr seit jenen Worten,
Stücke von Kleid und Leib
Sehn vor an vielen Orten.

So möchten allerdings Stücke von Kleid und Leib der wahren Poesie auch in diesen Gedichten vorblicken, ohne daß Urania, noch ihre irdische Schwester, durch die ganze Sammlung hindurch wandelten.

Die Muse und der Jünger ist nur der Ausspruch von Gefühlen, welche vielfältig bereits von Andern ausgesprochen worden. Doch ist der Schluß gut. Die Muse antwortet dem darüber klagenden Musensohne, wie die Poesie unter den Aktenstößen der Amtspflicht werde erdrückt worden, damit, daß es eben das Zeichen der echten Jüngerschaft sey, sie nicht ers drücken zu lassen:

Und nimmer wird von uns bedauert

Ein Dichter, der im Amt verbauert. Dennoch drängt sich uns die Frage auf, ob nicht Herr Immers mann bey freyerem Verkehr, als ihm vielleicht seine Stellung im Leben mit dem literarischen Treiben unserer Zeit (wie ver kehrt es auch sey) erlaubte, auch freyer und anmuthiger seine Dichterschwingen hätte entfalten mögen.

Sankt Antonius erinnert besonders an jene Göthische Periode scherzhaft kritischer Thätigkeit. An dem folgenden Süßliede hat gewiß die Poesie keinen Theil. Der Bänkelsänger ist schon lustiger, der Münstersche Regenhimmel

doch zu momentan und lokal, um in eine Gedichtsammlung (die den Namen des Autors fortpflanzen soll) aufgenom= men zu werden, der Dichter müßte denn auch hierin Göthen, -- etwa in seinen Lustigen zu Weimar als Muster genommen haben.

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Für Romanzen wußte Herr Immermann wohl den Ton zu finden, allein der Quell, aus welchem diese lebendig hervorsprudeln, möchte ihm nach den hier mitgetheilten Proben noch nicht aufgegangen seyn. Im Jung Osrik hat er eines der köstlichsten Balladenmaße, welches für den geeigneten_bedeutungs- und thatenreichen Gegenstand von der größten Wirkung ist, an ein unbedeutendes, halb scherzhaftes Sujet verschwendet. Die Wirkung dieser dichtgereimten zweyzeiligen Stanzen ist auch von der Gedrängtheit des Ausdrucks und der Darstellung bedingt; um den Gegenstand in diesem Maße erfolgreich zu behandeln, hätten die sechs und dreyßig Stanzen vielleicht in zwölf zusammengedrängt werden müssen.

Martins Grab fängt im Göthischen Dithyrambentone an, der sich entwickelnde Gehalt läßt aber das Fremde vergessen. Klausner, Raimund, Farbenmährchen, sind gut vorgetragene Balladen ohne besondern Werth. Das Requiem, die bekannte Geschichte von Mozart, beginnt vielversprechend:

Amadeus sitzt im kleinen Zimmer,

Still und eigen in sich selbst gekehrt,

Durch die Scheiben blinkt des Mondes Schimmer,
Kühl der Nachtwind durch die Blumen fährt.
Stumm ist's allzumal und in füßer Qual

Zucken dumpfe Schmerzen durch die Brust.

Das Thema ist zu breit gehalten, der Dichter verliert sich zu sehr in lyrischen Ausmalungen, als daß der Eindruck, welcher sonst nicht ausgeblieben wäre, der Erzählung aus dem Geisterreiche erfolgen könnte.

Unter den, Freude und Wehmuth überschriebenen, Liedern findet sich viel Artiges, viel tief Gefühltes, jedoch auch des Gezwungenen und Gemachten, wiewohl in weit geringerer Zahl. Daß Göthe auch hier als Muster dem Dichter ge= sessen, läßt sich nicht verläugnen. Zu den unnüßen Poesien, wenigstens im Druck, rechnen wir das Frost und Thauwind überschriebene Gedicht:

Frost spannt die Flügel aus,
Eisig und kalt und kraus,

Kurzer Tag, lange Nacht:

>>Mein das Reich, mein die Macht.«<

Thauwind schleicht sacht heran,
Fångt lind zu fächeln an,,
Zornig ruft Frost sogleich:
»Pack dich aus meinem Reich!«
Ningen und Widerstreit!
Zausen der Erde Kleid;
Keiner weicht, keiner siegt,
Keiner von dannen fliegt.
Frost Enirscht in rauhem Grimm.
»Fort! ruft 'ne süße Stimm',
Lenz hat geschmückt das Haus
Jagt sie zur Welt hinaus.

Wozu dieß? Fr. Rückert vergeben wir es, wenn der in poeti schen Gefühlen beständig athmende Dichter jedem solchen Gefühle bey seiner Meisterschaft in der poetischen Sprache Luft macht, und nun auch der unbedeutendste Gedanke gedichtet wird. Da ist es Bedürfniß; nicht so bey dem weit schwerer auftreten den Immermann. Anders verhält es sich mit dem Gedicht: Ben Monden licht. Es ist auch nichts, wenn man prosaisch den Inhalt zergliedern will, das Gefühl aber redet mit der Sprache der Innigkeit. Das kurze Gebet (S. 66)

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spricht, ohne besonderes poetisches Verdienst im Ausdruck aus und zu dem Dichterherzen. Im Stern über dem Thurm hört man nur Göthesche Nachklänge. Eigenthümlicher weht die Munterkeit durch das Minnelied (74); das Gedicht (76) Fe= ster Sinn:

Ueber den Himmeln, Himmel”
Ueber den Sternen, Sterne,
Ueber den Geistern, Geister,
Gott über alle!

Mitten innen du,
Schwebend, bangend,

Hülfloser Geist!

Halte dich! Halte dich!

Stäubender Flocken Gewalt.

Wie der Aar in die Gluth sieht,

Fest und stolz und treu,

Blick in's Getümmel!

gehört zu den besseren lyrischen Ergüssen; nicht so die Früh

lings phantasie (S. 78), wohl aber (Seite 81) die tiefe Quelle. Im Sommerabendtraum hätte der einfache Gedanke nicht erst der poetischen Hülle bedürft. Die Lieder: Wie es mir am besten gefällt (Seite 84), Auf der Wiese (87) können als anmuthiger Ausdruck lebendiger Empfindungen gelten.

Zwey Elegieen (S. 93 und 95), wohl auch nicht entstanden, wenn wir nicht schon dergleichen Klänge in Göthes Gedichtsammlung fänden, sind uns eines Selbstgeständnisses des Dichters wegen besonders merkwürdig. Er sagt:

Aus der

Welches der Markt nicht erkennt ; manch ernstes Gedicht,

nicht sein bleyernes Zeichen, Ich bin zu jung und zu stolz, löse die Schmach mir nicht ein, Mag fich das leid'ge Geschlecht erfreun an * und ́*

Freun sich die Freunde an mir, seh' ich die Nachwelt im Geist. Ein solches Geständniß paßt zu unserer aus des Dichters dramatischen Werken gezogenen Bemerkung. Wie viele hat schon ein solcher Stolz, immer nur entspringend aus einseitigem Dastehn und Absonderung, von dem währen Ziele der Poesie abgelenkt, und wie wenig stimmt dieß mit der unbedingten Verehrung Göthes, eines Meisters, der das Leben und die Entwicklung desfelben in allen Richtungen (auch in denen des zweyten Lebens, des kritischen) von der Jugend bis in sein Alter verfolgt hat!

Zu dem Besten in der ganzen Gedichtsammlung zählen wir die Idylle: Der Baum (S. 111), in Terzinen. Ein schönes gehaltvolles und gediegen ausgeführtes Gedicht. Manche Deutung erinnert auch hier an die Rückertschen Spielereyen mit den feinsten, Andern und in der Prosa unaussprechbaren, Nuancen von Gedanken; das Ganze ist aber zu gediegen gehalten, als daß das Einzelne stören könnte; wie denn schon die ungezwungene Darstellung zu Gunsten spricht:

Der Jüngling faß im Schatten einer Eichen,
Die weit in's Blau die grünen Aeste streckte,
Sie waren kräft'gen Armen zu vergleichen.
Auf luft'gen Kronen nistete und heate

Ein luft ger Chor von bunten Vögelschaaren,

Die mütterlich der Blätterteppich deckte. u. s. w.

Vollkommnes Gastmahl und die Weihe des Heerdes tragen bey manchem Guten doch zu sehr den Charakter der Gelegenheitsgedichte an sich.

Unter der Rubrik Leidenschaft ist weniges von Bedeutung; auch paßt der Name in seiner eigentlichen Bedeutung nicht davor, denn es sind nur die Aeußerungen irgend eines Unmuths, die hier zu Gedichten wurden; nicht der braufende Gährstoff lei=

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