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S. 347

Diefe Notitia waren von sehr verschiedener Feierlichkeit. Viele enthielten das Fortsetung. Endurtheil eines Rechtshandels vor Gericht, in placito; dergleichen eine Notiz aus der Mitte des zehnten Jahrhunderts ist, welche mit den Worten anfängt, notitia professionis feu securitatis, siue guarpitoriae und die nachmals in dem Lert felbft fcriptura guarpitoriae et securitatis. Keisset. Im Gegentheil hat eine an: dere Notif, welche Commemoratio genant wird (und fast eben so alt Tft (m), fo wenig Merkmale einer offentlichen Schrift an sich, daß auch nicht einmal einiger Zeugen in derselben gedacht wird. Diese Notiz ist nicht von Mönchen gemacht wor: den, weil sie der Stiftskirche zu Harbonne zugehöret. Die gerichtlichen Notizien des zehnten Jahrhunderts, dahin die mehresten gehören, welche den

Namen Guer: pitio füren, nennen sich auch noch notitia guirpitionis vel consignationis (n), notitia patefactionis vel redditionis et guirpitionis (o), notitia (eriei. Diese Notitia daureten fast noch das ganze folgende Jahrhundert durch (p). Indessen gab es im zehnten Jahrhundert auch einige, die nicht vor Gericht aufgeseßt waren. Unter andern können wir eine solche Schrift anfüren, die sich mit den Worten an: fångt: Haec est carta noticionis fiue guirpicionis (9), und die schenkende Per: son redet in derselben in ihrem eigenem Namen. Die gerichtlichen Notitiả nemen, besonders im eilften Jahrhundert, zuweilen auch die Namen an notitia definitionis (r), oder auch nur blos definitio.

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S. 348. Gegen das Ende des eilften Fahrhunderts fieng man bereits an die Notitien Verschiedene und Charten so wenig von einander zu unterscheiden, daß man auch die erstern bald Benennun: Charten, bald Testamente, bald aber auch Notitien nante. Daher fangen sie sich gen derselben. oft mit den Worten an: Haec est carta, vel testamentum, seu notitia guarpitoria (). Heberdem pflegte man sie mit eben so vieler Feierlichkeit auszufertigen als die authentischsten Charten. Man vergleiche die angefürte Notiz mit der unten bemerkten Cuerpitionscharte (t), oder auch eine andere Cartain Guarpitios nis (u) mit der darauf folgenden Notiz, welche sich nach der Unrufung der Heiligen Dreieinigkeit mit den Worten anfängt: Haec est notitia de dono et guirpitione et laxatione et euacuatione: so, wird man auf der einen Seite gewis nicht mehr feierliche Umstånde antreffen als auf der andern (r). Ja es finden sich auch Doritié warpitoriả, die in den Gerichten ausgefertiget worden, und diese waren von eben so grosser, wo nicht grösserer Authenticitat als die alten Notizien der frankis schen Richter unter den Königen der beiden ersten Linien. Man findet nicht nur Notizien aus dem eilften Jahrhundert, die durch eine ansenliche Menge von Zeugen

befråf:

(!) Ibid. P: 97.

(m) Ibid. p. 101.
(v) Ibid. p. 167. 222. 300. 311.
BILLON de re diplom. p. 617.
p. 312. 313. (t) Ibid. p. 333
P. 311.

(n) Ibid. p. 103. - (0) Ibid. p. 123. (9) Ibid. p. 144. 219. 283. ! (r) MA (6) Preuv. de l'hist. de Langued. tom. 2.

(u) Ibid. p. 317. 318.

(*) Ibid.

Fortsetung.

Bekraftiget oder unterzeichnet worden: sondern es giebt auch aus diesem Zeitraum Vergleiche in Form der Chartå partitå, welche zugleich die Namen Pactio, Cons venientia und Carta notitis füren und dergleichen eine Urkunde des Johan de Bayeur, Erzbischofs zu Rouen ist. Wir gaben dieselbe vor unfern Chartis pare titis in Kupfer stechen lassen.

$. 349 Vielleicht fónte man auch die sowol in den Ober: als Untergerichten ertheilten Breve, welche zugleich Conuenientia und Breue memoratorium genant werden, mit unter die Notitien rechnen (9); welches sich auch von dem Breuis memoratorius de placito (3), Breuis rememorationis de placito und vielleicht auch von der Carta commemorationis de placito (a) behaupten liesse. Uebrigens finden" sich ben dem Anfang des eilften Jahrhunderts Notitien, die eben so feierlich sind, als die gewonlichen Charten, und dies sind diejenigen, die man offentliche zu nennen pflegt. Wir haben eine von dieser Art in Händen, welche Notitia traditoria et reuestitoria und im folgenden Venditio genant wird (6). So bedeutet auch re. uestitoria nichts mehrers als warpitoria. Herr Martene hat sowol in seinem Thefaurus Anecdotorum als auch in seiner amplissima Collectione zwen Noti: jen bekant gemacht, welche notitia de restitutione betitelt find (). Eine ist aus dem eilften, die andere aber aus dem zwölften Jahrhundert; indessen werden sie doch in dem Text felbft nicht Notitiả genant. Sie kommen sowol als die Toricià de clamore facto mit den Votitiis guerpitionis überein. Eben dieselbe Schrift wird in dem Text selbst Emendatio et conuenientia genant () und ist eine blos Historische Notiz. Sie hätte aber nicht unter die Diplomen des neunten Jahrhun: derts gesegt werden sollen, indem sie in das eilfte gehöret. Uusser den Schenkungs? notizen u. i f. pflegte man auch einige zu verfertigen, worin merkwürdige Begeben: heiten erzálet und aufgezeichnet wurden (e); als wenn z. B. ein Herr, der die Kirche vorher beunruhiget hatte, ihr nachmals Gnugtąuung geleistet u. f.f. Wenn man sich die Güter eines andern hatte anmassen wollen, aber durch dessen Urkunden war úber: jeugt worden: ro wurde eine Hotitia conlaudationis ausgefertiget, daß diese Urs funden von den Richtern für authentisch erklåret worden (f).

Befolus.

S. 350. Indessen famen die Notitia bald nach dem Anfang des zwölften Jahrhunderto udllig aus der Gewoonheit. Kaum wird man noch einige Beispiele nach dem Jahre 1130 von denselben finden. Denn man mus fich nicht von einigen Urkunden des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts hintergehen lassen, wenn sie gleich in dem Tert felbst notulă genant werden (9): indem es nichts anders als eigentliche Chars

ten

(1) Ibid. p. 316. 0) Ibid. p. 461. 199. etc.

(a) Ibid. p. 568

(6) PERARD. p. 172. (c) MARTENE Thefaur. Anecdot. tom. 1. pap. 188. Eiusd. ampliff. Collect. tom. 1. p. 689. (0) Eiusd. Thefaur. Anecdot. com, (e) Ibid. p. 343:

(f) Hift. de Langued. tom. 2. pag. 70. (9) S. die neue Audg. des da Cange unter diesem Worte.

1. p. sí.

ter find. In den folgenden Zeiten findet man viele Urkunden, welche zwar einige Uenlichkeit mit den Notizen haben, aber demohnerachtet mit denselben nicht verwech: felt werden dürfen. Dahin gehören verschiedene Verträge, Rechtshåndel, Ucten und Berichte, die die Erzálung einer Begebenheit enthalten, wo aber niemand in seinem eigenem Namen redet. Diese Ucten sind aber allemal auf der Stelle und unmittel. bar nach der erzálten Sache aufgesetzt worden; da hingegen die Privat- und eigent: lich sogenanten Notizen erst viele Jahre nach der berichteten Begebenheit zu Papier gebracht worden. Wir dürfen es hier nicht erst anmerken, daß die Reichsnotizen, die Notizen der Gallier, und der kaiserlichen oder gottesdienstlichen Würden zu Rom und Constantinopel zu unserm Vorhaben nicht gehören. Judessen gehören doch diejenigen Notizen, welche einen Theil der Inventarien ausmachten (h), die Pos lypricha genant wurden, mit zu die Archive; ob sich gleich an einem andern Ort be: quemer von denselben wird reden lassen. Eben dis fónnen wir auch von den alten Notizen der Zeugen sagen (i), in welchen man die Namen und Würden derer fürzs lich zu wiederholen pflegte, die eine Acte nach der in dem römischen Recht vorge: schriebenen långe, das ist

, auf eine mit Beweisen und Urtheilen versehene Art unteré schrieben vatten (97).

Vierter Abschnit
Von gerichtlichen Schriften.

Erster Artikel
Volmachten, Mandata, Procuratoria. "

Inhalt.
Einleitung S. 351.

III. Verschiedene Arten der Volmachten 1. Bon Volmachten S. 352.

S. 355.
II. Feierliche Umstånde, unter weichen die IV. Volmachten von Personen, die in an:

Charten in die öffentlichen Acten ein: fehnlichen Aemtern standen S. 356.
getragen wurden S. 353, 354.,

357

S. 351.
iejenigen Urkuuden, welche zur Handhabung der Gerechtigkeit gehören, stehen Einleitung.

mit einem ansenlichen Theil der Notizen in einer so natürlichen Verbindung,
daß sie auch nicht von denselben getrennet werden können. Wir wollen nicht

bis
(h) GREGOR. M. lib. 4 ep. 16 lib.g ep. 40 nov. Edit. (1) MAFFEI Istor.

diplom. p. 146 et seqq. (97) Mabillon hat in den Annal. Benedit. dreifachen Nutzen, den sie ehedem gehabt und uin faec. 4. Th. 1. S.761 f. imgleichen de re di- dessen Willen sie mehrentheils ausgefertiget works plom. B. 3 Kap. 4 S. 232 f. von den Notitien den, angezeiget. gehandelt, an welchem letztern Orte er auch den

Diplom, I. Th.

bis auf die Senatusconsulta oder andere gerichtlichen Schriften der römischen Obrigkeit und des Volks hinaufsteigen. Ob gleich viele von den Gebräuchen, von welchen wir werden reden müssen, von den Römern entlenet worden: so wird es dennoch hinlänglich seyn, wenn wir unsre Abhandlung mit den ersten Zeiten der fråns tischen Monarchie anfangen.

S. 352. Bolmachten. Nach den rómischen Geseken durfte man keinen Rechtshandel durch einen Ge:

volmachtigten füren lassen, wenn man solches selbst thun fonte. Die Geseke und Ge: brauche der barbarischen Polfer waren im Gegentheil nicht so streng. Die Den: kungsart und die Sitten der Herschenden Polfer machten diese Herablassung notwen: dig. Da sie gånzlich mit dem Krieg beschäftiget waren; so wurden sie mehrentheils zu allen andern Geschäften untüchtig. Wenn daher jemand entweder aus Unfähig: keit, oder wegen einer Krankheit, oder aus andern Ursachen die Besorgung seiner Än: gelegenheiten einem Sachwalter oder Freund überlassen wolte; so gab er ihm eine Polmacht, von welcher eine feierliche Äcte aufgefekt wurde, welche ein Njanda. tum (a), oder Mandatus, Chartula mandati hies, und von ihm und den erfor: derten Zeugen unterschrieben wurde. Auf diese Art pflegten die Bischöfe, Webte und Uebtissinnen die Sachwalter ihrer Kirchen zu bestellen, und ihnen Volmacht zu er: theilen, ihre Rechtshandel zu füren, oder ibre Angelegenheiten zu besorgen. Jeder, der auch kein Geistlicher war, fonte diejenigen, die er zur Verwaltung seiner Angele: genheiten vor Gericht und ausser demselben für fåhig hielt, durch eine solche Vol: macht, welche ein Wandat oder Mandement genant wurde, bestellen und bevol: machtigen (6).

S. 353 Eintragung

Die Volmachten waren nicht jederzeit algemein und unbestimt; zuweilen waren der Urkunden sie nur auf einen besondern Gegenstand gerichtet. Wenn zum Beispiel ein Gevols in die offent: mächtigter einen Schenkungsbrief (), ein Testament oder eine Cession (m) in die liden Acten.

Municipialacten, der damaligen Art zu reden und den Gebrauchen des römischen Rechts nach, eintragen lassen solte: To wandte er sich erstlich an den Defensorem und an die Curiales oder Richter einer Stadt, und bat sie, daß sie ihm die öffentlichen Berzeichnisse möchten öfnen lassen. Hierauf berichtete er ihnen, wie er ein Mandatum oder eine Chartam mandati bekommen habe, eine Schenkung in die Muni: cipialacten eintragen zu lassen, um deren Einschreibung er hierauf bat. Er erbielt fotches aber nicht eher, als bis man die Volmacht nebst dem Cessionsbrief gelesen þatte Ce). Wenn nun diese Stücke in der gehörigen Form abgefasset waren: To wurde dem Gevolmachtigten eine Schrift fierüber ausgefertiget, wovon die Mi: nute in dem offentlichen Archiv blieb; beide aber wurden von dem Defensore und den Decurionen unterschrieben. So pstegte man in diesem Stück in dem sechsten und siebenten Jahrhundert zu verfaren, welcher Gebrauch auch noch in den beiden

fol:

(a) BALV Z. Capitul. tom. 2 p. 441. 494.
LON de re diplom. supplem. p. 85. 86.

Ibid. p. 427.531.532.

(6) Ibid. p.423.

(c) MABIL (0) BAL V Z. I.C. p. 425.426.470.

folgenden Jahrhunderten beibehalten wurde. Diese ganze Handlung bied nun Gefta oder allegatio donationis, oder auch Gesta allegationis et traditionis (f).

S. 354. Es erbellet aus den altesten Denkmålern dieser Urt, aus den Geschichten Fortsekung. der Märtyrer ; ja felbst aus den åltern Kirchenversamlungen, daß die gerichtli: chen Acten der Römer interlocutorisch abgefasset worden. Die Kirche nam diefen Gebrauch von den weltlichen Gerichtshofen an. Die schenkenden oder verkaufenden Personen ertheilten der andern Partey in einer besondern Clausei die Volmacht, ihre Charten oder Verträge, nach Masgebung dieses Gebraucho in die offentlichen Ucten eintragen zu lassen. Es fonte jemand seinem Freuns de Volmacht geben, eine Charte einschreiben zu lassen, worin seine Kinder für recht: massig erflåret und fåþig gemacht wurden, seine Güter zu erben; weil sie nach den Gefeßen nur für natürliche Kinder gehalten wurden, wenn er seiner Frau feine Morgengabe ausgefeßt hatte. Wenn der bestelte Gevolmachtigte die Sache seines Freundes betrieben hatte, ertheilte er ihm in einem gerichtlichen Schreiben Nachricht davon (g). Wenn eine Frau ihrem-Mann eine schriftliche Volmacht gab, ihre Angele: genheiten zu besorgen: so wurde diese Schrift den Municipialacten einverleibet. In al: ten alten Volmachten wird bezeuget, daß die Person, die den Gevolmachtigten bestellet, alles was diefer thun würde, genemỹalten und für kräftig ansehen wolle. Daher stam: men denn die Litrerà de Rato, deren wir oben gedacht haben, und die von den Vol: machten nicht getrennet werden müssen. Diese Litterá haben erst gegen das Ende des zwólften und dreizehnten Jahrhunderts die Stelle der Volmachten eingenommen, we: durch aber doch der Gebrauch der lektern nicht vollig aufgehoben worden.

'S. 355. Die alten Volmachten waren insgesamt in Form der Briefe abgefasset. Es Verschiedene gab deren einige, welche de causis commendatis betitelt waren (6), und alsdann ge: Arten der braucht wurden, wenn jemand einen Gevolmachtigten bestellete und ihm Macht gab, alle Volmachten. feine Rechtshandel für alle und jede Richter zu betreiben. Zuweilen wurde jeman: den in einer Volmacht nichts weiter aufgetragen, als daß er aus einer gewissen bestim: ten Duelle Almosen austheilen lassen solte. Wenn derjenige, den man gerne zu fei: neni Sevolmachtigten gehabt hätte, in dem Dienst des Königs stand und ein ansen: liches Amt bekleidete: To muste man erst ein Pråceprum des Fürsten erhalten haben, eħe man ihn mit der Besorgung seiner Angelegenheiten belåstigen fonte. Marculf liefert uns ein solches Práceptum unter der Aufschrift de causa recepta (i). Herr Bignon füret in seinen Anmerkungen über die Formeln dieses Verfassers noch ein anderes an, so er aus der Chronife von Beze genommen. Beide betreffen eine Vol: macht, die mit königlicher Bewilligung einem viro illustri gegeben worden; wo: ben Hr. Bignon behauptet, daß es in Frankreich nicht erlaubt gewesen, einen An:

wald

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