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II.

Affengeschichten aus Amerika.

Von

Dr. Georg Friederici.

In den alten Berichten und Chroniken aus den ersten Jahrhunderten der Erforschung Amerikas steckt eine große Menge von Nachrichten über das Leben der Tierwelt. Da diese Bücher im allgemeinen dem Naturforscher nur wenig bekannt sind, weil im Verhältnis zu ihrem Umfang die Ausbeute doch nur sehr gering für seine Wissenschaft sein kann, andererseits aber den Historikern, Geographen und Ethnologen, welche diese Schriften durcharbeiten mögen, die Naturwissenschaft ferner liegt, so sind jene Nachrichten nur wenig bekannt geworden. Mir wurde diese Tatsache jüngst deutlich zum Bewußtsein gebracht, als ich die Arbeit von Otto Mohnike: „Über geschwänzte Menschen" (München 1878) las. Aus Amerika | kennt er nur zwei Nachrichten von geschwänzten Menschen (S. 37), die ihm zudem beide nur unvollkommen aus Quellen zweiter Hand zugänglich waren. Es dürfte daher nützlich sein, wenn ich in folgendem einige von den Bemerkungen über die amerikanische Tierwelt zusammenstelle, die ich mir im Laufe der Jahre aus den alten Quellen aufgezeichnet habe. Es sollen nur die Affen berücksichtigt werden und bei ihnen in der Hauptsache nur die Zeugnisse, die sich auf das Hämmern oder Werfen dieser Tiere mit Steinen und anderem Material beziehen, ferner die, welche eine Paarung zwischen Mensch und Affe behandeln, und schließlich die Angaben, welche mir über geschwänzte Menschen in der amerikanischen Literatur bekannt

geworden sind. Kommentare oder Folgerungen sollen nicht gegeben werden, da mich

nur

mangelhafte naturwissenschaftliche Kenntnisse zu einem solchen Versuch kaum berechtigen.

Die Fähigkeit der Affen, mit Vorbedacht zu hämmern und zu werfen, ist oft bestritten worden; besonders scharf hat dies in der ethnologischen Literatur Ludwig Noiré getan. Er lehnt eine solche Auffassung rundweg ab und scheint fast geneigt, sie lächerlich zu machen; er hält es für unmöglich, daß ein Affe mit Vorbedacht werfen könne.

Hätte Noiré mehr voneinander unabhängige Beispiele gekannt, als seine beiden von Brehm und Wallace, besonders auch aus anderen Erdteilen, so wäre er vielleicht weniger zuversichtlich gewesen 1).

Die meisten Berichte über Werfen und Hämmern durch Affen in Amerika sind auf Rechnung von Mycetesarten zu setzen, und zwar von Mycetes seniculus, Mycetes palliatus und Mycetes caraya. Der landläufige spanische Sammelname für den Mycetes war gato paúl", doch hatte man daneben in den verschiedenen Gegenden Lokalnamen. So hieß der Mycetes in Venezuela „araguato" oder „aranata", in Columbia capuchino", in Brasilien und Paraguay barbado". Die Azteken nannten den Mycetes seniculus „otzumetli“.

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tal, von Yucatán und Nicaragua, daß diese Tiere abgebrochene Zweige, Unrat und Kot auf die nahenden Spanier und Flibustier herabwarfen. Es geschah dies nicht etwa wie es Noiré in den beiden von ihm behandelten Fällen zugunsten seiner Auffassung für sich in Anspruch nimmt in derselben Weise, wie der OrangUtan in der Angst vor dem Verfolger Zweige abbricht und fallen läßt, oder wie das flüchtige Huhn krampfhaft Sand aufwirbelt, wenn es gejagt wird", es geschah nicht im Fortspringen, beim Flüchten, sondern in einigen Fällen beim Herankommen, in geradezu aggressiver Form. Die Äste kamen zum Teil in solcher Masse und mit solcher Wucht herunter, daß man sich durch die Schilde dagegen schützen mußte. Das Hinabsenden von Kot und Urin auf die Köpfe der Europäer könnte man ohne weiteres als Ausfluß von Angst beiseite lassen, wenn nicht der Arzt Wafer, unsere beste Quelle für das primitive Leben auf dem Isthmus, ausdrücklich erwähnte, daß dies seitens der Affen absichtlich geschah. Exquemelin unterstützt diese Auffassung, wenn er erzählt, daß die Affen ihren Kot in die Hände nahmen und den Flibustiern an die Köpfe warfen.

Diese Angaben der Augenzeugen über das Werfen von Zweigen durch den Mycetes werden von Ximénez bestätigt, welcher auch die Geschichte bringt, daß diese Affen sich selbst oder gegenseitig erhaltene Wunden mit Blättern zu verstopfen suchten. Dieses letztere wird von Exquemelin als Augenzeuge bescheinigt. Oviedo als Augenzeuge und Gomara erzählen, daß diese Tiere in Darién und Venezuela erhaltene Pfeile aus den Wunden zogen und sie gegen die Schützen zurückschleuderten. Petrus Martyr geht sogar so weit, zu berichten, daß sie Pfeile in der Luft auffingen und auf die Gegner zurückwarfen. Wafer beobachtete auf der Insel Gorgona, wie Affen zur Ebbezeit Austern fischten, diese auf einen Stein legten und durch Schläge mit einem anderen Stein zum Verzehren öffneten. Das Aufklopfen von Früchten vermittelst eines Steines beobachtete Oviedo.

Ich komme nun zum Werfen mit Steinen. Acosta sah in Cartagena einen Mycetes palliatus, der Steine von der Erde auflas und diese gegen ihn verfolgende und ärgernde Kinder

Archiv für Anthropologie. N. F. Bd. VII.

warf. Petrus Martyr berichtet, daß die Affen auf dem Isthmus Steine in den Händen und im Maul auf die Bäume hinaufschleppten und sie dann von oben auf die Spanier hinabschleuderten. Einem Armbrustschützen wurden bei dieser Gelegenheit von einer alten Affenmutter die Zähne eingeworfen. Ganz ähnlich oder wahrscheinlich sogar identisch hiermit ist die Geschichte von Francisco de Villacastin, die damals über ganz Amerika bekannt und berühmt gewesen zu sein scheint. Oviedo, Gomara und Garcilaso de la Vega erzählen sie. Der Vorfall spielte sich in folgender Weise ab: Pedrarias d'Ávila ließ über den Isthmus zwischen Nombre de Dios und Panamá eine Straße bauen, wobei die Arbeiter andauernd von den werfenden Affen belästigt wurden. Ein Stein, den Francisco de Villacastin gegen die Affen hinaufwarf, blieb zwischen den Ästen hängen, wurde von einem Mycetes gefaßt und mit solchem Glück gegen den Hinaufschauenden wieder hinabgeschleudert, daß er ihm, wie Oviedo sagt, 4 oder 5 Zähne ausbrach. Oviedo bezeugt ausdrücklich, daß er den Mann vor und nach diesem Vorfall mit und ohne Zähne gekannt habe. Garcilaso de la Vega sah ein Exemplar von Gomaras Historia de las Indias, in welchem an der Stelle, wo Gomara dieselbe Geschichte erzählt, folgendes von einem Conquistador von Perú handschriftlich am Rande beigefügt war: „Ein Affe verwundete einen Armbrustschützen mit Namen Villacastin durch einen Stein und schlug ihm zwei seiner Zähne aus. Er war später ein Conquistador von Perú und Herr eines guten Repartimiento, welches Ayaviri hieß"; es folgen Einzelheiten aus seinem weiteren Leben, worauf die Handschrift mit den Worten schließt: „Villacastin tötete den Affen, der ihn verwundete; denn er schoß seinen Bolzen in demselben Augenblick ab, als der Affe seinen Stein warf."

Auch Garcilaso de la Vega sah Villacastin mit seinen zwei abgebrochenen Schneidezähnen und fügt hinzu, daß diese Geschichte vom Verlust der Zähne durch einen Affen in ganz Perú bekannt war1).

1) Petrus Martyr, De Orbe Novo Decades octo“, p. 403-404. Parisiis 1587. Navarrete, „Coleccion de los Viajes y Descubrimientos que hicieron por mar 3

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los Españoles desde fines del siglo XV“, I, p. 399, 455.
Madrid 1858. Herrera, „Historia General de los
Hechos de los Castellanos" etc., Déc. I, p. 106 I. Madrid
1726-1730. Gomara, Historia de las Indias", in
Vedia: „Hist. Prim. de Indias" I, p. 197 II, 206 II.
Madrid 1858. Ximenez, „Cuatro Libros de la
Naturaleza",
México 1888.
Dampier,

"A Voyage Round the World", vol. II, part. II, p. 59

-60. London 1699.

Wafer, "A New Voyage and

Description of the Isthmus of America", p. 113, 178.

Cleveland, O. 1903. Oexmelin, „Histoire des Avan-

turiers qui se sont signalez dans les Indes" II, p. 182-183.

Paris 1688. Garcilaso de la Vega, „Primera

Parte de los Commentarios Reales", p. 289, 347 II.

Madrid 1723.

Historia Natural y Moral

de las Indias" I, p. 439-441. Madrid 1894. Oviedo
y Natural de las Indias"

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das Werfen der Affen. Es handelt sich hier

um Mycetes seniculus, Mycetes ursinus und

Mycetes caraya. Barbado und Guariba (Gariba,

Garibba) sind ihre Lokalnamen. Daß sie einen

Pfeil aus der Wunde rissen und gegen den

Schützen zurückwarfen, wird von Soares de

Souza, Magalhães de Gandavo, dem sich

Vicente do Salvador anschließt, von dem

Verfasser der Dialogos das Grandezas do

Brazil, von Yves d'Évreux, Eder und

Herrera erzählt. Sehr interessant in dieser

Hinsicht sind die Angaben von Pater Zephyris

bei Besprechung der Tatsache, daß Pfeilgift

im erlegten Tier dem Essenden nicht schadet.

Daß Splitter vergifteter Pfeilspitzen, sagt er,

,,viel leichter in dem Affen - als anderem

Fleisch gefunden werden, rührt von dem her,

daß, so bald derselbe seinen empfangenen Schuß

vermerkt, er mit seinen Tatzen gleich nach

dem Pfeil greifft, und diesen heraus zu ziehen

sich mit zorniger Ungeduld bemühet, folgends

krumm fahrt und die Spitz abbricht, welche

also in dem Leib steken bleibt."

Vargas Machuca sah als Augenzeuge, wie

ein im Unterleibe verwundeter Affe die schmer-

zenden Eingeweide herausriß und stückweise

nach unten warf. Soares de Souza erwähnt,

daß sich diese Affen zuweilen mit dem heraus-

gerissenen Pfeil in der Hand auf den Jäger

hinabfallen lassen. Von dem Abbrechen und

Werfen von Zweigen spricht Herrera. Die

versuchte Heilung der empfangenen Wunde

durch Auflegen von Blätter erwähnen Soares

de Souza, der Verfasser der Grandezas do

Brazil, und Vargas Machuca. Yves d'Évreux

berichtet als Augenzeuge, daß diese Affen

Krebse und Austern durch Steinschläge öffneten,

um an den Inhalt herankommen zu können 1).

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Die älteste Nachricht über werfende Affen ist wohl die, welche Megasthenes über die steine wälzenden und steine werfenden Affen des Kaukasus gibt. Die bekannteste Beobachtung der Neuzeit dürfte die von Wallace über die

Orang-Utans von Borneo sein. Das krampf

hafte Fassen der Affen nach der verwundeten Stelle, ihr Wehklagen mit den Tönen eines Kindes, ihr menschenähnliches brechendes Auge sind häufig beobachtet worden und haben manchem Jäger das stumme Gelübde abgelockt, nie wieder einen Affen zu schießen. Verknüpft mit einem Teil der im vorstehenden gegebenen Zeugnisse über die amerikanischen Affen ist eine Beschreibung des Verhaltens der Affentrupps beim Nahen der Fremden: ihre Signalrufe zum Sammeln, ihr Wutgeschrei und ihr Hohngekreisch, ihre Gebärden und Grimassen, die teils Widerwillen, teils Neckerei auszudrücken scheinen. Barco Centenera hat eine Affenversammlung in Versen beschrieben, während Petrus Martyr von einem Affenkönig auf dem Isthmus spricht, über dessen Existenz in der Alten Welt „Le Livre des Merveilles" und Nachrichten aus Java, Ceylon und Indien zu erzählen wissen 1).

Über angeblichen Geschlechtsverkehr zwischen Mensch und Affe sind mir nur verhält nismäßig wenige Nachrichten aus Amerika bekannt geworden. Cieza de León spricht von folgenreichem, geschlechtlichem Verkehr zwischen Indianern und Affenweibchen, aber nur von Hörensagen. Père Yves d'Évreux erzählt, daß sich Affen, wahrscheinlich Mycetes ursinus oder Mycetes seniculus, über Frauen und Mädchen warfen, um sie zu vergewaltigen,

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Bott", II. Bund, XIV, p. 88. (Num. 332.) Augspurg und Grätz, 1729 bis 1730. Vargas Machuca, „Milicia y Descripción de las Indias" II, p. 137. Madrid 1892. Herrera, IV, p. 169 I. '),Megasthenis Indica“, edit. Schwanbeck, p. 103 (fragm. XV). Bonnae 1846. Wallace, The Malay Archipelago", p. 40, 56. London and New York 1872. Bechtinger, „Ost-Afrika“, S. 124-127. Wien 1870. van Rees, „Herinneringen uit de Loopbaan van een Indisch Officier", tweede serie, I, p. 160-161. 's Gravenhage 1865. Barco Centenera, „La Argentina,

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wenn sie stark genug dazu waren. In der zweiten, von einem „Member of the Royal Society" besorgten Ausgabe von Wafer sagt jener in einer Anmerkung vom Mycetes: „,these are very leacherous, and often fall foul of Negro Women". Exquemelin erhielt von einem alten Spanier Nachrichten über das Hinterland von Maracaybo, denen zufolge in jenen Gegenden "salvages", Wilde, hausten, welche Exquemelin für große Affen hält, und die darauf erpicht sein sollten, Frauen zu vergewaltigen.

Alle diese Nachrichten stützen sich nur auf Hörensagen und beruhen zum Teil auf Mißgeburten, die man fand, auf Mißverständnissen und wohl auf irriger Deutung nicht verstandener Naturerscheinungen. Naturerscheinungen. Für diese letztere Auf

fassung hat Garcilaso de la Vega eine bezeichnende Geschichte. Ein ihm bekannter Spanier erlegte im Lande der Antis ein tragendes Pumaweibchen. Man fand zwei Junge in ihrem Leibe, die Söhne eines Jaguars, denn ihre Felle waren mit den Flecken ihres Vaters gezeichnet." Da man sich die Flecken bei den Jungen einer Pumamutter nicht anders erklären konnte, so war man schnell fertig mit dem Schluß, daß die Silberlöwin von einem Jaguar begattet worden war1).

Auf einige vielleicht weniger bekannte Angaben über Vorgänge dieser Art in der Alten Welt mag in diesem Zusammenhange kurz hingewiesen werden.

Ibn Batuta, der im übrigen auch die Geschichte vom Affenkönig bringt, erzählt, daß ihm von mehreren glaubwürdigen Personen als Augenzeugen berichtet worden sei, daß auf Ceylon junge Mädchen von Affen vergewaltigt worden seien. Das,,Livre des Merveilles", welches eine erfolgreiche Kopulation zwischen den aller

1) Cieça de Leon, La Chronica del Perv", p. 170 a-171. Anvers 1554; edit. Vedía: II, p. 440 I. Dies ist eine von den vielen Stellen, die in der von der Hakluyt Society herausgegebenen Übersetzung von Cieça de León mit der Bemerkung „Unfit for translation" einfach ausgelassen worden sind. Für Untersuchungen dieser und ähnlicher Art ist daher diese Ausgabe ebenso wie die von Garcilaso de la Vega, wo dasselbe Verhältnis vorliegt, unbrauchbar. - Yves d' Évreux, p. 199. OexWafer, p. 113, Note. melin: I, p. 200-201 (II. partie, chapt. V). Garcilaso de la Vega, „Prim. Parte“, p. 288 (VIII, 18).

heterogensten Geschöpfen für möglich hält, gibt eine eingehende Darstellung einer solchen zwischen einem Matrosen und einem Affenweibchen. Innes Munro berichtet vom Kapland, daß Paviane Sklavenmädchen vergewaltigten, und Beckmann gibt eine ganze Anzahl von Hinweisen auf Angaben dieser Art 1).

Geschwänzte Menschen waren nach der Auffassung jener zurückliegenden Zeiten die interessantesten Produkte solcher Paarungen zwischen Mensch und Affe.

Gleich in seinen Briefen an Luis de Santángel und Rafael Sánchez erwähnt Columbus, daß er auf Kuba von geschwänzten Menschen gehört habe. Während seiner zweiten Reise verdichtete sich dann diese Auffassung ganz erheblich bei ihm. Er wollte verstanden haben, daß auf den westlichen Teilen von Kuba die Menschen tierische Schwänze hätten und Kleider trügen, um sie zu verbergen. Auf seiner Suche nach Kulturasien brachte er diese Nachricht mit den von ihm so sehnlichst gesuchten bekleideten Menschen in Zusammenhang, über welche sich die nackten Wilden lustig machten. Er erinnerte sich an Sir John Mandeville, der eine ähnliche Geschichte erzählt hatte, und glaubte nun mit Sicherheit in der Nähe von China oder des Goldenen Chersones zu sein 2). Nachrichten dieser Art mit erheblich ernsterem Hintergrunde erhielt nun 1520 Lucas Vázquez de Ayllón, der, beraten von dem tüchtigen Piloten Diego Miruelo, die Küsten des heutigen Georgia und der Carolinas befuhr. Hier erzählten ihnen die Indianer, daß zur Zeit ihrer Vorväter ein fremdartiges Volk zu Schiff an ihre Küste gekommen sei. Sie hätten eine Art von Fisch- oder Eidechsenschwanz gehabt, schuppige oder fischähnliche Haut und hätten sich nur von rohen Fischen genährt. Als ihnen diese Nahrung aus

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ging, seien sie sämtlich eingegangen. Und so, fügt Barcia hinzu, ist mit dem Untergange dieses Volkes die Möglichkeit dahingegangen, festzustellen, ob diese Angaben auf Wahrheit beruhen oder nicht. Ich glaube, daß der Kern der Geschichte auf Wahrheit beruht. Es wird sich um eine nicht allzu weit zurückgehende Überlieferung von dem Einfall einer zu weit nach Süden verschlagenen Eskimokolonie handeln. Wir wissen, daß diese Völker wanderten, und wir wissen, daß sie in früheren Jahrhunderten weiter nach Süden hinab wohnten, als zu unseren Zeiten. Es wird eine Eskimokolonie gewesen sein, die in ihren Kajaks und Umiaks zu weit nach Süden verschlagen wurde und die, durch das warme Klima von Carolina und die ungewohnte Nahrung dezimiert, sehr schnell wieder zugrunde ging. Die Eskimos in ihren Fellen und Fischhäuten und mit ihren schwanzförmig geschnittenen Rockschößen sind um so weniger in diesen Leuten zu verkennen, als wir eigentlich überall dort der Geschichte von geschwänzten Menschen begegnen, wo Eskimos entfernte Nachbarn der Indianer sind 1). Die Schwänze an den Röcken der Eskimos haben schon früh das Interesse der Europäer erweckt, und die sich auf diesen Anzug begründende Geschichte von geschwänzten Menschen im Innern des Landes war besonders an der Alaskagrenze unter den Indianern weit verbreitet 2).

Aus Südamerika haben wir die berühmt gewordene Geschichte von gewordene Geschichte von den geschwänzten Ugína am oberen Juruá, in deren Nachbarschaft auch das Zwergvolk der Cauána gewohnt haben soll. Die Indianer behaupteten, daß diese Ugína aus der Verbindung von Indianerweibern mit den Coatá- Affen (Simia oder Ateles paniscus) hervorgegangen seien, und nannten sie daher auch Coatá tapuya. Außer der bestimmten Aussage einer großen Zahl von Indianern,

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