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ausnimt sehr selten, und enthalten in Vergleichung mit den Urkimden tur rekr svenis
ge Umstånde. Die allerfeierlichsten Münzen und Uufschriften haben faum einen fo
feierlichen Ursprung als die weniger feierlichen Urkunden. Es ist daher hodil billig
und hochst vernünftig, daß man die Feter, die Unvoltomminheiten, ja den Mangel der
übrigen Denkmåler selbst durch die Urkunden erretze. Die Menge der Urkunden fül:
let den leeren Raum in der Geschichte aus; da þingegen die Uafschriften und Müns
zen eine nicht gar reiche Quelle für dieselbe find. Db nun gleich die Aufschriften und
Münzeu der spätern Fahrhunderte noch nicht so sebr untersuche worden, so ist doch je:
derman von ihrer Brauchbarkeit überzeugt; indemn ihr Zeuguis mit den Begeben:
heiten, die sie bezeugen, mehrentheils von gleichem Alter ist. Mit weit mehreren
Grunde kan man dieses Urtheil von den Urkunden fållen; indem sie ben allen Vor:
zugen dieser alten Denkmåler, die Feler der leztern nicht an sich buben. Sie sind nicht
mit derjenigen råthfelhaften Dunkelbeit umbålet, ben welcher den geschicktesten Ken:
neen von Münzen und Aufschriften nichts als Muthmassungen übrig bleiben, die
doch durch andere Muchmassungen wiederum bestritten werden; zu geschweigen, daß
berůmte Kenner alter Münzen in diesem Stücke in unzálige Ausschweisungen ver:
fallen sind. Die Urkunden haben noch einen andern wichtigen Vorzug für die übrigen
Ueberreste des Ultertums, welcher darin bestehet, daß von den unachten Aufschriften
und besonders Münzen, noch wirklich eine grössere Anzahl vorhanden ist, als von uns
tergeschobeneu Originalschriften. Wir werden auf eine unwidersprechliche Urt dars
tyun, daß man die alten Urkunden, die der Unrichtigkeit überwiesen oder für unterge:
schoben erfant worden, ehedem veruichtet babe; so daß beutiges Tages nur noch
fehr wenige davon in Originalen úbrig sind. Indessen wird von allen Gelehrten zu:
gestanden, daß die untergeschobenen Aufschriften und Münzen noch jego in rehe
grosser Anzahl vorbanden Rind (S). Selbst die Marmora und ebernen Tafeln, wors
auf zuweilen die Denkmåler der Alten mit solchen Zügen eingegraben worden, die ihr
Altertum zu bestätigen scheinen, können uns nicht allemal die sichere Gewähr für ibre
voltomane Richtigkeit leisten.

Fortsetzung.

S. 67.
Wer wird wohl, was die falschen Münzen betrift, ein solcher Unfänger in der
Münzwissenschaft reyn, daß ißm die Namen der berüchtigsten Urheber falscher Mün:
zen in Italien und Solland, eines Paduaners (P), eines Parmefaners (9).ex:
nes Carteron, die die Welt mit falschen Münzen angefüllet haben, unbekant fenn
solten? Sie haben Kennern so schön und überdein fo bequem geschienen, anderweiti:
ge mangelhafte Suiten zu ergänzen, daß sie sich auch nicht entschliessen fonnen, fie vól:
lig unter den Uusschus zu werfen. Es giebt fast fein nur einigermassen berümtes

Cabinet

1

() GIOV. CAUVINO. (9) LAURENT, PARMESAN.
(S) Neque ipsa marmora, aut æreæ tabu- semper queunt, germanos ibi fætus compre-
læ, quibus interdum inscripta visuntur vete. hendi. "MURATOR, antiquitat. Ital. tom.
rum monumenta, & characteribus quidem ve. 3. dissert. 34. col. 10.
tustatem præ se ferentibus, certos nos facere

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Cabinet (T), welches nicht hinlänglich damit versehen semn folte. Und demohnerach: tet wil man uns noch weismachen, daß selbst die Metalle, Marmore, Urkunden, goldene und bleierne Bullen sehr oft, alte Münzen aber gar nicht lügen (U)? Der gelehrte Don Vassarre (r), Bibliothecarius des Königs von Spanien, hat diese Klippe nicht vermeiden können. Er war so sehr von der Aufrichtigkeit der Münzen und Auf: schriften eingenommen, daß er auch beþauptete, es sey weit schwerer, diese zu verfål: fchen, als die Urkunden. Ja er geßet so weit, daß er auch die Verfälschung der er: stern für unmöglich ausgiebt; weil sie in so vielen verschiedenen Ländern zerstreuet sind, daßer sich zugleich die ganze Welt måste verschworen haben sie nachzumachen. Als wenn sich eben dieser Sak nicht auch auf die Urkunden überhaupt betrachtet, an: weuden liefie. Hat aber der Verfasser hier von einzeln Münzen geredet, und fie in dieser Absicht mit den Urkunden vergleichen wollen; wie viele giebt es als: dann nicht, die reßr felten und fast die einigen isrer Art find! Wir wollen noch mehr sagen; nach dem Urtheil aller Kenner dieser Art von Ultertümern (W), giebt es faft keine einige Münze, deren Stempelfoder Modelle nicht verschieben waren; da man hingegen viele Urkunden findet, die einander auf das volfоnımenste gleich find, weil ben ibrer Ausfertigung verschiedene Eremplaria verfertiget worden, welche insgesaint Originale fino (17).

S. 68

(r) Biblioth. univers de la Polygraph. Espann. Prolog. Fol. 3.

(5) Cart Patin druckt sich in der zweiten (U) Aera ipfa, marmora, dip!omata, bul. Nachricht seiner Relat, historiques & curicuses lae plunbeac aureacque persacpe mentiuntur, de Voyages S. 88. der Ausg. zu Rouen vom foli nummi veteres non mentiuntur, Har. Jahr 1676. von dem Cabinet desChurfürften von duin. Ms. biblioth. reg. n. 6216. A. p. 244 Baiern, folgender Gefinit aus: ” Es sind da: (W) Noch kein Kenner der Altertümer,

felbji 1400 goldene Münzen in zwanzig Bes sagt der Hr. de Montfaucon in den Suplém. hálruiffen. Yhre Schönheit bestehet in der de l' Antiq. expliq. tom. 3. liv, s. ch. 6.

Suite der römischen Kaiser. Denn was die . " n. 4. hat begreifen können, woher es komt, griedischen und consularischen Münzen be: daß man auch von den allergemeinsten Mún: trift, deren man drey oder vierhundert angeben ” zen, deren man leicht etliche tausend zusam:

kan, fo felet ihnen die achte Richtigkeit und das men bringen fønte, so häufig formen fie » Altertum, ob sie gleich volkominen schön vor, niemals zivu son einem und eben densels » nachgemacht sind. Man hat inir gesagt, daß ben Schlag autreffen können. Die Bilder ” ein Jesuit, der die Aufsicht darüber gehabt, ” und umíchriften sind eiuerlcy, sie sind aber » die Begierde des Churfürsten nicht cher be: doch allezeit mit verschiedenen Steinpeln ges

friedigen können, als bis er diejenigen, die prågt. Dies sind die Worte cines Scrift: » ihn noch feleten, und deren aan aller møg: Pellers, den Don Xalfarre in der Biblioth. ” lichen Kosten, die man darau -wenden wollen, univ. fol. VII. den Vorzüglichsten unter den

nicht habhaft werden können, in Gold nach: Gelehrten (Le Doyen des Savans) nennet. Der " machen lassen. Ich gestehe, diese nachge: Gr. de iontfaucon hat investen noch einige * machte Mingen sind so schön, daß ich mich dar: Ausnamen von dieser Anmerkung, die die Alter: ” über gewundert, und ich habe Zeit anwenden tumsforscher in Verwunderung setet, beiges ” müssen, sie zu entdecken. Carl Parin war bracht. irdessen ein sehr grosser Kenner.

(17) Da die alten Münzen, nachdem sie cis ne gute zeitlang im Sandel und Wandei her:

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Beschlus.

S. 68. Die Verfälschung der Münzen ist daher in gewissen ablichten eben so leicht als ben den Urkunden; in vielen andern Absichten aber ist dieselbe noch weit leichter : wenn man neinlich erweget; daß es weit leichter ren, ein Dußend Buchstaben oder urchstens fünf oder rechs Worte nachzumachen, ohne etwas zu versehen; als eine Urkunde von einer schon beträchtlichen Långe unterzuschieben und doch in feinein Stůs che weder von der Schrift, noch von der Schreibart der damaligen Zeit, noch auch von gewissen unleugbaren Umständen in der Geschichte abzuweiden, die lange so befant nicht find, als die eigentúmlichen Merkmale der Uufschriften und Münzen. Warum ist es denn aber in einem Jahrhundert, wie das unsrige ist, worin man auf der einen Seite so viele Reihen merkwürdiger Dinge von allen Arten aufzuweisen bat, auf der andern Seite aber so sehr wider die falschen Urkunden gesihrien worden, noch niemanden eingefallen, eine Samlung solcher untergeschobenen Originale von ete lichen Jahrhunderten ber anzustellen? Dieses Stück der apocryphischen Diplo: matik würde unstreitig eines der allerwichtigsten fenn. Der Nutzen würde mit der Seltenheit übereinkommen. Ausserdem würde es auch noch ein neues und leichtes Mits tel abgeben können, die falschen Stücke vermittelft ihrer Vergleichung mit diesen Mu: stern zu entdecken; und foute wohl ein Mittel zuverläßiger seyn, als diefes, diejenis gen eines bessern zu belehren, welche behaupten, daß uns das Ultertuin nur sehr wes nige unachte Originalstücke überliefert habe? Ist es nicht erstaunend, wenn man sies þei, daß man sich vergebliche Mühe giebt, in ganz Europa ein einiges Cabinet zu finden, welches nur einigermassen mit dergleichen Ältertümern versehen wåre? Wenn man in den Urchiven nur selten falsche Urkunden im Original antrift, die die Merk: male eines sehr boben Altertums an sich baben; so wird man sie noch weit schwerer. als blosse Seltenheiten finden.

Vier

umgegangen und abgegriffen worden, inchren: Romaines, so von dem gelehrten Hrn. Graf de theils etliche Jahrhunderte lang verschiedenen Caylus zu Paris 1752 und 1756 in zween Anfällen der Elemente ausgesetzet gewesen, ehe Quartbånden herausgegeben und in dem viers fie durch einen oder den andern günstigen Zu: ten Stück der hiesigen gelehrten Fachrichten fal einem barmherzigen Kenner in die Hände von Fahr 1759 S. 217 f. beschrieben worden, geraten, der sie für die Wuth der Zeit in Sis finden sich Th. 1. S. 284: 291 einige ganz cherheit stellet, so hat schon dadurch eine solche neue und lesenswürdige Aninerkungen über die Veränderung an ihnen hervorgebracht werden Münzstempel und Modellen der Alten und über können, daß auch mehrere Stücke von einem und die Art ihre Münzen auszuprágen. Von ver: eben demselben Schlage und Gepräge einander fälschten und untergeschobenen Münzen und der unănlich geworden. Wenn man indessen die verschiedenen Art ihrer Verfälschung kommen Art erweget, wie die Alten ihre Geldsorten aus: unter andern in Johann Christoph wagen: gemünzet, so wird diese Verschiedenheit noch bes feils Dissert. de re monetali veterum Romagreiflicher. In dem schätzbaren Recueil d’Anti- norum, Altorf 1691 Kap. 24, 25. einige sehr quités Egyptiennes, Etrusques, Grecques & gute Nadzrichten vor.

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Vierter Abschnit
Von der Glaubwürdigkeit der Acten und der sowohl öffentlichert
als besondern Samlungen derselben,

Inhalt.
Einseitimg s. 69.

IV. Glaubwürdigkeit der Copien 78:81.
I. Glaubwürdigkeit offentlicher und au: V. Unseben der Ucten, so sie vermoge der
tbentischer Ucten 70:72.

Archive haben, worin sie befindlich sind,
II. Anseben der Acten wegen ifres Ul:

82:84.
tertums 73. 74.

VI. Daher cúrendes Ansehen der Copieu
HII. Beweis aus Privatacten, lehnsbe: 85687.

tåntnissen und Verzeichnissen 2c. 75. VII. Verschiedene Meinungen über die
77.

Merkmale offentlicher Archive 88:90.
(U) Unsehen der Schuldverschreibun: VHI. Grosses Unseben der öffentlichen Ur:
gen und Quittungen 75.

chive 91.
(B) Der lebnsbücher, Copialbücher IX. Recht der offentlichen Archive
u. f. f. 76.

92:95.
(C) Der Handlungsbücher 77. X. Ansehu der Privatarchive' 96.

S. 69.
as Anfeßen der Urkunden überhaupt leitet uns ganz natürlich auf eine um: Einleitung.

ståndlichere Untersuchung der Glaubwürdigkeit der Ucten, und der sowol of:

fentlichen als besondern Archive. Dønerachtet wir bey diesem Gegenstand feine neuen Entdeckungen machen werden: so wird man hier doch den Vortheil þa: ben, daß man mehrere Stücke der Rechtsgelehrsamkeit in einem einigen Abschnit beisammen antreffen wird. Ja man wird sowohl aus den verschiedenen Meinungen als auch aus denjenigen Stücken, in welchen die Rechtsgelehrten mit einander úbers einstiminen, vielen Nußen schöpfen können.

· S. 70. Acten sind öffentliche Schriften, wenn fie sowohl in authentischer und -feierli: Eigenschaften cher Form abgefassei (8), als auch, wenn sie aus der offentlichen Gewalt hergeflossen sind. der öffentli

: Dergleichen sind Gefeße, gerichtliche Schriften und Berträge, worin die von dem chen Acten. Landesherrn vorgeschriebene Formalitäten beobachtet worden, fo daß sie alle zum of: fentlichen Ansehen gehörigen Stücke besitzen. Ein Instrument bekomt ein öffentlis ches Un seben (t), wenn es von einem Votario oder geschwornen Tabellione (u) aufgelegt und von zween 17otariis, oder nur von einem, nebst der Bemerkung

zweier

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($) Abasueri Fritschii tract. de jure Archiui ét Cancellariae c. 7. (t) Carol. Molinet.

toin. I. col. 309. n. 8. der Ausg. vom Jahr 1612. (u) Id. tom. 4. lib. 4. cod. cit. 21. Diplom. I. Th.

S

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zweier Zeugen unterschrieben worden, und wenn die Zeit der Ausfertigung darin bestimt ist. So wird es in dem rómischen Rechte vorgeschrieben; man ist demselben aber nicht in allen Jahrhunderten gefolget.

Die feierlichen Umstände einer offentlichen Acte bestegen in dem Namen des Fürsten, in dem Jahr seiner Regierung, dem Monat, dem Tag und dem Ort der Ausfertigung, in Erjálung der Sache, über welche die Ucte ausgefertiget worden, in der Unterzeichnung der Zeugen, der contrahirenden Personen und des Notarii(w). Eis nige reken noch die Anrufung des Namens Gottes, wenigstens ben wichtigen Sachen, þinzu. Dýnerachtet alle diese Gebräuche auf das volkommenste autorisiret sind, so sind sie doch nicht unveränderlich. Zu gewissen Zeiten pflegte man sebr þåufig von denselben, abzugeben.

Jedes Instrument, welches von offentlichen Personen aufgesekt worden, mus auch blos um deswillen für eine öffentliche Schrift gehalten werden. Nichts ist au: thentischer, als eine Urkunde, die vermoge der landesherschaftlichen Gewalt ausgefers tiget worden. Ein Testament, welches in Gegenwart des Fürsten aufgeseßt,

oder den offentlichen Acten einverleiht worden, ist wirklich feierlich; weil das ober: berschaftliche Ansehen und die Glaubwürdigkeit öffentlicher Acten alle übrigen feierlichen Umstände übertrift, womit eine Schrift begleitet werden kan (r). Die Zeugen sind alsdann nicht mehr ndrig. Wenn man sich auf das offentliche Zeug: nis grundet (n); to sind die Zeugnisse der Privatpersonen nur unndrig (:).

Obrigkeitliche Personen und öffentliche Bediente haben allemaḥl die Vermu: tung der Warbeit für sich. Schriften, welche von ihnen ausgefertiget worden, mús : sen so lange für glaubwürdig gehalten werden, bis die Unrichtigkeit derselben durch unumftosliche Gründe dargethan wird. Unfürungen würden þier überflüßig seyn, weil die Gefeße und ihre Ausleger in diesem Stücke volkommen mit einander über: einstimmen.' Es ist eine Regel in der Rechtsgelebrsamfeit, daß offentliche Instru: mente und authentische Siegel Beweistümer abgeben (2).

S. :71.
Stärke ihrer

Deffentliche Ucten beweisen wider alle Arten von Personen (a), fie beweisen
Beweise. an und für sich selbst, probant fe ipfa; das heist, fie beweisen, daß die Sache soges

schehen ist, wie sie dieselbe vortragen. Dies erstrecket fich indessen nicht auf altere Begebenbeiten, auf Umstände, die vor und nicht ben der Ausfertigung der Ücte stat gefunden; fondern es gilt nur von solchen Dingen, die sowohl die Notarien als auch die Zeugen ben Ausfertigung derselben wirklich durch die Sinne empfunden bas ben. Acten und Bücher, die mit Genemhaltung der offentlichen Gewalt verfertis get worden, dürfen nicht alt seyn (6), wenn sie beweisen sollen; wenn nur die öffentlichen

Bes

(w) Ibidem. (r) Franc. Micb. Neveu de Windschlée diff. de Archivis, Strasburg

1668.9.44. (y) Cod. lib. 6. tit. 23. 1. 19. () L. in donationibus 31. C. de donat.

(@) Molin.com. tom. I. col. 309 n. 8.et 9. (b) Ibid. n. 23. (E) Instrumenta publica et figna authen. rica fidem faciunt. Greg. Decret. lib. 2. vit.

22, cap. 2.

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