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gefunden hatte *), durch Berichte, Auszüge und Briefe nach allen Seiten hin zu verbreiten, und war der ethnographische Schriftsteller seiner Zeit in Italien. In dieser Beziehung kann auch die Lesung des vorliegenden Werkes für die Sitte der Zeit dem Historiker manchen bedeutenden Wink abgeben.

Poesie anacreontiche di Pasquale Negri. Venezia, Contarini. 1825. In- 12.

Abermals ein poetischer Versuch, bey welchem sich die Redaktoren der Antologia mit der Hoffnung trösten, daß die große Jugend des Verfassers demselben Zeit und Muße genug vergönne, durch Belehrung, Studium, Leitung und Läuterung des ihm etwa inwohnenden poetischen Geistes in fernerer Zukunft etwas Vollendeteres zu liefern.

Ueberhaupt thäte in der heutigen italienischen Poesie eine gewisse kritische Strenge noth, um dem Reißungsmittel der wohlklingendsten Sprache, deren Worte sich unter den Händen des Bearbeiters zu Versen gestalten, zu widerstehen, und die jungen Dichter dieses Landes von der nur zu häufigen Täuschung zu bewahren, die gegebene üppige Form der Sprache für ein Ergebniß ihres Talents zu nehmen.

Osservazioni critiche sulla storia di Carlo Botta. Fiesole, poligrafia Ingherami, 1825. In-8.

Diese i kritischen Bemerkungen über Botta's vielgelesene Geschichte von Italien verdankt man den vereinten Arbeiten zweyer, in der Zeitgeschichte selbst einen Plaß ausfüllender Männer, des Marquis Lucchesini nämlich und des Grafen Paradisi. Lehterer rügt und berichtigt einige Ausdrücke Botta's, welche auf sein Benehmen zur Zeit der verschollenen cisalpinischen Republik einen üblen Schein werfen; der erstere theilt Bemerkungen ausgedehnterer Natur mit, über den Rückzug der Preußen aus der Champagne, ein Ersuchen des französischen Konsuls nach der Schlacht von Marengo an den preußischen Hof, die Rolle eines Friedensvermittlers zu übernehmen, einen vermeinten Antrag dieses leßteren, Ermunterungen an den Konsul in sich schließend, in seiner Person eine monarchische Dynastie einzuführen, und die Sens dung des preußischen Abgesandten an den damaligen französischen Kaiser, als er im Begriffe war, sich eigenmächtig und vertragswidrig die eiserne Krone auf das Haupt zu seßen.

I. Prose e versi d'Ilario Cesarotti. Milano, Silvestri. In-12.
II. Dizionario ortologico della Lingua italiana di Lorenzo Nesi.
Milano, Gigler. Pavia, Bizzoni, 1825. In-8.

In allen Sprachen wird das Bedürfniß und der Werth einer reinen, dem Charakter und der Natur derselben gemäßen Aussprache lebhaft gefühlt, Aber in jener wohllautenden Tochter Latiums, welche, in 24 Dialekte und Unterdialekte gespalten, bloß in dem Munde des Hetruriers und Römers mit Necht die melodische genannt werden darf, ist es doppelt nöthig, auf eine scharfe Theorie der Aussprache zurückzus

*) Er war z. B. der Gesellschafter des Cosimo 11, auf seinen Reifen, welche vor einiger Zeit in englischer Uebersetzung zu London et schienen find.

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kommen, weil nur diese den Bewohnern dez größeren Theils von Italien das Mittel an die Hand gibt, die allgemeine Schriftsprache durch eine fehlerhafte, übellautende und unverständliche Weise nicht zu ent stellen. Ein prosaischer Aufsaß in Nr. I. und das orthoepische Wörter: buch Nr.II. sollen dieser Noth Ober- und Unter Italiens mit bey steuernd abhelfen. Nr. II. sondert sich in zwey Theile ab, in eine theo retische Anweisung zur Orthoëpie und in ein Wörterbuch, welches bey jedem Worte die angehängte Pronunciation enthält. Da der Verfasser ein geborner Toskaner ist, so macht die Anthologie diesen Umstand als eine Empfehlung des Werkes geltend.

Nuova scelta di rime piacevoli d'un Lombardo. Milano, Silvestri, 1824. In- 12.

Diese epigrammatischen Gedichte genießen der Ehre, unter einigen Beschränkungen mit denen Martials verglichen zu werden. Möge nun der Abstand zwischen dem modernen Lombarden und dem antiken Arragonier auch weit größer, als die Nachsicht der Beurtheiler es aussprechen will, seyn, so erregen doch zwey mitgetheilte kleine Gedichte, durch ihre Feinheit und ihren Wiß ein höchst günstiges Vorurtheil für den Verfasser.

(Die Fortseßung folgt.)

Berichtigung.

Rücksichtlich der S. 40 des Anzeigeblattes zum 35. Bande ers wähnten Jankowichischen Sammlung muß berichtigend bemerkt werden, daß dieselbe noch das Eigenthum ihres bisherigen Besizers ist.

Bemerkungen zu einem Auffage im XXV. Bande der Jahrbücher.

In dem Anzeigeblatt der Jahrbücher, Band XXV, befindet sich

ein kurzer Auffah: vlleber die Verwandtschaften der lappländischen mit der ungrischen Sprache.« Dem Verfasser dieses, der sich seit mehreren Jahren mit der Aufhellung dieses Gegens standes beschäftigt, und Einiges darüber auch schon bekannt gemacht hat, fiel in demselben besonders folgende Stelle auf: »Da alle Völker finnischen Stammes durch innige Berührung wechselsweise unter sich aus ihren Sprachen bald mehr bald weniger Wörter aufgenommen haben; so ist es kein Wunder, daß in die lappländische Sprache sich viele ungri sche einschleichen mußten, woraus aber nur dieß folgt, daß die Ungern und Lappen Brüder eines Hauptstammes (des finnischen) sind, aber keineswegs, daß die Lappen zu dem Zweige der ungrischen Finnen, und insbesondere zu den Onoguren, die später Uguren, Uiguren und Ungern hießen, gehören, von welchen noch heut zu Tage unbezweifelte Nachkömmlinge in einem der asiatisch-russischen Gebiete (?) vorhanden sind, deren Sprache (wenige Veränderungen ausgenommen) der heutigen ungrischen völlig gleich kommt.

Der Verfasser jenes Aufsaßes nimmt die in neueren Zeiten so viel besprochene Meinung, »daß die Ungern und Lappen Brüder eines Hauptstammes (des finnischen) find,« als wahr und ausgemacht an. Wie viel Wahres, wie viel Irriges in dieser Behaups

tung liege, ist schon von Vielen gezeigt worden; wir wollen nur Folgendes darüber bemerken. Bey der Erforschung des Ursprungs und der Verwandtschaft der Nationen ist es nicht hinlänglich, ihre Sprachen allein zu untersuchen; es ist vielmehr nothwendig, auch ihre Sitten, Gebräuche, Geseke, Religion, Körperbau und viele andere Umstände zu berücksichtigen. Wenn wir aber alles, was sich in dieser Hinsicht aus der Geschichte nachweisen läßt, zusammenstellen und prüfen (was schon mehrere vaterländische Geschichtschreiber gethan haben, und hier nicht ausführlich angeführt werden darf); so hat die finnische Verwandtschaft der Magyaren, die Sprachähnlichkeit ausgenommen, gar nichts mehr für sich. Wir finden die alten Magyaren mehr verwandt und in Verbindung mit den östlichen, als nordwestlichen Völkern Mittelasiens, ob sie sich gleich auch gegen Norden und Westen ausbreiteten, und Nachbarn einiger finnischen Nationen wurden. Ihre ältesten Spuren finden wir im sechsten und zu Anfang des siebenten Jahrhunderts in der leider zu dunkeln Geschichte der Chazaren, mit welchen sie in der engsten Verbindung standen. Wir finden sie in der Folge in Verbindung mit den Avaren, Hunnen, Kumanern oder Kunen, Tataren und Russen. Dieß ist das allgemeine Zeugniß aller älteren und neveren Geschichtschreiber, die weder von einer finnischen Vermischung, noch weniger von einer Verwandtschaft der Magyaren mit Finnen und Lappen etwas wissen. Von dieser ist nun seit Rudbeck und Sainovits die Rede, welche zuerst eine Verwandtschaft zwischen der lappländischen und magyarischen Sprache ent= deckt zu haben glaubten. So hätte also jene Behauptung, daß die Ungern und Lappen Brüder eines Hauptstammes (des finnischen) sind,« bloß den Grund für sich, weil ihre Sprachen viel Aehnliches mit einander haben. Aber auch dieser ist schwankend.

Daß in den finnischen Sprachen manche ungrische Wörter zu finden sind, kann wohl nicht geläugnet werden; aber hieraus folgt nicht, daß die Magyaren und Lappländer Brüder eines Hauptstammes sind, fondern bloß, daß sie in eine nähere Berührung mit einander kamen. So konnten wir sagen, daß alle gothischen, keltischen, gallischen, germanischen Völker Brüder eines Hauptstammes mit den Romern gewesen wären, weil sich in den Sprachen dieser Nationen vieles aus der Sprache der Römer vorfindet. Es folgt hieraus nicht einmal eine Verwandtschaft dieser Sprachen. Wie viele Wörter z. B. hat die magyarische Sprache aus der slawischen, aus der deutschen, und doch wird es niemanden einfallen, diese Sprachen, viel weniger die Nationen, für verwandt zu halten. Es kommt hierbey nicht auf einzelne Wörter, sondern auf den Geist und inneren Charakter, auf den grammatischen Bau der Sprache an. Und von dieser Seite betrachtet hat die magyarische Sprache mehr Verwandtschaft mit den oft- asiatischen oder auch semitischen. Die finnischen und lappländischen Sprachen scheinen mehr Zweige der vermischten deutschen und slawischen Stämme zu seyn. Woher also, wird man fragen, das Magyarische in den finnischen Sprachen? Das läßt sich aus der Geschichte sehr wohl lösen. Sie berichtet, daß, nachdem die sudlis chen Züge der vereinigten Chazaren und Magyaren in das byzantinische Gebiet unglücklich ausgefallen sind, haben sich die Magyaren entweder aus bloßer Raubgierde, oder von anderen ost - asiatischen Völkern gedrückt, gegen Norden und Westen von Asien und Europa gewendet. Dieß geschah ohngefähr zu Anfang des achten Jahrhunderts, und diese Züge dauerten so lange, bis sie sich in den gegenwärtigen europäischen Sißen niederließen. Auf diesen Zügen kamen sie in Berührung mit

Finnen, Nussen und anderen nordischen Völkern, woraus dann auch die Vermischung der slawischen und finnischen Sprachen mit der magyarischen natürlich folgte. So wären also die Magyaren spätere Bekannte und Nachbarn der Finnen, nicht aber Brüder; denn mit eben dem Nechte könnten wir auch die Russen und Magyaren als Zweige eines und desselben Hauptstammes betrachten, was aber noch kein Geschichtschreiber gethan hat. Uebrigens ist es aus Herrn Klaproth's Asia polyglotta felbft, auf welche sich der Herr Verfasser jenes Aufsakes beruft, ersichtlich, wie sehr die Aehnlichkeit der mittel- asiatischen Spra chen in einzelnen Wörtern ausgebreitet sey, selbst unter den Sprachen jener Nationen, die er zu ganz anderen und verschiedenen Hauptstämmen rechnet, und wie es deßhalb unsicher sey, und oft den übrigen geschichtlichen Nachrichten widersprechend, wenn man aus der Sprachähnlichkeit auf Verwandtschaften der Nationen schließen wollte. Warum finden sich in den tatarischen Dialekten und in der türkischen Sprache ebenfalls viele magyarische Wörter?

Aber was in dieser Sache von größter Wichtigkeit ist, und was die Aufmerksamkeit der Geschichtsforscher besonders auf sich ziehen, und sie klug und vorsichtig machen sollte, ist der Umstand, daß die Eintheilung und Klassifizirung_der_außerordentlich vielen Nationen Mittelasiens, die Bestimmung der Stämme und der von diesen entsproffenen Zweige, bey allen Geographen und Ethnographen dieses Erdtheils viel Billkürliches und Unge:visses hat; ja, daß es fast unmöglich ist, die Abgränzungen einzelner Völkerschaften genau anzugeben, wegen der großen und mannigfaltigen Vermischung derselben mit einander. Davon haben wir Beweise in Klaproth's Asia polyglotta, in seiner Reise in den Kaukasus und in anderen seiner Schriften. In einer kurzen Abhandlung über die Chazaren, welche im funfzehnten Hefte des Journal asiatique redigirt von Chézy und andern, Paris 1823, abgedruckt ist, be hauptet Klaproth, daß die Chazaren auch zu dem Stamme der östlichen Finnen gehörten, da er sie doch vorher zum türkischen Stamme rechnete, aber diese Behauptung deßwegen aufgab, weil Sarkel, eine Stadt der Chazaren, in der wogulischen Sprache eine weiße Wohnung bedeutet, die Bogulen aber wären vom Stamme der östlichen Finnen. Ist dieß wohl ein hinlänglicher Grund? Hat Klaproth hinlängliche Gründe dafür, daß die Wogulen ein Zweig der östlichen Finnen sind? Ferner, er unterscheidet in seiner Reise in den Kaukasus die Tataren von gewissen kaukasischen Völkerschaften, namentlich von den Abassen, Lesghiern c., aber er zählt sie wieder in andern Stellen zu den Ta taren. Er nennt die Karatsai einen tatarischen Zweig, aber auch einen abassischen; die Kümüken nennt er einen lesghischen Zweig, aber wieder auch einen tatarischen. Darum ist die Gränzbestimmung zwischen tatarischen, finnischen und anderen kaukasischen Völkerstämmen sehr ungewiß. Vielleicht könnte man die Wogulen, Ostiaken u. a. so gut zu dem tatarischen als zum finnischen Stamme rechnen. Ueberhaupt aber muß man bemerken, daß, was insbesondere die Abkunft der Magyaren anbelangt, die neueren ausländischen Geschichtschreiber noch nicht tief genug in diesen Gegenstand eingedrungen sind, daß sie aus bloßer Sprachähnlichkeit zu viel folgerten, daß sie größtentheils keine hinlängliche Kenntniß der magyarischen Sprache besaßen, daß sie auf die Untersuchung und Vergleichung der Lebensart, der Sitten, Gebräuche u. s. w. fast keine Rücksicht nahmen, daß sie endlich dasjenige, was unsere älteren einhei mischen Geschichtschreiber darüber sagen, wenig beachteten, daß man

demnach in ihre Angaben, die den älteren so entgegengeseßt sind, ein billiges Mißtrauen seßen müsse.

Endlich lesen wir in jener Stelle Folgendes: »Von den Onoguren, die später Uguren, Uiguren und Ungern hießen, sind noch heut zu Tage unbezweifelte Nachkömmlinge in einem der russisch - asiatischen Gebiete vorhanden, deren Sprache, wenige Veränderungen ausgenommen) der heutigen ungrischen völlig gleich kommt.<

Die Benennung Onogur, Ugur, Uigur scheint ein alter allgemeiner Name der kaukasischen Bewohner, so wie der der Scythen, gewesen zu seyn, wenigstens gehörte er gewiß nicht ausschließend den Magparen zu. Denn was wir in den Nachrichten der älteren und neueren Schrifts steller (z. B. selbst in Klaproth's Reise in den Kaukasus) von den Diguren als einer schon ziemlich kultivirten ost - asiatischen Nation lesen, scheint auf die asiatischen Magyaren nicht anwendbar zu seyn. Es ist also nicht sicher, die Diguren und die alten Magyaren für eine und dies selbe Nation zu halten. Und welches ist denn das Gebiet des_rufsischen Asiens, in welchem die Abkömmlinge jener Diguren oder Magyaren jest wohnen, und deren Sprache der heutigen ungrischen völlig gleich kömmt? Dieß ist wohl noch jezt unentschieden, und wird unentschieden bleiben, so lange, bis nicht eine Expedition von Sachkundigen, wie sie Verfasser dieses in seiner »Denkschrift an die ungrische Nation,« Preßburg 1822, vorgeschlagen hat, zu Stande kommt. Sollen diese Abs kömmlinge etwa die Abassen am Kaukasus seyn, welche behaupten, sie hätten vorher bey Kuma gewohnt, und ihre Hauptstadt wäre M a da sar gewesen, und in deren Sprache wirklich viel Magyarisches, nicht bloß in einzelnen Wörtern, sondern im inneren Bau derselben zu finden ist? Oder sind es die Baschkiren? die Ogurzen am kaspischen Meere ? die Kabardiner überhaupt? die Wogulen? die Nogayer? die Ostiaken ?c., in deren aller Sprache ebenfalls viel Ungrisches vorkommt? Nach der Etymologie des Herrn Verfassers jenes Auffaßes sollten die Ogurzen die Nachkommen der alten Onoguren und Diguren seyn, also der Magya ren; aber bey den anderen genannten Nationen findet man fast noch mehr Spuren magyarischer Sitten und Sprache, als bey diesen. Nach andern Nachrichten welche das ungrische Journal: Tudományos Gyűjtemény, Jahrg. 1812, enthält, sollen sich besonders unter den Baschkiren mehrere magyarische Familien zerstreut vorfinden. Alle diese Angaben und Nachrichten sind unbestimmt und unsicher. Unstreitig sind die Ueberbleibsel der Magyaren in Asien, weder unter diesen Namen, noch als eine Nation mehr vorhanden. Auch was die Sprache anbelangt, so würden wir die jeßige magyarische, größtentheils in Europa gebildete Sprache, in Asten schwerlich mehr finden, und müssen demnach das alte Assatisch -Magyarische von den Neuern wohl zu unterscheiden wissen. Es scheint demnach weder die Sprach noch die Nationalverwandtschaft der Magyaren mit Finnen und Lappen so erwiesen und ausgemacht wahr zu seyn, wie sie der Verfasser jenes Aufsaßes annimmt.

Daniel Kanka,

Prof. der Dogmatik an dem prot. theol.
Seminar in Wien.

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