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S. 205.
Die ganze Absicht des Hen. Simons gieng dahin, alle Copialbücher, fie mo: SimonsVou:
gen auch beschaffen regn, wie sie wollen, verdächtig zu machen; ohne einen gehörigen geben wider,
Unterschied unter den verschiedenen Arten derselben zu beobachten. » Man mus inders die Copialbů:
fen, sagt er ben Gelegenheit der Freißeitsbriefe (a), wohl bemerken, daß die Món:

cher.
che deren einige in ihre Copialbücher mit eingerůcket haben, die von ihnen selbst
geschmiedet worden. Was aber diejenigen betrift, die an sich richtig sind, so ha:
ben sie dieselben oft viel weiter ausgederiet, als sich die Originalia erstrecket haben.
Daher mus man sehr behutsam verfaren, wenn man den Copiaibüchern der Món:

che Glauben beimessen wil. So empfindlich diese Beschuldigung ist, so unera
weislich ist sie doch. Der Verfasser hat sich indessen durch die Unmóglichkeit, sol:
che zu beweisen, nicht aufhalten lassen. Eine Verlaumdung ist ohne andre Beweise
an sich schon hinlänglich bey gewissen Leuten Eindruck zu machen. Doch was wir
jekt anfüren werden, ist noch erstaunender. Solte man wohl glauben, daß ein Ran
von Verdiensten, der von der Geistlichkeit Frankreichs besoldet worden, ihre Nach:
richten zu sammeln und in Ordnung zu bringen, das Echo eines so berüchtigten Schrift:
stellers werden fdnnen? Indessen ist dieser doch die einige Quelle

, aus welcher er seine parteiischen Aussprüche wider die Kapitel, Kloster und andere Gemeinheiten in Absicht der Copialbücher schöpfet. Es ist wahr, er wird über die vielen Gefälligkeiten seines Wol: thåters beschåmt und füret ihn an. Warum schåmete er sich aber auch nicht, seine Vorur: theile nicht nur anzunemen, sondern sie auch noch weiter zu treiben? Es würde zu weitläu: fig renn, wenn wir alles dasjenige anfüren wolten, was der Samler dieser Nachrich: ten von dem vorhingedachten Kunstrichter entlenet hat. Wir wollen nur eine kurze Stelle anfüren, aus welcher man fchon hinlänglich sehen kan, wie viel jener diesen zu verdanken habe. Der" lektere ist in dieser Stelle so fentlich, daß man sich über die grosse Henlichkeit der Ausdrucke und Gedanken notwendig verwundern mus. Die kleinen Veränderungen, durch welche sich der Abschreiber wider den Namen eines Plagiarii in Sicherheit reken wollen, werden zwar feinem Wiß nicht viele Mühe gekostet haben; desto mehr Gewalt wird er aber seiner Einbildungskraft baben anthun müssen, als er sein Muster noch übertreffen wollen. So weit es nun auch sein Lehr: meister gebracht haben mag; fo fehr hat es ihm doch sein Schüler zuvorgethan. Der erste, der sich nur allein auf ein Copialbuch Italiens ftůßen fonte, rahe wohl, wie låcherlich es seyn würde, wenn er behaupten wolte, daß der größte Theil der Acten in diese Samlungen nicht volständig und von Wort zu Wort eingetragen werden, Der lektere, der ohne Zweifel fein einiges selbst untersucht hatte, glaubte nicht so behutsam renn zu dürfen; indessen verlangt er doch eben so beherzt, daß man ihm auf fein blosses Wort glauben fol. Man würde nur vergeblich einen entweder guten oder schlechten Beweis seiner erstaunenden Beschuldigungen von ihm verlangen. Er hat vielleicht wohl noch niemals darauf gedacht.

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BB 3.

Verglei

(a) Hist. de l'origine des révenues ecclef, tom. I. p. 153,

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:

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Vergleichung der Stellen des Herrn Simon und des Heraus:

gebers der neuen Nachrichten der Geistlichkeit. ” Die Copialbücher, fagt Herr Copialbücher, sagt der Heraus: » Simon, sind nichts anders, als gewis: geber der Nachrichten der Geistlichkeit,

re Erbregister der Kirchen, worin die pfleget man diejenigen Samlungen Rauf Verkauf- und Tauschvertrås

oder Erbregister der Kapitel, Kloster

und andrer Gemeinheiten zu nennen, ge, die Freibeiten, Vorrechte, Eremp:

in welche die Rauf- Verkaufs und tiones und andere Urkunden ein:

Taurohverträge oder andre Schriften, getragen worden. Diese Copialbů: Schenkungen, die diesen Gemeinheiten ” cher sind um ein gut Theil jünger, gemacht seyn sollen, die ertheilten Ers als die meisten Acten, die in denselben

emptiones und andre Urkunden

eingeschrieben worden. -- Die Coe befindlich sind, und sie find blos aus

pialbücher sind mehrentheils um ein der Ursache gemacht worden, um gut Theil jünger als die Acten, die » diese Acten volständig zu erhalten, und sie enthalten. Sie sind aus der

damit die Nachkommen sich derselben " Ursache gemacht worden, damit bedienen möchten. Reven. ecclef.

das Andenken dieser Acren erhalten

» werden möchte, und damit man sich Th. 2. S. 268.

derselben bedienen fonte. Memoires

du Clerge' Th. 6. S. 1084, Der Ausdruck Erbregister (Papiers terriers), der bier gebraucht worden und Copialbücher andeuten fol, ist ein wenig sonderbar, und wir folten denken , daß auch nur ein blosser Sachwalter von demselben nicht þintergangen seyn würde. Die Urheber des algemeinen Wörterbuchs, die nicht so scharfsinnig find als unser jektgedachter Samler, haben in den Ausgaben von 1721 und 1733 aber doch nur allein in dem Worte Cartulaire sowol die Denkungsart als auch die Ausdrücke des Herrn Simon augenscheinlich beibehalten. Wir fónnen sie also in feiner Person zugleich mit widerlegen. Jedoch folgen sie ben dein Worte Papiers terriers der gewónlichen Beschreibung. Wir wollen indessen noch zwen Stellen dieser beiden Verfasser mit einander vergleichen. Sie werden beweisen, daß der Samler der nachrichten die Vorwürfe viel weiter treibt, als der Urheber von der Geschichte der geistlichen Einkünfte. » Die Samler der Copialbůs

Die Samler der Copialbücher

haben sich nicht die Mühe genommen, cher, sagt dieser, haben die Acten nicht auch nur die meisten Acten von Wort » allemal so in dieselben eingetragen, wie

zu Wort eingetragen. Sie haben sie

nach ihrer Denkungsart und nach der sie in den Originalstücken gelautet ha: Bedeutung und den Folgerungen, die ben. Dies lasset sich leicht beweisen. ,

ein jeder von ihnen daraus berleiten wolte, umgebildet. Wenn man dieje:

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» Man darf nur die Originale und Co. nigen Acten, deren Originale man

hat, mit den Copien, die in den Cou ” pien, welche in die Copialbůcher ein:

pialbůchern befindlich sind, vergleis getragen worden, mit einander vers

chen wil : so wird man eine sehr gross ” gleichen; oder auch nur alte Copial:

re Verschiedenheit gewar werden;

ja es sind nicht einmal die Copien in bůcher gegen neuere halten. Denn, ” verschiedenen Copialbüchern von einer

und eben derselben Acte mit einander je neuer sie sind, desto weiter denen sie

» übereinstimmig. Die neuern Samler auch die Originale aus.

Revenues

tragen sie mehrentheils in einem viel eccles. Th. 2. S. 269. 270.

weitern Umfange vor, als sie in den ål:

tern Copialbüchern ausgedruckt sind.”
» Memoir. du Clerge' Th. 6. S.1086.

1087.
Wenn man sich einen rechtmäßigen Begrif von den Copialbüchern und ihrer
Uebereinstimmung sowol untereinander, als auch mit ihren Originalen machen wil :
so wird man gerade das Gegentheil von demjenigen nemen müssen, was der Ver:
fasser der Nachrichten aus seinem Geķirn zu den Såßen des Herrn Simon hinzu:
rebet (57),

S. 206.
Da Herr Lenglet (6) aus eben der Quelle geschöpfet gat, aus welcher der Lenglets Be:
Samler der Nachrichten der Geistlichkeit seine Beschuldigungen hergenommen: so schuldigun:
ist es kein Wunder, daß er gleichfals die Copialbücher mit den Erbregistern der gene
Kirchen und Rioster derwechselt hat. Die Art, mit welcher er sich über ihre Auf:
richtigkeit erflåret, ist in Absicht der Ausdrücke ein wenig zweideutig. Wenn er so
viel sagen wil, daß diejenigen Copialbücher, die när Copien enthalten, welche
ohne offentliche Gewalt verfertiger worden, und in welchen man sich eine
vollige Freiheit herausgenommen, sehr verdächtig sind: so wird ihm jederman
Beifal geben. Es darf nur noch untersuchet werden, ob es deren viele giebt, oder
ob auch når ein einiges dieser Art vorhanden ist. Da es aber wahrscheinlicher ist, und
dem Endzweck des Verfassers gemässer zu fenn scheinet, daß er durch seinen Saç
nicht sowol eine besondere Art von Copialbüchern bestimmen, als vielmehr alle Co:
pialbücher der Kirchen dadurch überhaupt verdächtig machen wollen: so ist derselbe
fo übertrieben und so augenscheinlich falsch, daß wir die Zeit auf eine sehr unnuke
Urt verschwenden würden, wenn wir uns ben der besondern Widerlegung desselben
aufhalten wolten. Durch die Beantwortung der Beschuldigungen der beiden erstern
Verfasser wird auch der Ungrund seines Vorgebens zugleich mit aufgedeckt werden.

S, 2071
(6) LENGLET Méthode pour étud. l'hist. tom. 2. p. 382.
(57) Die vom Richard Simon und dein les und Polypricha veranlasset zu seyn, die vor
Berfasser der memoires du Clerge geschehene dem Gebrauch der Copialbücher in den Risstern
Berwechselung der Copialbücher init den Paz üblich gewesen, und mehrere Uenlichkeit mit den
piers terriers scheinet durch dic Libros census Papiers terriers gehabt als diese.

S. 207. Verteidigung

Wir haben bereits zugegeben, daß sich Copialbücher finden, worin die Origi? des carauris tale zwar abgekürzt worden; aber nur in solchen Sachen, die zwar noch von den rden Co: blossen Formeln verschieden sind, aber demohnerachtet im geringsten nicht wesentlich pialbuchs. sind oder zu seyn scheinen. Man wird aber fein einiges Beispiel davon aufweisen

können; ausser nur in uneigentlich sogenanten Copialbüchern. Was die dren ersten år: ten betrift, so würde ein weit zuverläßigeres Unsehen nötig seyn, als das Ansehen des Herrn Simons ist, ehe man glauben fonte, daß sie die Originale erweitern. Die: fer Gelehrte füret nur ein einiges Copialbuch an, welches er selbst nicht gesehen hat, aber es doch für weit neuer ausgiebt, als dasjenige, mit welchem er einige gedruckte Stůcke verglichen hatte. Allein die Wirklichkeit dieses neuern Copialbuchs ist eine blosse Mutmassung von ihm. Er bildet sich ein, die Urkunden můsten in demselben diel mehr erweitert fenn, als in dem alten, und hieraus schliesset er, daß sie wirklich in demselben befindlich sind. Er bildet sich ein, die in diesem lektern befindlichen Urfunden, müsten eine volkomne Gleichförmigkeit mit den Driginalen haben; obgleich unstrei: tig viele unter ihnen, selbst nach dein Geständnis ihres Samlers, eigentlich zu sagen nur Auszüge find: und dies ist ihm schon hinlänglich, daraus zu schliessen, daß fie volkommen miteinander übereinstimmen, und daß die Abschriften, die nicht mit ihs nen übereinstimmen, so genau und gleichförmig sie auch mit den Originalen sind, nach der Zeit erroeitert worden, und folglich aller Glaubwürdigkeit unwürdig find. Es lauft also die ganze scharfsinnige Kritik des Herrn Simon blos darauf þinaus, daß er unvolkomne Copien für volfommen übereinstimmig mit ihren Originalen ausgiebt, und daß er diejenigen, die die Originale aufrichtig und von Wort zu Wort liefern, für untreue, ja gar für verfälschte Abschriften hålt. Ueber dem, wenn auch das ver: dächtig gemachte Copialbuch so unrichtig wäre, als unser Kunstrichter behauptet: po würde daraus noch im geringsten nicht folgen, daß auch alle andere deswegen ver: fälscht seyn müsten. Man mus sich indessen nicht wundern, wenn ein Man der: gleichen Folgerungen macht, dessen Grundsak es gewesen zu seyn scheinet, von dem besondern auf das algemeine zu schliessen. Denn so schließt er hier von einem Copialbuche, ben welchem er sich von seinen Vorurtheilen hintergehen lassen: daß die rjónde (-) kein Bedenken getragen, die Urkunden ganz anders in ihre Copialbücher einzutragen, als sie in den Originalen gelautet (U).

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S. 208. (C) SIMON Révenues eccles. tom. 2. p. 271. (4) Dhne Beweis mus man niemals eine I), daß die Verfasser der Copialbücher, wenn Sache der unrichtigkeit wegen in Verdacht zie: fie gesehen, wie fie verschiedene Ländereien ben. Das Uebel ist aber allemal grösser, wenn und gewisse Vorrechte befassen, von welchen man ganzen Geselschaften, die dem Dienste Got: sie doch keine Urkunden aufweisen könten, tes besonders gewidmet sind, folche Beschuldi: ” kein Bedenken getragen haben, solche Urs gungen macht, zunal wenn man sie in einem ” kanden zu fchmieden, und sie in ihre Copials so zuversichtlichen Ton bestreitet, als wann gar bücher mit einzutragen ". So weit lasset kein Zweifel mehr hatfinden könte. Mit einer unser Verfasser seinem Wit den Zügel schieffen. solchen Verwegenheit behauptet Herr Simon

1) Réven, eccles. com. 2. p. 272.

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s. 208.
Das alte Copialbuch, wovon Hr. Simon fo viel Geschren macht, befindet sich zu Copialbuch
Casaurum oder Pescara in der Landschaft Abruzzo im Kónigreich Teapolis. Šo fu Cafaurum.
ist aber mehr für eine Art von einer Ehronik als für ein Copialbuch zu Balten, und
unter dieser erstern Benennung ist es auch in dem Specilegio des d'Achery abgedruckt
worden. (o). Die wesentliche Beschaffenheit dieses Werfs erforderte es schon, daß
der Verfasser desselben, Johan Berard, die Urkunden, die er anfürete, abkürzen mu:
fte; damit es, feinem eigenem Ausdrucke nach, nicht die Grenzen eines einigen Ban:
des überschreiten möchte (B). Ugbelli, der in dem sechsten Theil seines Italia far
cra einige von diesen Stücken mit abdrucken lassen, hat sie aus den Originalen oder
doch diesen volfommen ånlichen Copien genommen. Folget nun wohl hieraus, daß
nicht nur ein Copialbuch zu Cafaurum, sondern daß auch überhaupt alle Copialbů:
cher der Kidster von den Mönchen erweitert worden, wie Hr. Simon behauptet; ja,
daß diefes sogar von den Stiftsherren geschehen, die der Herausgeber der Nachrich:
ten der Geistlichkeit für Mitschuldige der ersteren ausgiebt? Würde es nicht im Ge:
gentheil billiger fenn, wenn man nur daraus schlosse, daß nur allein in den alten Hifto:
rischen Copialbüchern, die in der Gestalt der Ehroniken abgefaffet find, die darin be:
findlichen Diplomen in manchen Stücken abgekürzet worden? Es ist dies feine blosse
Mutmassung in Betrachtung des cafaurischen Copialbuches. Hr. Mabillon, der
es im Original gesehen hatte, bezeuget fetbst, daß dessen Verfasser den Eingang und
den Schlus vieler Instrumenten abgefürzt, Folches aber auch selbst angemerket habe.
Er füret sogar die eigenen Redensarten desselben an, damit man nicht glauben folle, er
wolle ihm etwas in den Mund legen, das er doch nicht selbst ausdrücklich gesagt habe.
Kan man nun noch diesen Verfasser der Untreue oder der Verfälschung beschuldigen?
Kan man nun wohl alle Copialbücher überhaupt noch für verdachtig und unrichtig
halten? Und dies ist dennoch das einige Denkmal, auf welches Hr. Simon alle Vor:
würfe wider dieselben gründet. Denn was den Herausgeber der Nachrichten der
Geistlichkeit betrift; fo fennet er feinen andern Beweis feines Vorgebens, als das Un:
sehen dieses Kunstrichters : ohnerachtet er volkommen überzeugt war, daß er sich auf
dessen Beifal nicht berufen dürfte, ohne daben seine eigene Ehre auf das Spiel zu
feßen (58).

S. 209.
(0) MABILLON de re diplom. p. 370.
(B) Nec illud praetereundum, quod exordia (58) Das Chronicon oder Chartularium
feu conclufiones inftrumentorum rcfecuit colle- cafaurienfe, fo gleich nach der Mitte des zwölfs
dor, ne volumen voluminis modum excederet. ten Jahrhunderts verfertiget worden, wird vom
Quod in aliis chartariis factum est non raro 2). Mabillon de re diplom. S. 236 umständlich
So redet Berard selbst. Hr. Mabillon, der beschrieben. Einige Stücke aus demselben bes
hier seine eigenen Worte anfüret, versichert, daß finden fich fomol in der du Chesne Scriptor. rer.
dergleichen Abkürzungen nicht selten find; wel: Francic. Th. 3; als auch in des d'Achery Spe-
ches aber allemal nur auf die historischen Copiat: cileg. Th. 5.' Die Bewegunsgründe, die den
bứcher, von welchen hier allein die Rede ist, eia: Berfasser Jobannem Berardum jur Samlung
geschránket werden mus.

desselben bewogen, lauten mit dessen eignen Wors

ten
2) MABILLON. de re Diplom, p. 236.
Diplom. I. Th.

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