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6. Deutsche Provinzialgeschichte. Schwaben und Oberrhein 476
Mittelrhein

483
Niederrhein

495 Westphalen

497
Niedersachsen .

503
Brandenburg. Bommern. Breußen 517
Obersachsen. Thüringen. Hessen 530
Franken

537
Bayern

546 Die österreichischen Stammlande 552

Böhmen. Mähren. Solesien 561 7. Nachträge

579

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Druckfehler.

S. 256 3. 1 v. u. lies statt der Humanität“ , des Humanismu8".
S. 257 3. 11 6. u. muß hinter „vermeint“ eingeschaltet werden (oder

umgekehrt").
S. 539 3. 4 v. u. muß heißen: Schannat in den Vindemiis liter. Bd. 2

(Collectio II) im Necrolog u. . w. S. 551 3. 6 v. u. lie8 statt „Reitelbrod“ „Beitelrod“.

I.

Kaiser Ferdinand II. und sein Geschichtschreiber Hurter.

Von

J. Söltl.

(Schluß )

XVIII.

Bald nach seiner Vermählung wollte Ferdinand seinen Kriegsmuth an den Türken erproben, welche Canissa genommen hatten. Maximilian II. hatte Schloß und Herrschaft gekauft, weil dieser Paß so wichtig sei, daß dessen Verlust dem Feinde das Land bis Grätz öffnen würde. Deßhalb ließ er den Ort kunstgerecht befestigen und es wurde eine Besatzung hinein gelegt; allein schon im J. 1581 klagte die stevyerische Landschaft, es sei ein göttliches Wunder zu nennen, daß bei folder Vernachlässigung des Kriegsvolfes und seiner Bedürfnisse dieses Vollwerk noch nicht dem Feinde erlegen sei. Die Mannschaft zu Fuß und Roß sehe sich um Nahrung zu suchen genöthigt, den Flecken zu verlassen. Bei wachsender Gefahr verstärkten sich diese Klagen. Erzherzog Ernst jammerte bei dem Naiser, daß durdy nadylässige Löhnung die Besatzung zur Verzweiflung gebracht Historische Zeitschrift V. Band.

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werde, der Zustand des Plages trostlos, unhaltbar sei. Darauf fam einige aber nicht ausreichende Hülfe und der Kaiser bestellte als Bes fehlshaber 1594 den Freiherrn Gevrg von Paradeiser. Dieser unterließ nicht, durch die dringlichsten Vorstellungen zu überzeugen (1599 im April), daß Canisja die größte Aufmerksamkeit verdiene. Aber es schien, als jollten unabwendbare verderbliche Zufälle zu ernsten Anzeichen einer düstern Zukunft werden. Türkische Gefangene legten Feuer an, welches einen Theil der friegsvorräthe und der Festung verzehrte. Nicht lange nachher stürzte ein Theil der Werke ein, ward ein anderer durch Gewitterregen wesentlich beschädigt. Baradeiser ließ Tag und Nacht an der nothwendigsten Wiederherstellung arbeiten. Dabei zeigte sich unter der Befjagung ießt schon Meuterei, verlangte ein Theil den Abzug aus dem Kriegsdienst, ohngeachtet der Feind an der Grenze streifte. Am 7. Sept. erschien die türkische Heeresmacyt vor der Festung, die schwache Bejagung hoffte auf Hülfe; am 14. Okt. rüdte Herzog von Mercoeur zum Entsafe heran; aber der Verlust der Zufuhr nöthigte ihn bald zum Abzug, ohne daß es ihm gelungen wäre, Mannschaft oder Lebensmittel in den bedrängten Platz hineinzubringen. Dann ging ein Theil der Ungarn sogar zum Feinde über und verrieth ihm die Scwäche der Stadt; die Zurückgebliebenen bearbeiteten die Deutschen, welche zu fester Gegenwehr entschlossen waren; diese hierauf verweigerten, so daß Paradeiser seinem Geschick nicht mehr entgehen konnte. Am 20. Okt. 1600 wurde nadı 44tägiger Belagerung das mit Waffen schwer zu bezwingende Bollwerk dem Feinde überliefert. Am 1. Dez. wurde auf der Kaisers Befehl ein Kriegsgericht nietergeseßt, um Paradeiser'& Benehmen zu untersuchen. Dieses ließ sich in Bezug wenigstens auf Canissa und dessen Befehlshaber mehr durch den Eindruck stimmen, den der Unfall der Uebergabe gemacht hatte, als durch Paradeiser's ausführliche Darlegung überzeugen. Er wurde verurtheilt und enthauptet, seine Güter eingezogen.

Canissa's Befehlshaber war nidyt Katholik. Daher konnte der im ersten Augenblicke gefaßte Berdacht, er habe durch Uebergabe des wichtigen Bollwerks Ferdinand aus Radye in Gefahr bringen wollen, leicht in die feste Behauptung verwandelt werden, indeß die Geschichtsschreibung späterer Zeit fich auf ehrenhafte Weise hütete, kirchlicher

Ueberzeugung zu lieb durch fortlaufendes Festhalten des Unerwiesenen sich zu beflecfen.')

Kaum hatte Ferdinand die traurige Nachricht vernommen, bat er den König von Spanien, seinen Schwager, den. Papst und den Kaiser um Unterstüßung, den wichtigen Plat wieder zu erobern. Indeß wurden Berathungen gepflogen, Alles bestimmt, von allen Seiten her kamen gute Verheißungen und Ferdinand ließ es an allseitiger Thätigkeit zu Förderung kräftiger Rüstungen nicht mangeln. Er wollte aber dein Unternehmen selbst beiwohnen, das sowohl an Zahl der Mannschaft als an Stattlichfeit der Ausrüstnng, als seines Zweckes wegen eines der bedeutendsten während des langen Krieges des Hauses Desterreich mit der Pforte war. Die Herzoge von Bayern wünschten ihm Glück zu seinem Vorhaben, und nachdem er sein Testament gemacht, gebeidhtet und den Leib des Herrn empfangen hatte, übergab ihm der Nuntius (am 23. Aug. 1601) das Heerbanner, worauf er von seinem Bruder Maximilian begleitet den Feldzug antrat.

Am 1. Sept. ging das Heer über die Mur, es zählte 23,000 Mann zu Fuß, 4500 zu Roß, mit Allem, was zu einer Belagerung erforderlich, aufs Beste ausgestattet. Der Herzog von Mantua war Oberanführer, Carl Formentin aus görzischem Adel Quartiermeister, der aus Lothringen gekommene Orfeo Galloni Zeugmeister. Am 9. Sept. erschien der Vortrab vor Canissa, am folgenden Tage rückte der Gewalthaufe nach. Die Leitung der Belagerung wurde dem Galloni anvertraut, vor dessen Wohlredenheit die nothwendigere Rücksicht auf Fähigkeit vor dem Erzherzog in den Hintergrund getreten war, so daß sein bald nachher erfolgter Tod nicht beklagt werden durfte.

Ferdinand setzte überhaupt bei Mangel an eigener Erfahrung unbedingtes Vertrauen in die Anordnungen derjenigen Kriegsmänner, welche die Belagerung führen sollten. Dieselben legten aber ihre Unfähigkeit oder Unvorsichtigkeit icon dadurch an den Tag, daß sie dem. Zelt des Fürsten die Stelle an der Spitze des Lagers anwiesen wo die meiste Gefahr drohte. Doch bewies Ferdinand unverzagte Festigkeit, indem er bis zum Ende der Belagerung dort ausharrte. Balt zeigten sich, durch Jahreszeit, Witterung und ungesunde Lage veranlaßt, beim Heere viele Erkrankungen; von zwölf s'apuzinern, die mit demselben ausgezogen waren, starben vier in ihrem feelsorglichen Dienste. Der türkische Befehlshaber in der Burg beantwortete schon die Vorschläge zu Unterredungen mit Kugeln. Unter Vorbereitungen zu einem Sturm vergingen über anderthalb Monate, und als dieser endlich am 18. Oktober von drei Seiten erfolgte, war eine Brücke, über welche Herberstein mit den Deutsden den Angriff bewerkstelligen konnte zu kurz, dabei so dywach, daß die ganze Schaar ins Wasser fant, mit Noth sich retten mochte, und es saben sich die Christen überall zurückgesdılagen. In der Vorweisung eines blanken Säbels als Antwort auf die Aufforderung zur Uebergabe lag der Wink, wessen man sich bei einem zweiten Sturm würde zu versehen haben.

-) So erzählt Hurter und fügt in der Anm. bei: Cäsar regulirter Chorherr

erklärt rundweg, es sei unbesonnen, diese Uebergabe aus Paradeiser's Lutherthum abzuleiten, gleich als ob ein Protestant nid)t redlich handeln fönnte. Hurter selbst sagt (IV, 358): „in den vorhandenen Akten liegt der unwiderleglidhe Beweis von Paradeisers Unsdyuld." Warum sagt er dieses nur in einer Anmerkung? Warum zeigt er seine Unschuld nicht klar ? 1) Das sind die Thaten des Erzherzogs ? War es der Mühe werth, sie an

Bei allem dem hatte es Ferdinand an nichts fehlen lassen, was der Belagerung den gehofften Erfolg hätte sichern können. Er verwendete seine eigenen Pferde zu Kriegsfuhren, gab die Zelte zu Sandsäcken her, zum Gewebe für solche ansehnliche Geldsummen. ')

Faschinen waren in solcher Menge bereitet worden, daß man daraus ein Bollwerf hätte erbauen fömen, höher als die Festung selbst. Er hoffte sie noch immer zu gewinnen, tafern nur Erzherzog Mathias Hülfe senden möchte. Am 7. Nov. ließ dieser den Feldmarschall Rußwurm mit 6000 Mann zu Fuß und 2000 zu Roß von Raab aufbrechen. Am 14. rückte er ins Lager ein und erhielt eine Stellung, von welcher man dem Feind die Zufuhr abschneiden zu können hoffte. Bereits jedoch) zeigten sich in Schnee, Frost und Wind grimmigere Feinde denn die Türfen waren. Schon ließen sichy Stimmen hören: wolle man die Serieger retten, so dürfe man auf so ungünstigem Boden bei so verderblicher Witterung nicht einen Augenblick länger verweilen. Dem tapferen Rußwurm däuchte dieß schimpflich). Allein aus dem

zuführen ?

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