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S. I
Die Diplomatik ist eine Wissenschaft oder Kunst, von den alten Urkunder Erklärung

richtig zu urtheilen. Ihr Gegenstand find demnach die Urkunden, der Diplo:
deren

Alter fie vermittelst einer genauen Kentnis der Beschaffenheit matik. der Urkunden felbst, der Buchstaben und Urt zu schreiben, und des in einem jeden Jahrhundert und bey einem jeden Volk verschie:

denen Gebrauchs derselben bestimmet. Ihr Endzweck ist aus allen diesen Umstånden entweder ein vortheilhaftes oder nachtheiliges Urtheil für die Urkunden Kerzuteiten. Sie reicher nicht nur gewisse Mittel dar, die Richtigkeit oder Unrichtigfeit der Urkunden, imgleichen iþre authentische Glaubwürdigkeit, oder den Mangel derselben zu erkennen; welches doch allezeit eine wichtige und oft wesentli: che Beschäftigung ist: fondern sie dehnet ihr Gebiet so gar bis auf die Bestimmung der verschiedenen Stufen der Gewißheit oder des Mißtrauens aus, deren fie fähig find. Ihr Nugen, der durchgehends von allen gelehrten und scharfsinnigen Mån: nern eingeräumei wird, kan nicht nur durch die Zeugnisse der Gelehrten beståtiget werden, sondern auch durch die unendlich verschiedenen angewandten Bemühungen ders selben einen Theil der Gelehrsamkeit auszubilden, dessen Quellen unerschöpflich und dessen Früchte für die Kirche, für den Staat und für die geleþrie Welt von gleich grosser Wichtigkeit sind. Die blosse Abschilderung ihrer Reichtümer und Vorzüge lan uns den ganzen Werth derselben empfinden lassen.

S. 2. Die Archive, über welche fich ißre Herrschaft erstrecket, enthalten nicht nur die Fhr Nutzcu. atlerunstreitigsten Denkmåler, sondern auch die feierlichsten Beweise von der Gewalt,

welche

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welche Könige und Fürsten ausgeübt haben. Sie bewahren ifre Bundesverträge und Friedensschlüsse, die Verleibungen boßer Lehne, die Vorrechte, welche geistlichen und weltlichen Geselschaften, deim ådel und den Städten ertþeilet worden, nebst den Gefeßen, die in den algemeinen Versamlungen eines jeden Volfs gemacht worden. Sie enthalten diejenigen Urkunden, welche die mit der Krone verbundenen Vorrechte an den Tag legen, welche die Gränzen der Staaten bestimmen, die Gerechtigkeit ißs rer Ansprüche beweisen, und die merkwürdigsten Proben der königlichen Frengebig: keit unsrer Monarchen gegen die Kirchen bis auf die späteste Nachwelt aufbehalten. Sie lebren uns den Ursprung grosser Håuser, ißre Geschlechtregister, Erbfolgen, Ers hdßungen und Bundesvertråge. "Sie erigeilen die zuverläßigste und belleste Auf: klärung in den gottesdienstlichen und weltlichen Altertúmern. Uus welchen Grüns den kan man wohl die Gerichtbarkeit der Bischofe, deren Umfang und Gränzen in verschiedenen Jahrhunderten und den jedesmaligen davon gemachten Gebrauch mit mehrerer Gewisbeit bestimmen, als aus den Urkunden, die in den Archiven aufbe: halten werden? Fürsten entdecken bier auf den ersten Blick die ersten Spuren der Grösse ihrer Vorfaren, die Stufen, durch welche sie den Thron bestiegen haben, und die Mittel, wodurch jene zu dem grossen Rußın und zu der vorzüglichen Grösse gelans get sind, die sie ihnen erblich hinterlassen haben. Die Geistlichen finden in densels ben núbliche und pråchtige Beweise von der Gottesfurcht unserer Våter; obrigkeitlis che Personen treffen daselbst die Bewegungsgründe ihrer meisten Urtheile; der Adel aber die Urkunden seines Vorzugs und seiner Herschaften und Privatpersonen die ur: kundlichen Nadhrichten von ihrem Vermogen und ihren Gerechtfamen an.

Schriftsteller, die von den Archiven handeln, stimmen in Absicht ibres Ultertums, ihrer Brauchbarkeit, und der Glaubwürdigkeit der daselbst bewahrten Urkunden und iþrer Copien und Abschriften mit einander überein. (a)"

S. 3. Ade fluge Volfer haben eine so grosse Uchtung für diese Art der Denkmåler ge: þeget, daß sie auch gleichsam um die Wette Samlungen von Urkunden in grosser Menge herausgegeben haben; welche von mehrerer oder geringerer Brauchbarkeit sind, die Geschichte ihres Vaterlandes zu erläutern, die Gerechtsamen der landesfürs sten zu erhårten, (a) die Vortheile des gemeinen Wesens zu bebaupten, und den Ansprüchen einzeler Personen Gränzen zu Teßen. Wer kennet nicht die weitläufigen Samlungen von Urkunden eines Leibnits, eines Rettner, eines Ludewig, Schans nat, Bernhard Peg, Muratori, Rangonis, Anderson, Kymer, Duchesne, Perard, Dachery, Mabillon, Martene und Durand, eines Aubert le Myre und so vieler anderer? Mit welchem Fleis und mit welcher Sorgfalt baben nicht die

genauesten

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Fortsetung.

(a) Memoires de Trevoux, 1716. S. 285. (U) Sane qui rempublicam tractant, in Vt fummatim comprehendam, profuns istis monumentis inveniunt exemplaria, quæ ista ad politicás artes, ad historiam, ad eru infpiciant, & vbi artes fuas vel cum volu ditionem reliquam, fed in primis ad intele ptate agnofcant, vel cum fru&u augeant, ligenda gentium jura. GULLIEL M. LEIB. cautionesque & formulas obfervent, quæ NIT. Præfas, in Cod. juris Gentium. pag. 3• ; gentium juri & publico vsui accommodantur

genauesten Schriftsteller die Geschichte der Kirchen, der Mönchsorden, der Klöster,

der Provinzen, der alten Häuser Frankreichs, Italiens, Deutschlands, Engel-
* lands u. P. F. durch unstreitige Beweise zu unterstüken gesucht? Und was sind diese

Beweise dem grdsten Theile nach anders als Urkunden? Wir würden kein Ende fin:
den, wenn wir alle diejenigen Geschichtschreiber anführen wolten, die dieser Lehrart
gefolget sind, und derselben noch tåglich folgen. Würden wohl so viele Gelehrte ei:
nes jeden Volfs in einem so aufgeklärten Jabrhundert, den Glauben, den wir iþren
historischen Arbeiten beimessen sollen, auf die beståubren Schriften der Rlóster
(6) zu gründen einmútig gesucht gaben, wenn der grófte Theil derselben ver-
faisáht oder unbrauchbar wäre, wenn sie jederzeit verdachtige Zeugen und eis
ne so oft unreine Quelle waren: Selbst der Vater Germon, ift weit davon
entfernet, ein so wenig vortheilhaftes Urtheil von denselben zu fållen; er erbebet
vielmehr die Vortreflichkeit und den Nußen der alten Urkunden.
sagt er (e), ” die Gefeße und Gebräuche unsrer Vorfaren, sie ertheilen den Vor:

rechten ihr rechtes Gewicht und Unsehen, sie lehren uns den Unterschied des Udels

und sind die Fackel der Geschichte.” (B) In diesem Sobe ist nichts übertriebes nes. Der Werth der Urkunden übersteiger dasselbe noch (1).

» Sie zeigen,

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Der Herr de Boge druckt sich in seiner Geschichte der fåniglichen Academie der Zeugnis des Aufschriften und schonen Wissenschaften, ben Gelegenheit der Nachricht von des Srn. de Bože Herrn Secousse Entwurf einer neuen Geschichte der Gallier und der den und Jungit. Franzosen unterwürfigen Lander, von der Stiftung der Monarchie an, fol: gender Sestalt aus (0): Unsere Geschichte : : ist eine unerschöpfliche Quelle von Untersuchungen. Täglich entwickelt sie sich mehr und mehr und tåglich be:

komt

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(b) Memoire servant à l'hist. des Gaules. (0) Tom. 4. S. 471, 472. der Solåri:
S. 375. und 414. (C) Difcept. 2.

dischen Ausgabe.
S. 311. 312.
(3) Sehet die Czachrichten von Trevour, Buchs: Touringia facra, five historia Monaste-
Aug. 1740. S. 1555 und die Vorrede des riorum, quæ olim in Thuringia floruerunt, &c.

(1) Da die Critik überhaupt betrachtet eine alwo der Nutzen und die Nothwendigkeit so:
Wissenschaft ist, das wahre von dem falschen zu wohl der alten Urkunden als auch derjenigen
unterscheiden, die Diplomatik aber die Riegeln Wissenschaft, so sich mit der Veurtheilung der:
kuhret, die wahren Urkunden von den falschen selben beschäftiget, in allen besondern Theilen
und untergeschobenen zu unterscheiden : fo fulget nicht nur der Geschid tkunde, sondern auch der
daraus, daß die letztere, ein Theil der erstern ist. Rechtsgelehrsamkeit ausführlich gezeiget, und
Es muß also alles, was sich von dem Nuten mit fruchtbaren Beispielen hinlänglich erläutert
und der Notwendigkeit der Critik behaupten wird; imgleichen Thomaé Rudimanni Sche.
táffet, nach Maasgebung des verschiedenen dialma de vtilitate diplomatum civili & hi-
Gegenstandes, auch von der Diplomatik gels storica, welches aus Andersons thefauro Di-
ten. Von der vorzüglichen Brauchbarkeit die plomatum & Numisinatum Regni Scotiae,
fer legtern Wissenschaft kan mit mehrerm nadys dessen unten Meldung geschehen wird, genom
gesehen werden Christiani Henrici Eckhardi men und in Dan. Eberh. Baringii clave
introductio in rem diplomaticam S. 9: 24, diplomatica S. 369 379. der neuen Ausgabe
der zweiten voin Hrn. Johann Chriftian vom Jahr 1754 befindlich ist.
Blasche im Jahr 1953 besorgten Ausgabe,

1

ele B

.

2

foint sie eine neue Gestalt durch die Befantmachung der dahin gehörigen Denf: måler. Diese Fahrbücher, diese Urkunden, diese Schriften, welche man bereits an das licht gestellet hat, sind der Stof, der nur auf eine geschickte Hand wartet,

işn in Ordmung zu bringen. Der Anfang des ißigen Jahrhunderts ist so wie » das ganze vorige an Samlungen von urkundlichen Schriften fruchtbar geweseni;

und man þat Ursach deren eine noch weit grössere Anzahl zu hoffen. Das Bei: ” spiel Englands kan und lehren, was für eine reiche Erndte in den Verzeichnissen ” der Parlamente und in den Rechnungstammern, in der Bibliothek des Königs und

dem Archiv angestellet werden fonte.” Die Urkunden, fage der Herausgeber des diplomatischen Wörterbuchs (C), sind die unbetrůglichsten Zeugen des

Vsikerrechts. Sie reken die ungewissen Zeitbestimmungen, die durch die zwen.

deutigen Xusdrücke gewisser Geschichtschreiber oft verdunkelt worden, ausser allen » Streit. Sie entdecken die wahre lage alter Stådte , ihre Veränderungen und

Schicksale. Sie regen sowol die Fürsten als auch die Unterthanen wider die Em: pórung und wider die despotische Gewalt in Sicherheit. Sie erzálen die Stif: tungen der Kirchen und ihre Güter und Vorrechte mit so vieler Sorgfalt als Treue. Durch dieselben lernet man die Folge der Kanser, Könige und Fürsten, der Hers zoge, Grafen und grossen Befehlskaber kennen; ja man steiget vermittelst der Urs

kunden bis zu den Ursprung der berühmten Geschlechter hinauf, und lernet die ” Nebenlinien, Efrentitel und Wapen derselben unterscheiden.

S. S. Ihre Gewiß: Was für ein (ob gebühret nun wohl derjenigen Kunst, die uns einen rechtmas: beit.

figen Gebrauch von diesen (chållbaren Denkmålern machen: lehret, die ißr Ulter bes stimmet, das wahre von dem falschen unterscheidet, die Zweifel zerstreuet ; und die Grenzen der verschiedenen Stufen der Muchmassung durch die einem jeden Jahrhuns dert eigentümlichen Charactere bestimmet? Die Regeln, auf welche die wissen:

schafts

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(©) Diplomata juris gentium confuetudinarii & pactitii teftes incorruptissimi sunt, omnique exceptione majores : Diplomata temporum rationes iniruin in modum nunnun: quam turbatas, dubiisque scriptorum verbis obscuratas, ita in promptu ponunt, vt res disputacione amplius non egeat: Diplomata locorum veros litus, fata & mutationes in apricum proferunt: Diplomata summoruin Imperantium jura ab infidiis & infultu malevolorum vindicant; Diplomatą avitam Ordinum Provincialium libertatem contra Gnatones aulicos egregie cuentur: Diplomata Ecclefiarum Monasteriorumque funda. riones cum annexis juribus ac privilegiis di. n82). Der Verfaffer dieses

schätzbaren diplo: Göttingen wil om hergusgekommen und aus

ligenter referunt: Diplomata familiartım illustrium origines, Imperatorum, Regum, Principum, Comitumque feriem ; agnato rum, cognatorum, affinium nomina , arma gentilitia, & quicquid hujas arguinenti est, feris neporibus commemorant. Denique vt paucis omnia complectar, omne jus facrum atque profanum, sacros, civiles & militares ritus mirifice illuftrant & plena luce suffundunt. Quæ cum ita fint, non tantum rei litterariæ , verum etiam bono publico tam veilia funt, quam quae vtiliffima. Praefar, Jo. HENRICI JUNGIT od LUDOV. WALTHERI Lexicon diplomaticum. (2)

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lauter Kupferplatten bestehet, Hr. Joban Ludolf walther, ist hier aus einem Versehen Ludewig waliber genannt worden.

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