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287 deres aus einem alten Denkmal angefüret, welche den römischen Rathspersonen überliefert worden.

S. 298.
Wir müssen nur noch zweier Arten von Briefen gedenken, welche sich auf ein: Nuutii, Epi:
ander eben so wenig beziehen als auf die vorhergegangenen. Zur erstern Art gehd: stola Colles
ren die sogenanten Tuntii, welches Briefe waren, die der Erzpriester, Archidiaco: ctionis.
nus und oberster Votarius oder der erste unter den Subdiaconis zu Rom an den
Brarchen zu Ravenna schrieb, und ihm darin von dem Tode eines Papstes Nach:
richt ertheilete (o). Zur andern Art gehören die Lpistol: Collectionis, welches
Urkunden waren, worin die geschehene Uussegung eines Kindes bezélget, und dassel:
be an jemand überlassen wurde, der dafür eine gewiffe Summe Geldes erlegen mu:
ste und es nachmals als seinen Sclaven behalten fonte (e). Hieraus erhellet also, daß
eine Charta de Sanguinolento von der Epiftola Collectionis nicht verschieden
gewesen. .

Dritter Artikel.
Von Urkunden, welche Indiculi oder Indicula

genant worden.

Inhalt.
1. Glaubensbefantnisse der Bischöfe S. III. Königliche Indiculi S. 301.

299.
II. Verschiedene Arten von Indiculis Iv. Indiculi von Prälaten und an die:

,
S. 300,

Felben S: 302,

S. 299. in Indiculus oder Indiculum þat fast allemal den Begrif eines Briefes bey Glaubensbes

fich, es mag nun wirklich ein Brief fenn, oder doch wenigstens -nur die Form lentnisse der

desselben an sich haben. Man fonte diese Art von Urkunden daßer durch Bischofe. Berichte erklären, die in Form einer Epistola abgefaffet sind. Sie wurden meh: rentheils an eine Kirche, an ein ganzes Volf, und an Personen, die in ansenlichen offentlichen Vemtern standen, gerichtet; selten aber an gemeine und niedrige Leute: dagegen aber findet man, daß sie zuweilen an bereits verklärte und verherrlichte Heis ligen abgelassen worden. Es wird daher in dem Tagebuch der roinischen Papste das Glaubensbekentnis, welches die Päpste nach ihrer Wahl dem heiligen Petrus, ihrer Geistlichkeit und ihrem Volt zuzuschreiben pflegten, mit diesem Namen bes legt (a). Die Glaubensbekentnisse

, welche die Bischofe in Italien, in der Lombars dey und in fremden ländern in diesen Fällen ihren Händen überlieferten, waren auf ferdem noch mit Versprechungen in Absicht der weltlichen Beschaffenbeit des Reichs begleitet (6). Diese Bekentnisse wurden durch Eidswüre und durch Verwuns

schun: (0) Diurn. Rom. Pontif. p. 9. (e) BALVZ. Capitul. tom. 2. p. 474.

Diurn, Rom. Pontif. p. 25. feqq. (6) Ibid. p. 89. feqq.

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schungen wider die Urheber derselben

beståtiget, wenn sie ihnen gurdider bandeln wür: den. Der Begrif, den uns diese Befentnisse von der Beschaffenbeit der Indicus lorum beibringen, scheinet sich mit der Vorstellung nicht reimen zu lassen, die Here du Cange in seinem lateinischen Wörterbuch der mitlern und spätern Jahrhunder: te von denselben macht; wie er denn auch mit dem Begrif nicht übereinzustimmen scheint, den er dem Sieronymus Bignon in den Anmerkungen des leßtern über Marculfs Formeln beilegt. Diese beide Gelehrten stellen uns die Indiculos als Befelsschreiben vor, die von den Pråceptis nicht weiter unterschieden gewesen, als weil die leßtern untersiegelt, die erstern aber nur unterschrieben worden. Wir haben indessen nicht nur fönigliche Indiculos (-); sondern auch Abschriften von solchen Indiculis, worin versichert wird, daß sie zu gleicher Zeit unterschrieben und unter: Tiegelt worden. Herr Mabillon macht noch einen andern Unterschied zwischen Ins Diculum und Praceptum(o). Das lektere betrift, ihm zu Folge, etwas künftiges, das erstere aber das gegenwärtige. Er fåget noch aus dem Herrn Baluze hinzu, daß Indiculus zuweilen von dem Befel oder der Verordnung eines Fürsten gebraucht werde.

S. 300. Verschiedene Wir müssen gestehen, daß, wenn man die Form der Briefe, in welcher sie meh: Arten von

rentheils abgefasset sind, ausnimt; ben dieser Art von Urkunden nichts bestimtes und Jadiculis. übereinstimmiges angetroffen werde. Indessen lasset sich der Ausdruck Indiculus

oft durch ein Berichtschreiben überseßen. Die Indiculi der Könige enthalten ges meiniglich eine Vorladung für iþren Richterstul (e). Die Verhaltungsbefele, weli che der Papst Sormisdas seinen Gesandten nach Constantinopel gab, füren auch die Aufschrift Indiculus (U). Man hat noch einen Indiculum aus eben diesem Zeitpunct, welcher nichts mehr enthält, als einen Bericht von demjenigen, was zu Thesselonich auf Unstiften einiger Bischofe vorgegangen war, und was man damals zu Constantinopel in Absicht ihrer befürchtete (f). Im achten Jaþrhundert fins det fich noch ein andrer Indiculus, welcher ein blosses Verzeichnis des þeidnischen Aberglaubens enthalt (9). Es ist in dieser lektern Bedeutung das Diminutivum von Index, und scheinet mit dem Begrif eines Briefes nicht das geringste gemeint zu haben. Eben dies würde sich von einem Indiculum Sacramenti sagen lassen, welches sich in der Samlung der Beweisfchriften für die Freiheit der Abten zu Clus ni (6) befindet; wenn es etwas ånliches mit einem Verzeichnis Håtte. Ulein es ist eine blosse Erzálung von dem Eide, den der Bischof von Macon auf der Kirchen: versamlung zu Chalon im Jahr 1963 abgeleget. Aus allem diesem erhellet, daß die Bedeutung des Ausdrucks Indiculus von einem seộr weiten Umfang ist, und daß

der:

(C) BALV2. Capit. tom. 2. p. 452. 554. 561. (0) MABILLON de re die plom. p. 4. (e) Concil. LAB B. tom. 6. p. 1426. 1476.

f) Ibid. p. 1922.

(9) Ibid. p. 1941. (h) Recueil des piéces, qui établiffent l'ex emption de l'Abbaïe de Cluni p. 24. (1) Im funfzehnten Jahrhundert pflegte ctiones zu nennen. Concil. LAB). tom. 12. man dergleichen Verhaltungsbefele blos Instrus p. 797.

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derselbe feine Art von Briefen oder Urkunden bezeichne, welche mit den übrigeu
nichts gemein hatte. Daher halten wir ihn auch mehr für eine algemeine Benen:
nung der Briefe, als für eine Bestimmung einer besondern Art derselben. Denn
die Verfasser der Indiculorum nennen sie selbst sowol Litcerolas (i), als Apices (6),
als auch Suggestiuncula (1) oder Suggestiones, als auch endlich Litteras (m).
Ein Indiculuin generale ad omnes Somines war nichts anders als ein Schrei:
ben an die Bischöfe, Hebte, Patricios, Herzoge, Grafen und alle Gläubigen zum
Behuf desjenigen Pilgrims, welcher der Ueberbringer desselben war (n). Es wur:
de auch ein Schreiben, welches nur eine algemeine Ueberschrift ohne eine besondere
Bestimmung eines Standes oder einer Würde ḥatte, Indiculum generale ao
omnes gentant (o). Besondere Empfelungsschreiben füren ebenfals den Namen
Indicula.

S. 301.
Wenn eine Urkunde, die in der Uufschrift Indiculus genant worden, auch mit Königliche
dem Namen Práceptum oder Préceptio belegt wird: ro mus man daraus noch Jadiculi.
nicht schliessen, daß jeder Indiculus auch zugleich ein Befel fen (V); indem dieses
lektere héchstens nur den Indiculis der Könige zukomt. Ueberdem finden wir ei:
nen solchen Indiculum, der in der Urkunde selbst Litterá nicht aber Práceprum
genant wird (9) Vielen andern wird in dem Zusammenhang der Urkunde selbst
gar feiue Benennung beigelegt (r). Es ist nichts feltenes, daß sich Kidnige der
Schlusformel jubemus bedienen; ohnerachtet sie zuweilen auch den Ausdruck rogas
mus oder periinus gebrauchen. Die Indiculi der Könige waren also nicht allé:
mal Verordnungen; ja sie bedienten sich derselben auch, wenn sie an andere Koni:
ge blosse Höflichkeitsschreiben abgehen liessen (5). Ueberdem wurden auch die Ere: :
ditivschreiben, die sie ihren Gesandten mitgaben, so genant (t). Wenn die Könige
an einen Bischof schrieben und ihn ersuchten, einen andern Bischof zu weißen: To
bedieneten sie sich nicht des Uusdrucks prácipiinus oder jubemus; sondern blos des
Worts perimus. Dis erhellet aus einem Indiculo im ersten Buche der Formeln
des Marculfs (u). Wenn man von den Königen einen Brief, welcher apennis
genant wurde, erhalten wolte: so überreichte man ihnen einen Indiculum, worin
man vorstellig machte, daß man seine Urkunden und Schriften in einer Feuersbrunst
verloren habe, und also bitte, daß die Huld des Königs diesen Verlust durch eine
Urkunde erseken inschte, weldie die Stelle der vorigen vertreten könte (r). Diese Ins
diculi wurden durch das Zeugnis der Einwoner des Drts und der Richter aus der
Nachbarschaft beståtiget (87).

S. 302. (i) BALVZI1 Capitul. tom. 2. p. 432. 570.

(1) Ibid. p. 412.551. (1)
Ibid. p. 567. 568. (m) Ibid. p. 432. 452.569. (n) Ibid. p. 431.
(0) Ibid. p. 567. (p) Ibid. p. 460. 553• (9) Ibid. p. 452. (1)
Ibid. p. 452. 456. (8) Ibid. p. 389.

(0) Ibid. p. 380.
C) Ibid. p. 562.
(87) Das Zeugnis, so jemand zur Erhals von seinen Pagensibus beibringen muste, wurde
tung der Erneuerung seiner verlornen Urkunden dem XIIabillon de re diplom. S. 29 zu Folge

Chars
1. Th, Diploin,

Do

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Ibid. p. 379.

.

S. 302. Sndiculi von

Auch die Bischofe bedienten sich der Indiculorum, wenn sie aneinander schrie: und an Bis ben; wovon wir beim (Tarculf ein Beispiel finden, welches den ersten Ostertag da: ldhofe. tiret ist (y). Aus dieser Formel erhellet auch, daß man in dem Fiebenten Jahrhun:

dert in Frankreich das Jahr mit diesem Feste angefangen habe. Uebrigens hat die: ser Indiculus oder Brief feinen andern Endzweck als die Uebersendung des geweiheten Brods von Seiten des einen Bischofs an den andern, wofür ihm der lektere in seiner Antwort den Titel frater Papa beilegt. Eben so nante auch Importunus, Bischof zu Paris, den frodbert, Bischof von Tours (). Dieser hattesich beklagt, und das Geschenk, welches ihm der erstere überschickte, lächerlich gemacht; worüber sich Importunus erzúrnete

, und dem Froðbert die bitterften Verweise gab. Der Brief und die Antwort darauf find Indiculi und befinden sich in des Baluze Samlung von Formeln. Ueberhaupt bedieneten sich die Bischofe der Indiculorum, wenn sie an Web: te, an geistliche Ordenspersonen, oder auch an grosse Herren schrieben (a). Unter des Bignon Formeln befindet sich ein Indiculus precarorius, worin ein Bischof für einen seiner Leute oder Knechte um Gnade ersuchet wird (b). Dieser Indicus lus wird in der Schrift selbst Litterå und Suggestio genant; da hingegen andere mit dem Namen Suggestiuncula, Precationes belegt werden (). Diejenigen, welche Indiculos an obrigkeitliche Personen oder Bischofe abgehen liessen, nanten sich in denselben zuweilen ultimus Servorum Dei Servus, oder auch ultimus omnium Servorum Dei Servus; da denn glaublich ist, daß diese Verfasser der: selben Lebte gewesen. Diese lekteren pflegten zur Erhaltung der Liebe und brúder: lichen Einigkeit gleichfals Indiculos aneinander abgeben zu lassen. Wenn ein Abt einen flúchtiggewordenen Mónich zurückberufen wolte; so schrieb er einen Indicus lum, worin er sich auf die Verordnungen der Kirchenversamlungen und auf die Re: gel des Heiligen Benedicti wider die flüchtiggewordenen Mönche und ihre Heler be: rufte (O): besonders wenn sie dem geistlichen Stande gewidmet, folglich auch schon an eine Kirche gebunden waren (e). Wolte ein Probst seinem Abt von den ihm aufgetragenen Verrichtungen Bericht abstatten: so geschahe solches durch einen Brief, welcher Indiculus betitelt wurde (F). Eben to pflegte sich auch ein Abt dieser lektern Art Schriften zu bedienen, wenn er etwas schriftlich auseinanderzuseßen, oder vorzuschlagen hatte. Wenn eine Privatperson an eine Uebtißin schrieb und ihr die Flucht und den Ort des Aufenthalts ihrer Knechte berichtete; fo fertigte er einen Indiculum an dieselbe ab (9). Die Indiculos commonitorios haben wir oben angefäret. Marculf füret deren viele an, die von Königen an Bischöfe oder Saien,

wels

(11) BALVZ. Capitul. tom. 2. p.429. (ə) Ibid. p.564. (a) Ibid. p. 508.566.567.
(6) Ibid. p. 507
(c) Ibid. p. 567. 568. (0) Ibid. p. 577.

() Ibid.
p. 507. (f) Ibid. p. 508. (9) Ibid. p. 561.
Chartula Relationis genant, wie schon in der genant worden; da es scheint, als wenn die
Anm. (63) zu S. 195 angefüret worden. Was Herrn Verfasser diesen Namen der königlichen
billon behauptet an dem angefürten Ort, daß Erneuerung selbst beigelegt.
diese Chartula Relationis eigentlicy Apennis

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Von Urkunden, welche Indiculi genant iverden. 291
melche der Ungerechtigkeit und Gewaltthätigkeit beschuldiget worden, abgelassen
find (b). Pon Indiculis, die blosse Privatpersonen, welche nicht in Amt und
Würden gestanden, aneinander abgelassen, ist nur ein einiges Beispiel vorhanden;
welches von einer Tochter an ihre Mutter zum Besten eines Bedienten geschrieben
ist (i). Uebrigens finden sich nach dem neunten Jahrhundert feine in Form der
Briefe abgefasten Indiculi mehr ; so wie mit dem Ende des eilften alle übrige Ars
ten von Indiculis überhaupt aufhören.

Vierter Artikel
Refcripta, Refcriptiones, Responsa, Scripta Visitatio-

nis und Miffatica.

Inhalt.
1. Refcripta, Refcriptiones S. 303, II. Responsivå, Scriptum Visitationis,

Missaticum S. 304.

S. 303. $ find noch viele andere Arten von Schriften übrig, wovon wir in dem Artikel Refcripta,

von den Briefen hatten reden können; sie werden sich aber an einem andern Refcriptio

Drte füglicher abhandeln lassen. Wir rechnen dahin auch die Breve oder "nes.
Brcvere, wovon einige in Form der Briefe abgefasset find; ohnerachtet die meisten
den Billets oder Zedeln weit ånlicher sehen. Wir können indessen die Antworten,
welche auf gewisse Briefe erfolgt sind, von diesen lektern nicht trennen. Unter
Marculfs Formeln finden sich deren zwen unter dem Namen Refcriptio ca). Die
erste ist von einem König, worin er einem andern König für das überschickte Schrei: i
ben danfet, und ihm zugleich den guten Fortgang der an ihn abgelassenen Gesand:
schaft meldet. Die zweite aber ist von einem Bischofe, der einem andern Bischofe
die lebhaftesten Proben seiner Erfentlichkeit für das ihm geschenkte geweihete Brob
ableget (6). Dönerachtet man unter dem Ausdruck Refcripta ben den Lateinern
und euriyeepai bey den Griechen nichts anders als Briefe oder Untworten ver:
stehet, welche von den Papsten oder Kaisern auf die in Absicht der Kirchenzucht oder
Handhabung des Rechts ben ihnen geschehenen Unfragen abgelassen worden : ro ha:
ben wir doch auch ein Rescript oder eine Antwort der zu Constantinopel befindlic-
chen Bischofe auf das Commonitorium der Våter von der ephesinischen Kirchen:
versamlung (); imgleichen noch ein andres Rescript der lektern an die erstern (o).
Man kan diese Schriften wirklich als blosse Copien von denjenigen Briefen anfeßen,
welche sie vorstelleţen: weldies auch der griechische Ausdruck eyringaqov anzuzei:
gen scheinet; obnerachtet derselbe auch zuweilen eine Antwort bedeutet. Indessen
kan man das Refcript der Bischofe aus Dardanien an den Papst Gelasium allem
Unsehen nach wohl nicht in der erstern Bedeutung nemen (e). Es find also die

Ren
(6) BALV2. tom. 2. p. 389.390. (i) 'Ibid. p. 563. Ca) MARCVLF P. 380.
(6) Ibid. p. 429.
(c) Concil. LABB. tom. 3. p. 751.

(0) Ib. p. 773
() Ibid. com. 4. p. 157. 1165,

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