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gangen, namentlich die Literatur der vorreformatorischen Zeit, und unter den von ihm erwähnten Schriften sind ihm gerade die ältesten nicht in den ersten Ausgaben und in der Vollzahl ihrer Ausgaben bekannt geworden. Die Auf= gabe und der Umfang der Werke, in denen sich seine Darstellungen finden, gestatteten ihm wohl auch nicht, tiefer und erschöpfender in die Sache ein= ugehen, so daß das von ihm Gebotene für die Geschichte des Sprachunter= richts doch nur den Werth eines Abriffes und zum Theil nur den eines Fingerzeiges hat.

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Aufgemuntert besonders von dem nun heimgegangenen alten Freunde und Mitarbeiter der Gebr. Grimm, Herrn Profeffor Weigand - Gießen, hat der Verfasser es sich angelegen sein laffen, alle auf die Geschichte des deutsch= sprachlichen Unterrichts bis zum Anfange des 17. Jahrhunderts bezüglichen Werke zu sammeln, und freudig und dankbar das Anerbieten des Herrn Seminardirektor C. Kehr-Halberstadt und der Verlagsbuchhandlung Thienemann-Gotha, einen Theil der vom Verfasser gesammelten Duellen als An= hang zu Kehrs Geschichte der Methodik aufzunehmen, als die erste Stufe zur Verwirklichung des oben gekennzeichneten Planes begrüßt.

Je mehr aber der Verfasser seine Studien zum Zwecke der dem Text= abdrucke beizufügenden literarischen Noten zu vertiefen suchte, wuchs das Material unter der Hand und gestaltete sich zu einer zusammenhängenden Geschichte des deutschsprachlichen, insbesondere des deutschen grammatischen Unterrichts. Als solche darf der Verfasser nun die „literarischen No= tizen" bezeichnen, die den auf S. [1]-[188] abgedruckten Quellenschriften auf S. [189]-[420] folgen und zunächst gelesen sein wollen. Sie bilden mit den lezteren zugleich eine hoffentlich nicht unwillkommene Ergänzung zu Kehrs Geschichte der Methodik, in der infolge des Mangels an geeigneten Vorarbeiten gerade die Zeit bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, die Zeit der Anfänge des deutschen Volksschulunterrichts keine eingehendere Behand= lung gefunden hat.

Es hat einen eigenen Reiz, den Anfängen eines Unterrichtsgegenstandes und seines Betriebes nachzugehen, die Umstände zu ergründen, aus denen die Bemühungen um Einbürgerung und Förderung eines Unterrichtsstoffes und einer Unterrichtsweise hervorgegangen sind, die Gegensäge und Hindernisse zu ver= folgen, durch die sich diese Bemühungen hindurchbewegt, hindurchgerungen haben. Ganz besonders gilt dies vom deutschsprachlichen Unterricht. Unsere Zeit"

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so sagt mit Recht Otto Jahn (in der Rede über die Bedeutung und Stellung der Alterthumsstudien in Deutschland, den 15. Oktober 1859) —, ,, unsere Zeit im Genuß und im stolzen Bewußtsein der nationalen Literatur übersieht die Verdienste einer Vergangenheit, welche im erfolgreichen Ringen mit fremden Sprachen den Weg der Herrschaft über die eigene bahnte." Ver= fasser hat versucht, dieses Werden und Ringen des deutschsprachlichen Unterrichts bis zum Schlusse der ersten großen Periode in dieser Entwickelung den Lesern vor Augen zu führen, und darf wohl gerade in der Gegenwart, wo im deutschen Schulwesen der Sprachunterricht die erste Stelle eingenommen

hat und im Deutschen Reiche eine einheitliche Orthographie hergestellt ist, für die verwandten Bemühungen der früheren Jahrhunderte ein lebendiges Interesse erwarten. Die Darstellung der Weiterentwickelung, welche sich vorzüglich an die Namen Joh. Clajus und Wolfgang Ratke knüpft, muß einer späteren Zeit vorbehalten bleiben 1).

So dankbar der Verfasser die genannten und andere Vorarbeiten benugte, so machte er es sich doch zur Hauptaufgabe, aus den noch nie genau durchforschten 2) primären Quellen zu schöpfen und so seine Arbeit auf eigenstem Boden auszu= führen. Es galt vor allem, möglichst umfassende Erhebungen über das noch vorhandene alte handschriftliche wie gedruckte Quellenmaterial zu veranstalten, und um des Zusammenhanges willen, in dem der deutschsprachliche Unterricht mit anderen Erscheinungen des Kulturlebens unseres Volkes steht, die ältere Geschichte des Schulunterrichts in Deutschland überhaupt unter Benugung der neuesten Ergebnisse geschichtlicher Forschung auf gesichertere Grundlagen zu stellen, als sie in den bisherigen bekannten Werken von Ruhkopf, Schwarz, Schmidt u. s. w. besigt. So schwierig auch ein derartiges Unternehmen sein muß für einen Autor, dem nur wenig Mußzestunden zur Verfügung stehen, und an einem Orte, wie Plauen, der eine größere Bibliothek weder in seinen Mauern birgt noch in der Nähe hat, so hat sich der Verfasser doch bemüht, seine Stu= dien in einer den Stoff möglichst erschöpfenden Weise zu betreiben, ungeprüft keine fremde Angabe hinzunehmen und, soweit möglich, kein Werk zu citieren, das er nicht selbst in Händen gehabt hat. Freilich ist dadurch auch das schon vor Jahresfrist im Vorwort zu Kehrs Geschichte der Methodik als demnächst bevorstehend signalisierte Erscheinen des vorliegenden Werkchens verzögert worden. Die Beschaffung und Bearbeitung des sehr zerstreuten Materials, aus welchem sich das Werk erbaut, täuschen noch bis zum legten Augenblick zu leicht über das Maß der Zeit, das sie fordern.

Wer die vorhandene Literatur und unsere deutschen Bibliotheken kennt, wird es wohl nicht misbilligen, wenn der Verfasser in seinen Mittheilungen hie und da etwas ausführlich geworden ist und namentlich dem Textlichen und Bibliographischen viel Raum gewährt hat: es war eben einerseits fast alles ganz neu zu untersuchen und zu belegen, anderseits handelt es sich vielfach um bibliographische Raritäten ersten Ranges, und ferner wollte der Verfasser anderen eine Handreichung thun für weitere Studien und ihnen die mühevolle, zeitraubende und kostspielige Arbeit des Suchens nach dem Material ersparen oder wenigstens erleichtern. Von längeren Kontroversen hat er dabei möglichst Abstand genommen; er hat die hergebrachten Ansichten als zur Genüge bekannt vorausgesezt und dafür gesicherte Ergebnisse neuerer Forschungen eingestellt. Bei dem Abdruck der Quellenschriften und bei den meisten Citaten aus älteren Werken hat derselbe eine genaue Textwiedergabe für Pflicht gehalten; nur die

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1) Eine Vorarbeit dazu bilden des Verfassers Handschriftliche Natichiana" in Kehrs Pädagog. Blättern (Gotha, Thienemann, 1878 ff.).

2) Das gilt selbst von den für den Lateinunterricht bestimmten Schriften des besprochenen Zeitraums.

gröbsten Druck- oder Schreibfehler sind, wenn sonst der betreffende Schriftsteller sich von Fehlern freigehalten hat, ftillschweigend verbessert, Abbreviaturen und Ligaturen meist aufgelöst. Verlagshandlung und Druckerei haben bei der Wiedergabe alter Schriftzeichen und Figuren keine Mühe und Opfer gescheut und dadurch den Werth des Gebotenen nicht unerheblich erhöht.

Ehrerbietigsten Dank hat der Verfasser dem Königl. fächs. Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts abzustatten, welches demselben durch Gewährung eines Reisestipendiums den Besuch mehrerer Bibliotheken und die persönliche Einsichtnahme in sonst nicht oder nur schwer zugängliche Quellenwerke erleichtert hat.

Zu wärmstem Danke ist er auch den Vorständen der Bibliotheken verpflichtet, die seine Arbeit durch Überlassung ihrer Schäße oder durch Zustellung werthvoller Mittheilungen bereitwilligst unterstügt haben, vor allem den Herren: Prof. Dr. K. v. Halm, Direktor der Hof- und Staatsbibliothek zu München; Hofrath Dr. E. Förstemann, Vorstand der Königl. Bibliothek zu Dresden; Geheimrath Prof. Dr. Lepsius, Vorstand der Königl. Bibliothek zu Berlin; Prof. Dr. L. Krehl und Dr. Förstemann, Oberbibliothekaren der Universität Leipzig; Herzogl. Bibliothekar Dr. D. v. Heinemann zu Wolfenbüttel; Oberbibliothekar Prof. Dr. L. Sieber zu Basel; Gräfl. Stollbergischer Biblio= thefar Dr. Ed. Jacobs zu Wernigerode; Dr. K. Frommann, Direktor des Germanischen Museums zu Nürnberg; Königl. Bibliothekar Prof. Dr. Th. Schott zu Stuttgart; Universitätsbibliothekar Prof. Dr. Ehrenfeuchter zu Göttingen; Prof. Dr. Dziazko, Oberbibliothekar der Universität Breslau; Stiftsbibliothekar A. Baumgarten zu Kremsmünster; A. J. Hammerle, Vorstand der f. k. Studienbibliothek zu Salzburg; Bibliothekar J. Kränzler an der Kreis- und Stadtbibliothek zu Augsburg; Stadtbibliothekar Prof. Dr. Veesenmeyer zu Ulm; Stadtbibliothekar Dr. Wustmann zu Leipzig; W. Frhr. v. Löffelholz, Fürstlich Öttingenscher Bibliothekar zu Wallerstein; Königl. Bibliothekar Prof. Dr. H. Weißenborn zu Erfurt; Dr. K. Otto, Präfekt des fürstbischöflichen theologischen Konvikts in Breslau; Stadt- und Gymnasialbibliothekar Dr. W. Weicker zu Zwickau; ferner den Vorständen der Großherzoglichen Bibliotheken zu Weimar und Darmstadt, der Herzogl. Bibliothek zu Gotha, der Universitätsbibliotheken zu Freiburg i. B., Straßburg, Heidelberg, der Stadtbibliotheken zu Mainz, Frankfurt a. M., Hamburg, Lübeck, Zürich, der Königl. Bibliothek zu Haag, der Stiftsbibliotheken zu St. Gallen und St. Florian, desgleichen den Vorständen der zahlreichen anderen Bibliotheken Deutschlands, Österreichs und der Niederlande sowie den Vorständen der Staats- und Stadtarchive und anderen Herren, die dem Verfasser freundliche Auskunft ertheilt haben.

Möge die Arbeit des Verfaffers dieser allseitigen Unterstüßung würdig er= achtet werden und eine freundliche Aufnahme finden!

Plauen im fächs. Vegtl., den 18. Dezember 1881.

Joh. Müller.

Inhaltsverzeichnis.

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1. Brief Ruodperts von Sankt Gallen (Anfang des 11. Jahrh.)

II. Fragmente eines lateinisch-deutschen Donat (um 1400)
III. Heinrich Steinhöwels Interpunktionsregeln (1473 ?)
IV. Christoph Hueber, Modus legendi (1477)

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XIII. Valentin Icelsamer, Teutsche Grammatica (1534?)

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Außerdem im Text der liter. Notizen:

Tractatulus dans modum teutonisandi casus et tempora (1451)

Joh. Aventin, Rechte art vnd kunst Teutscher Sprach (um 1530) .

Christ. Hueber, Rethorica volgaris (1477) .

Der Schryfftfpiegel (1527) .

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Literarische Notizen.

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200.

sicht der wichtigsten Pädagogen des M.-A., Muttersprache im 1. Lebens-Septennium Muttersprache im gelehrten Unterrichte des M.-A. 200. Das Lateinsprechen 201. Nicht unbedingt gefordert 202. Psychologisch methodische Begründung des Ver= deutschens 203. Das Deutsche zunächst Mittel zur Gewinnung eines Wortverftändnisses des Lateinischen — 204. Lat.-deutsche Vokabularien — 204. (Deutsche PreSchriften u. Stoffe für den lat. Anfangsunterricht: Credo etc.

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209; ältester Druck (um 1470)

digten 206.)
Abecedarien, Tafelbücher
chiridion 211; Vokabellernen

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214; Deutscher Cato

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210; Melanchthons En213. Catonis prima

215; Handschriftliches aus d. 15. Jahrh.

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216.

218; deutsche

pars Lat.-deutsch. Donatus minor (um 1400) Glossen 220; deutsches Exponieren und Handschriften des Donat. min. cum interpretatione germanica — 221; Incunabel-Drucke cum vulgari expositione — 222. Einfluß Donats auf die deutsche Grammatik: lat. Schematismus u. Vorwiegen der Formenlehre 223. Die Schrift Ad patrem (um 1500) — 225. Deutsch im höheren Lateinunterricht 226. Lateinisch-deutsche u. deutsch-lat. Phraseologien (3 Arten); Anregung v. Italien 227; Grammatellus pro iuuenum erudicione cum glosa almanica (1499) 227; Pappa Jo. Murmellii (1513) 228; Sententiarum variationes Stephani Flisci (1475) — 230; Ulr. Ebrards Modus latinitatis (1487) — 231; Es tu scolaris (1495) — 232. Cisio-Janus 234; verdeutscht, Silben- u. Wort-Cisio-Janus — 237. Wiedererwachen der klassischen Studien: Das Deutsche als Mittel zur Erzielung einer sachlichen Klarheit im Lateinunterricht - 238. Deutsch als Unterrichtssprache beim Lateinlernen: Tractatulus dans modum teutonisandi casus et tempora (Münster 1451) 239. Deutsch im Unterrichte zu Wien (vor 1500), bei G. Hauer (1516), Rud. Agricola (1484) 243. Vergleiche zwischen Latein u. Deutsch im Lateinunterricht; Latein. Grammatiken a. mit besonderen Kapiteln de modo traducendi etc. 244. Exercitium puerorum grammaticale per dietas distributum (1491, bezhtl. 1485) 244; große Verbreitung, Verf., Unterrichtsmethode, epochemachend 245. Weg gefunden zu einer deutschen Grammatik 250. Opusculum quintupertitum oder Compendium octo partium (1486) — 251. Quadriuium Coclaei (1511) 252. Latein. Grammatiken b. mit mehr oder weniger durchgehender Beachtung u. Verwerthung des Deutschen für Wort- und Sach verständnis - 254. Sta lienisches Vorbild; Bernhard Pergers Grammatica noua (1482) 255. Deutsch in Latein. Grammatiken italienischer Humanisten (Perottus, Niger, Mancinellus, Aldus Manutius) 256. Joh. Synthis, Verba deponentalia u. Composita verborum (1487) 257. Wilhelm Zenders v. Weert, Lilium grammatice (1491) 258. Remigius per figuras (um 1490) 259. Gregor Reisch, Margarita philosophica (1503) 259. Joh. Aventin (Turmair), Grammatica omnium utilissima (1512) 261. Joh. Pinicianus, Epitoma grammaticae (1513) — 264. Joh. Lidelphus, Enchiridion artis gramm. (1513) 265. Formula declinandi et coniugandi (1521) 265. Georg Hauer, Puerilia Grammatices (1514) u. Hauerius (1516) – 266. Joh. Aventin, Rudimenta grammaticae (1517) 266. Detailmaterial für eine systematische Bearbeitung des Deutschen gewonnen u. Sinn für solche Bearbeitung geweckt 268. Grammatiken für höheren Lateinunterricht mit bloßen Verdeutschungen: Wenzel Brad (1486), Aurea grammatica и. Prima pars doctrinalis (1488) 268; Matth. Herben (1500), Joh. Murmellius (1504) u. (1514), Jac. Henrichmann (1506) 269. Humanistische Grammatiken ohne Deutsch: Timann Kemner (1502), Joh. Brafficanus (1508), Joh. Despauterius (1512) 269. Internationale Bestimmung ihrer Bücher; größere Kenntnis des Lateins vorausgesetzt; Georg Simler (1512), Joh. Susembrot 270. Jüngere Humanisten;

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