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rathener ift, die Vielfylbigkeit zu begünstigen und kleine Partikeln einzufchieben, als nothwendige Sylben wegzulaffen und zu verbeifsen, da unfre Längen ohne das meifteus von Confonanten starren.

menden metrischen Ausdrucks fie rechtfertigen könn-
te; und bey der genauen Nachbildung des fapphi-
fchen Sylbenmaafses in dem Gedichte die erneute
Menfchheit ist über dem Beftreben nach Eurhythmie
die Euphonie zu fehr ins Gedränge gekommen. Ei-
nerley Verhältniffe von Längen und Kürzen müssen
bey uns eine ganz andre Wirkung thun als in den
alten Sprachen, weil unfre Längen länger, unfre Kürig,
zen weniger kurz find, und den Sprachorganen mehr
Arbeit fchaffen, als in diefen. Da bey uns die Quan-
tität der Sylben auf ihrer grammatischen Wichtigkeit
beruht, fo ift überhaupt die Anzahl der Längen und
Kürzen in einer gewiffen Maffe von Wörtern und Sät-
zen ungefähr nach demfelben Verhältniffe beftímint.
Der Dichter kann diefes zwar modificiren; will er aber
ein fehr grofses Uebergewicht au einer oder der an-
dern Seite erzwingen; fo wird er der. Sprache Gewalt

anthun müffen; wie es denn auch in den beiden zu-
Jetzt genannten Gedichten gefchehen ift. Immer wird
ein Sylbenmaafs mit allzu viel Kürzen weniger ge-
fährlich feyn, als das entgegengesetzte, weil es ge-

Göthe hat uns (Alm. v. 1796. S. 42.) mit leichten Zügen einige Liebesgötter hingezeichnet, fo muthwilfo verwegen fchaikhaft, dafs fie ihrer Flatterhaftigkeit gar kein Hehl haben. Diefe geflügelten Kintigkeit gar kein Hehl haben. der kennen fich, fie kennen die Herzen, und geben, was fie davon wiffen, in artigen Gebehrden zu verftehn. Wie rafch auch alles vorübergaukelt, fo ift doch die Hand des einzigen Künftlers unverkennbar, der mit eben fo freyem und fröhlichen Sinn Meisterwerke zur Vollendung ausbildet, als er feelenvolle Skizzen hinwirft, In Wiederfehn giebt die zarte beständige Liebe, gleichfam die ältere Schwefter jener flüchtigen Schaar, ein holdes Gegenftück dazu ab: eine andre Vergänglichkeit des lieblichften Gefühles ergreift das Herz mit Rührung. (Der Befchlufs folgt.)

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GOTTESCELAHRTHEIT. Duisburg, b. Helwing: Ueber die Erkenntnifs der Lehre von der Unfterblichkeit der Seele im al trm Teftament von Lutgert Rector in Hattingen. 1796. 52 S. 8, Der Vf. zeigt in einer kurzen Ueberficht, die fast nur zu kurz ift, dafs die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele im A. T. nicht enthaken fey. Da diefs zu unferer Zeit eine bekannte Sache ift, fo fieht man nicht ein, warum diefs auf zwey Bogen noch einmal gefagt werden mufste? Eine nähere Veranlaffung, die den Vf. entfchuldigen könnte, ift auch nicht angegeben. Es fcheint alfo, als wenn er mit den Unterfuchungen der neueften Zeit über diefen Gegenstand nicht recht bekannt geworden ift. Diefe Unbekanntfchaft mag ihm nicht zur Laft fallen, in fo fern er als Rector die claflifchen Studien zu treiben hat: allein ob er fo auch als Schriftfteller auftreten konnte? - ift eine andre Frage, Etwas Neues, was Stich hielte, hat Rec. nicht entdeckt. Wenn z. B. Hr. L. meynt, Mofes hätte die Lehre von der Unfterblichkeit der Nation defswegen nicht entdeckt, damit fie die verftorbenen Ahnherren nicht vergöttern möchte, fo ift diefe Hypothefe nicht fehr wahrfcheinlich. Hatte Mofes diefe Lehre gekannt, fo würde er fie fehr gut zur Bezähmung und Bildung feines rohen Volkes haben gebrauchen können. Der Pfychologie nach mufs die Lehre von einer künftigen Vergeltung einen rohen Menfchen fehr erfchüttern. Wenn ferner die Stelle Pred. 12, 7.,,der Geist mufs wieder zu Gott kommen, der ihn gegeben hat" von Salomo abgeleitet, und durch die orientalifche Emanation erklärt wird; - fo ift fchwerlich zu glauben, dafs Salomo etwas von Emanation gewulst hat. Davon würden fich gewifs Spuren in feinen ächten Schriften finden, und auch in den Propheten, die nach ihm gelebt haben. Da der Inhalt diefer Stelle fo wenig mit den übrigen Zeitideen harmonirt; fo ift diefs ein Beweifs mehr, dafs der Prediger fchwerlich von Salomo, fondern aus einer fpätern Zeit ist, wo fchon die Emanation in den Köpfen

der Juden war. Senft kann diefe Stelle auch fehr gut aus 1 Mof, 2, 7. erklärt werden, wie der Vf. ganz richtig bemerkt hat.

Dresden, b. Gerlach: De ufu rationis in caufa fidei e locis novi teftamenti afferto. Commentatio theologica Caroli Chriftophori Schirliti, A. M. et apud Benndorfianos Paftoris. 1794. 30 S. 8. Die Abficht des Vt. ift, die Vernunft gegen diejeni gen in Schutz zu nehmen, die ihr bey der geoffenbarten Religion alles Einreden auf das ftrengfte unterfagen. Deswegen zeigt er 1) was der rechte Gebrauch der Vernunft der chriftlichen Religion für Vortheile verfchaffe, 2) widerlegt die Gegengründe, die aus misverstandenen Stellen des N. Teft. hergenommen find, durch richtige Erklärung, 3) führt er einige Ausfprüche Chrifti und der Apoftel an, welche die Verbindung der Vernunft und des Glaubens als nothwendig darftellen. Eigentlich ist wohl die ganze Sache zu den nun beygelegten Streitigkeiten zu rechnen. Hr. S. hat auch nicht auf die in den neuesten Zeiten von vielen geäufserten Meynungen in Abficht auf das Verhältnifs der Vernunft zur chriftlichen Religion Rückficht genommen, feine Vernunft beweift fich gegen ihn fehr gütig und nachgebend, räumt alles willig ein, was er verlangt, und geht nicht weiter, als er es haben will. Manchen Erklarungen machte auch wohl nicht ein jeder beytreten, z. B. wenn er unter Luxios dos, 1 Kor. 2, 14. einen zankischen Mer fchen verfteht. Sonft aber hat Hr, S. fein Thema nach dem ihm angenommenen Lehrbegriff ordentlich und bundie in einer eleganten lateinifchen Schreibart ausgeführt, und liefert eine fchätzenswerthe Probe von guten theologischen und exegetifchen Kenntniffen, die allen Beyfall verdient. Und fo liefst man die Abhandlung mit Vergnügen, wenn man auch mit dem Vf. nicht in allem gleicher Meynung ift

von

ALLGEMEINE LITERATUR-ZEITUNG

Dienstags, den 3. Januar 1797,

SCHÖNE KÜNSTE.

HAMBURG, b. Bohn: Mufen-Almanach für's Jahr 1796. Herausgegeben von Johann Heinrich Vofs etc. Ebend. Mufen- Almanach für das Jahr 1797. Her ausgegeben von Johann Heinrich Vofs etc. (Beschluss der im vorigen Stuck abgebrochenen Recension.)

V

on dem ehrwürdigen Aelteften unfers Parnaffes, Gleim, ift jeder der beiden Almanache gerade mit einem Dutzend Stücke befchenkt worden. Diefer Neftor, der fchon zwey literarifehe Gefchlechter untergehen fah, und nun mit dem dritten lebt, dem die Rede füfser als Honig von der Lippe fliefst, erhebt in unfern ftreit- und partheyfüchtigen Zeiten eine Stimme der Mäfsigung und des Friedens, wie der Homerifche:

Weil nicht zwey Menfchen gleichen Meynung in baz
Auf Gottes Erde find und alles Meynung ist;
So, Lieber! ist mir die Erfcheinung,”
Dafs du nicht meiner Meynung bift,

Nichts unerwartetes!

Alles, was Gleim der Welt giebt, ift schon um des reinen Wohlwollens willen, womit es gegeben wird, des Dankes werth. Es ist nicht möglich, den Mufen freyer von allen andern Triebfedern aufser der Liebe zur Sache zu huldigen, als er es thut. Das geringfte von ihm trägt daher das Gepräge einer mühelofen Entftehung, einer unabhängigen, anfpruchslofen Exiftenz, eines freywilligen Spiels an fich. Er ist immer er felbft: natürlich, unbefangen, jovialisch und bis zur Hingegebenheit naiv. Originalität kann man feinen Gedichten nicht abfprechen, in fofern fie fich mit dem Manierirten verträgt. Denn freylich spielen blofs individuelle Eigenheiten eine fo grofse Rolle in ihnen, dafs man nicht recht einfehen kann, was noch übrig bleiben würde, wenn fich durch ein chemifches Verfahren alles, was darin der Manier angehört, rein ausfcheiden liefse, Diefe augenblicklichen Ergiefsungen find von der Art, dafs fie genollen werden müffen, wie fie entstanden find, eine zergliedernde Beurtheilung aber nicht zulaffen; fonft hätte der Dichter felbft einen Maafsftab zu diefer an die Hand gegeben. In dem Liede Schlecht und gut (im Alm. von 1797) giebt er fehr treffend die Kennzeichen eines guten und eines fchlechten Liedes an, und endigt;

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Gieb doch, du guter Liedergott, Dafs ich kein fchlechtes mache!

Wer wird nicht jeden auffteigenden Zweifel untereinmal nicht erhört haben möchte? drücken, ob Apoll feinen alten Freund wohl auch einmal nicht erhört haben möchte? Uns wenigstens würde dies eher niederfchlagend fcheinen, als in die jubelnde Stimmung verfetzen, worinn der wackre Greis ein andres Mahl ausruft:

Seht, ich lach', ich möchte platzen Ueber's Dumme, das man macht!

Die Beyträge von F. L. Gr. zu Stolberg verleugnen den allgemeinen Charakter nicht, zu welchem fich feine Poefie, bey Anlagen, die etwas befferes erwarten liefsen, mehr und mehr hinneigt: frostiges Prahlen mit Empfindung, ohnmächtige Schwärmerey, leeres Selbftgefühl, gigantifche Worte und kleine Ge danken.. Eins unter den Gedichten im diesjährigen Almanach, Kaffandra, verdient indeffen als pfychoTogifche Seltenheit erwähnt zu werden. zu werden. Nach einer fehr, fehr langen Schilderung der Kaffandra und ihrer Weiffagungen kömmt der Vf. endlich auf fich felbft, den er dabey immer im Sinne gehabt hat, und wendet fich mit folgenden erftaunenswürdigen Offenbarungen an die verblendeten Deutfchen:

Der Strom der Zeiten rollte Jahrtaulende

Seitdem, bald rein und ftill wie der Waldfee, bald
Mit trüben, lauten Wogen! niemals
Trüber als nun, und noch nie fo tofend!

Seit fieben Aernten ward in die Zukunft mir Der Blick geöffnet. Aber Kallandra fand

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Nicht Glauben, ward verlacht! Wohlan denn,
Deutfche! verlachet den Enkel Hermanns!

Auf dass ihr höret bald - denn ihr achtets nicht
Zu fehn ihr Lächeln! - dafs ihr fie höret bald,
Die laute Lache der Verräther,

Die euch mit gleifsendem Zauber täuschen!
Die euch verriethen lang, und verkauften lang,
Die aus dem Sonnenfcheine des Himmels euch
Ins Labyrinth der Lehrgebäude
Führen, bey wankender Fackeln Glanze;
Bis ihres Mordbrands Gluten vom Untergang
Bis hin zum Aufgang lodern! O fehet doch
Noch jetzt den gleifsenden Verräthern,
Seht den Erleuchteten grad' ins Auge,

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Auf Gottes Altar fich die Metze

Stellt wenn das Blut der Gerechten Aliefset!

Ihr Heuchler! euer Lächeln bethört mich nicht!
Verworfne! Abfcheu lehret ihr, Furcht mich nicht!
Den Frommen mifcht ihr Gift und Häuptern
Irrender Völker den füfsen Schlaftrunk!

Werf ich, erfchöpft an Kräften and Geduld,
Den Blick von meinem Schreibepult-
Den-Blick

Aufs weite Reich der deutfchen Lettern;

Gott! was erblick' ich da für eine Schriftenbrut,
Die hier die Kritiker, die Klubben doet vergöttern!

In feiner Anficht wird manchem Lefer der wahre gegenwärtige Zustand des allgemeinen Gefchmacks verfehlt fcheinen: defto unzweydentiger ift die SchildeDie Erleuchteten werden in einer Note zum Ueberffure rung, die er von feinem eignen, ohne es zu wollen, durch Illuminaten erklärt. Man fiehrt, dafs dein Vf. gegeben hat. Unter den Dichtern, die er gelten läfst, Illuminaten, Jakobiner und Philofophen einerley find (zwey der gröfsten jetztlebenden find mit Stillfchweivermuthlich nach der Weisheit, die in nichts als Ahn-gen übergangen) wird Klopftock folgendermassen

dung befteht; A. v. 97. S. 30.) und dafs er befonders
zwifchen den Bemühungen der kritifchen Denker and
den politischen Begebenheiten den genaueften Zufam-
menhang entdeckt hat. Dabey muls er feiner Sache
doch fehr gewifs feyn, da er nicht einmal die bey
Dichtern gewöhnliche Vorsicht beobachtet hat, den
Erfolg abzuwarten, und hinter drein zu prophe
zeyhen, ungeachtet die gläubigen Zeiten leider vor
über find, wo eine Weiffagung nicht erft erfüllt zu
werden brauchte, um ihr übernatürliches Anfehen zu
bewähren. So etwas, als der Vf. hier gefchrie-
ben hat, würde man, wenn es von den poetifchen
und prophetifchen Zurüftungen entlastet erfchiene,
eine Denunciation nennen; und wie diefer denuncii
rende Enkel Hermanns (feinem angeblichen Stammya-
ter fehr unähnlich) Zutritt in der achtungswürdigen
Gefellfchaft des Almanachs erhalten hat, ift wirklich
nicht recht begreiflich. Auch hat, das Gedicht fchon
eine fchicklichere Stelle gefunden: es ift in die Eu-
damonia (3. B. 2. St.) eingerückt, und man darf da-
her dem Vf., zu feiner ehrenvollen förmlichen Auf-
nahme in den zahlreichen Orden der Verfinfterer Glück
wünfchen. Urtheilte man von der deutfchen Kaffan-
dra, wie es der griechifchen widerfuhr (,,dem Volke
fchien fie toll," heifst es von ihr) fo könnte die Pro-
phetin das für eine Wirkung derfelben Verblendung
halten. Allein der Almanach felbft bietet uns in ei-
nem Gedichte gegen die Verfinftever, mit M. unter-
zeichnet (wir
glauben darin einen berühmten Dichter
zu erkennen, deffen Name init diefem Buchstaben en-
digt) die befte Antwort dar:

Tumm machen laffen wir uns nicht,

Wir wiffen, dafs wir's werden follen!

Vernunft heifst das von Gott uns angefteckte Licht,
Das fie auslöfchen wollen!

Wir wiffen, dars
wir tumm, tammn wieder werden follen,
Und werden's ganz gewifs mit Gottes Hülfe nicht!
Wäre dies Gedicht unmittelbar nach der Kaffandra ab-
gedruckt, fo würde man noch eher vermuthen kön-
men, der Herausgeber habe fie feinen Lefern blofs zu
einer erlaubten Beluftigung mitgetheilt.

In einer Epiflel an Ramler (A. von 96.) bejammert . Nicolay den Verfall der deutschen Literatur:

amfchrieben:

Und jener, der aus Miltons Schule 'Sich

uns, fein grofsref Schüler, wies Und was im Himmel, in dem Pfuhle, ·

Erhabnes er vernahm, in neue Phrafen ftiefs.

Den Vf, der Epiftel könnte man nach diefer Weife als
jenen bezeichnen, der alltägliche Gedanken, in abge
nutzte oder ungefchickte Phrafen fiefs; die Befchrei-
bung würde aber auf mehrere passen. Wie die Kritik
eines Dichters befchaffen feyn wird, welchem der
Lehre und Ausführung nach, Phrafeu in der Pöefie
für das höchfte gelten, ist leicht zu errathen.
wird uns noch ausdrücklich verfichert:

Nicht in verftiegnen Lectionen
Beftehet die Kritik..

Auch

Die Philofophie, wovon in der Epiftel Proben gege-
ben werden, ift würdig, die dritte diefer verfchwi-
fterten Mufen zu feyn.
fterten Mufen zu feyn. Nachdem weitläuftig behaup
tet worden ist, das Schöne laffe fich nach innern
Gründen ohne Rücklicht auf Anfehen und Meynung
ficher unterfcheiden, giebt der Vf. bald darauf den
dauerhaften Ruhm eines Kunftwerkes als das untrüg-
lichte Kennzeichen vom Werthe deffelben an; das
Ende féiner Epiftel vergifst den Anfang. Von der
Magerkeit und Trockenheit der Ausführung mag fol
gende Stelle zur Probe dienen

Auch du vermenge nichts! wo nur die Sinne rich,
Was ganz fich auf dein Ich bezieht,

Da haft du freye Hand, da läfst der Unterschied
Der Launen fich nach keiner Regel fchlichten.

Der liebet Roih, und jener Grün,

Die Blonde reifset den, und den die Braune hin
Und beide haben Recht. Sie fchliefson beide
Nach ihres Baues Unterfcheide.

Noch mehr: dein eigener Gefchmack verändert fich
Von Jahr zu Jahr, und niemand tadelt dich u. f. w.

Man glaubt, ein in Verfe gebrachtes Compendium zú
fefen. Dennoch verfichert uns der Vf. (wer hätte es
vermuthet?), dafs er in der Poefie,,vor aufgewärm
ter Speife mit stolzem Zahn vorbeygebe." Er erlau-

be

be uns daher auch, bey feinen matten, fchleppenden Erzählungen oder Romanzen, der Turban und Exze lin, die im Alm. von 97 über funfzig Seiten einneh men, keinen Augenblick zu verweilen.

find jedoch die Worte: die wunderholde Braune, bis zur Ermüdung wiederholt. Die kürzere Nachahmung deffelben Liedes im Schillerfchen Almanach für 1797 unter der Auffchrift: Gefälligkeit, möchte wohl der Vorzug verdienen. Nur ein paar Stücke: Barbe und Peter im Alm. v. 96, und der trinkende Bauer im Alm. V. 973 entsprechen nicht ganz der Feinheit des Gefchmacks, wovon die übrigen zeugen. Wollte fich der befcheidne Dichter nennen; fo würden wir, wenn uns nicht alles trügt, einen Namen erfah ren, der fchon lange durch andre Verdienste um unfre Literatur als die eines Schriftstellers, rühmlich be kanut ist.

In einem ganz andern Geifte ift die Romanze im Alm. von 96, die Elfenburg von B. gedichtet; wir rechnen fie ohne Bedenken unter die gelungenften Darftellungen, die aufre Literatur in diefer Gattung befitzt. Dies luftige Mahrchen ift fchon der Erfindung nach beluftigend: aber es ift mit fo auserlefener Kunit behandelt, die fich unter äufsrer Leichtigkeit verbirgt; fo kräftig, keck und zierlich ausgemahlt, dafs es der Einbildungskraft, ein fehr anziehendes, buntes und dennoch vollkommen harinonifches Schaufpiel gewährt. Die Elfen find hier nicht gefchildert, wie Wielands Zauberftab fie umgefchaffen; noch we niger verlieren fie fich geftaltlos hinter dem Schleyer elegifcher Empfindungen; dem alten Volksglauben gemäfs, den auch Shakespeare benutzte, leben und weben fie als leichte, neckende, gutherzige Wefen. Bey diefem mantern Tone hat es einen erhöhren Reizwohl hier zum erftenmahle nach allgemein gültigen gleichfam den fchauerlichen Anhauch der Geisterwelt täufchend zu fühlen. Wie anmuthig wird z. B. der Tanz der Elfen aufgeführt!

Er fprach's, und geiftiges Getön,
Wie fanft gerühreter Kristalle,
Ertönt in leifer Lüfte Wehn
Zu linder Aeolsharfen Halle.
Ilier tanzet Oberon und Mab,
Dort Elf and Elfin auf und ab,
Und Edwin fchwinget fich im Reihen
Mit Nuk, der lieblichften der Feien.

Da jeder der beiden Ritter bey feinem Befuche in der Elfenburg ungefähr diefelbe Scene erblickt, fo war der Dichter der Gefahr ausgefetzt, fich zu wiederholen, wenn ihm nicht ein Reichthum von Bildern und Zü-gen zu Gebote stand. Er hat die Schwierigkeit gefchickt überwunden, und die Darstellung das zweyte mahl fo verfchieden nuancirt, dafs fie ganz neu fcheint. Auch die unerwartete launige Wendung, womit man an Schlaffe in die wirkliche Welt zurück verfetzt wird, ift allerliebft:

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Dies Mährchen las mir, dafs ihrs glaubt
Aus einem alten Buch die Bafe;
Sie ftreichelte mein junges Haupt,
Und nahm die Brille von der Nafe.
Sohn, fprach fie, denk der Elfenburg!
Wer gehen kann, der kommt wohl durch;
Wer ohne Werthr nach Scheine trachtet,
Wird ausgehöhnet und verachtet.

Ungern widerstehen wir der Verfuchung, auch den
übrigen Arbeiten von B. eine prüfende Aufmerkfam
keit zu widmen. In einigen davon find franzöfifche
Originale nachgeahmt, z. B. in der witzigen Nänie
(Alin. von 96. S. 136.) und in der Laune.. In diefer

Einen etwas franzöfifchen Anftrich hat das Lied von Baggefan: Ja nud Nein, oder die Grazie des Widerfpruchs, ob wir gleich kein franzöfifches Vorbild dazu kennen, aud dem Vf. die Erfindung diefer nied lichen Kleinigkeit nicht ftreitig machen wollen. Hingegen der Rundgefang: die gefammte Trinklehre ift ganz originell; die Wiffenfchaft des Trinkens ift

Principien vorgetragen. So fehr der Dichter fchon durch die Wahl der Melodie (,,es hatt' ein Bauer ein junges Weib") für Popularitat geforgt hat, fo wird. doch das Drollige in diefer Parodie der neuesten philofophifchen Syftemfprache nur folchen Lefern recht fühlbar feyn, die wenigftens eine oberflächliche Be kanutfchaft mit derfelben haben. Uebrigens ift unter den verfchiednen Arten der Parodie, die, wo wiffenfchaftliche Vorftellungsarten und Ausdrücke auf Dinge. des gemeinen Lebens angewandt werden, gewifs eine der beffern: der Gefichtspunkt ift dabey zu offenbar verrückt, als dafs fie die Sache felbft lächerlich machen follte oder könnte; und eben das Harmlofe gefällt. Diefe Quelle des Komifchen möchte indeffen bald erfchöpft, und wiederholte Ausführungen des einmal gelungnen Einfalls eben nicht anzurathen feyn. Es wird überdies erfodert, dafs man gerade den Zeitpunkt benutze, wo die parodirten Ideen die Köpfe lebhaft befchäftigen. Vor vierzig oder funfzig Jahren -waren die Leibnitzifchen Monaden gäng- und gebe: in Utzens Gedichten wird häufig darauf angespielt; jetzt würden fie keine Wirkung mehr thun. Zwey andre Lieder, ebenfalls von Baggefen: der ächte Bifchof und Theelied, machen mit der Trinklehre einen guten Anfang zu einem pöetifchen Curfus über alle möglichen Getränke. Das Lob des Bifchofs dreht fich ganz um ein Spiel mit dem Namen des Getränkes; aber der Thee ift recht fein und mit Laune charakterifirt...

Das Sonett von Salis im Alm, von 96 enthält eine zarte Anfpielung auf das bekannte Skolion von Harmodius und Ariftogiton. Unter den vier Gedichten im diesjährigen Alm. hat nur eins, Ergebung, noch einige Simplicität. einige Simplicität. Die andern find in den Naturfchilderungen überladen und fchwerfällig, von Seiten der Empfindung kalt. Ob wohl jemand, der im Ernft über die Entfernung feiner Geliebten trauert, die tief lafurnen Frühlingsgenzionen ermahnen wird

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find sehr an der unrechten Stelle angebracht. Sobald man die Natur mit Kenneraugen betrachtet, ift ihr Zauber dahin, der nur auf der gänzlichen Abwefen heit des Begriffes von Kunft beruht. Das Bestreben, die Neuheit und Fülle in Matthiffons mahlerifcher Sprache zu überbieten, hat Hemiftichien wie folgende ans Licht gebracht: ,,des Leuchtthurms Lamp' entblinkt;,,umwölbt von Lerchbaumfproffen; " u. f. w. Eine wahre Merkwürdigkeit in dem bey uns fo angebauten Felde der Diffonanzen ist ein Vers in dem Morgenpfaim S. 108.:

Und ferner Meere Grenzkreis glorreich hellt.

Tiedge hat in Elysium (Alm. v. 97. S. 45.) allerley fonderbare Dinge gefehu, unter andern den verftorbenen Paftor Göze in einer Laube mit Kleift und Gefs ner. Für den armen Thomson Falk können wir nichts thun als ihn bedauern. Von den Gedichten von K. Schmidt im Alm. v. 96. läfst fich wenig fagen; diesmal hat er nur eins geliefert, und zwar ein. gottes dienftliches, weiches anfängt: „Lobfingt dem Alibarmherzigen u. f. w.,, Durch einige dürftige Einfälle von Haug wird der Armuth beider Sammlungen an Epigrammen nicht abgeholfen. Was fie in diefer Gattung und im Fache kleiner Erzällungen und Fabela befitzen, befchränkt fich ziemlich auf die Sachen von Pfeffel, und auf das, was unter den Beyträgen von Gleim und B. dahin gehört. Mehr Manwichfaltigkeit würde insbefondre dem diesjährigen Almanach wohlgethan haben, der uns überhaupt feinen Vorgänger nicht zu erreichen fcheint.

RECHTSCELAHRTHEIT.

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KLEINE SCHRIFTEN.

Schwerin, b. Bärenfprung: Beytrag zum Putterifchen rechtlichen Bedenken, über eine merkwür dige Vormundschaftsgefchichte. 1793. 18 S. fol. · Biefer Rechtsfall betrifft die Frage: in wiefern einem Unmündigen perfona fandi in judicio, und das Recht feinen Vormund zu belangen, zuftehen könne ? Ein unmündiger meklenburgischer Edelmann, von Bülow, war mit feinen Vormündern, wegen angeblich ftrenger und kargerlicher Behandlung, nicht zufrieden, und fuchte, auf Anrathen feiner Baafe, einer zu Wismar, als Conventualin, fich aufhaltenden Fraulein von Bülow, im J. 1790, da er fchon im 22. Jahre feines Alters fand, veniam aetatis nach. Dies Gefuch ward ihm aber von der Regierung zu Schwerin abgeschlagen, feine Befchwerden gegen die Vormundfchaft für ungegründet erkannt, ihm auch, weil er wider Willen der Vormünder bey feiner Baafe zu Wismar blieb, feinen Aufenthalt in einem, zur obervormundfchaftlichen Prü fung und Genehmigung, vorher anzuzeigendem Orte, in fchwerinifchen Landen zu nehmen auferlegt. Hiervon appellirte derfelbe an das Reichskammergericht, unterstützt durch ein beygefügtes Bedenken des geheimen Juftizrath Pütters. Das Kammergericht foderte darüber Bericht, und diefer Bericht erfcheint hier, unter dem vorbemerkten Titel, im Druck, wobey der ungenannte Herausgeber, feine Galle gegen das Putterifche Bedenken, in fehr zahlreichen Noten ausfchüttet. Die Sache felbft hat fich, durch die immittelft eingetretene Volljährigkeit des von Bülow, erledigt.

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paffend zum Stoff einer Abhandlung, die er der Göttinger Societät der Wiffenfchaften als correfpondirendes Mitglied vor legte. Nach einer kurzen Einleitung über den heillofen Vandalismus der zerstörenden Decemviratsregierung wird das Fundamentalgesetz der Conftitution angeführt, wodurch dies neue Inftitut begründet wurde, und Boiffy d'Anglas hohe Erwartungen davon, die doch wohl mit der Zeit in Erfüllung gehen können. Nun folgt ein aus mehrern Quellen forgfältig zufammengeftelltes Verzeichnifs der fämmtlichen Mitglieder nach den verfchiedenen Claffen und Unterabtheilungen, wobey doch vielleicht die Anmerkung noch eine Stelle verdient hätte, dafs die erfte Claffe wieder zwey Hauptabtheilungen und daher auch zwey Secretärs habe. Von der phyfrkalifchen Claffe ift Laccpede, von der mathematischen Prony der Secretär. Bey einigen Mitgliedern ift es augemerkt, dafs fie auch Mitglieder des Convents gewefen, aber bey fehr vielen andern, die es gleichfalls waren, fehlt diefe Bemerkung. Um fo mancher politifchen Folgerung willen, worauf Hr. v. S. in der Folge auch felbft noch aufmerksam macht, wäre es wohl zu wünschen gewesen, dafs bey allen Mitgliedern, die im Directorium oder in einem der beiden Räthe fitzen, dies durch ein Zeicheu bemerkt worden wäre. Auf dies Verzeichnifs folgen Nachrichten von der Eröffnung des Inftituts felbft und der erften feierlichen Sitzung, nebft zwey Beylagen aus dem Journal de Paris. Dies alles i fo angenehm und unterhaltend, als man es von dem Vf. fchon gewohnt ift, erzählt, und durch die in den Anmerkungen angeführten Belege zum Rang eines literarifchen Actenftücks erhoben. Man muss dabey nicht vergeffen, dafs diefer Auffatz fchon am 4. May 1796 der Societat in Göttingen überreicht wurde, fo dafs alfo dem Vf. manche Berichtigung und Erweiterung, die der Redacteur der Literaturübersichten im Intelligenzblatt der A. L. Z. fpäter benutzen konnte, noch nicht zur Hand waren. Auch benutzte er dabey noch nicht die Decade und das neue Magazin Encyklopedique, das durch Vorfchub eines Deutfchen von Millin nach einen fehr guten Plan herausgegeben wird.

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