Pagina-afbeeldingen
PDF
ePub

felig die Heide, mit Blumen schön und wohlgeziert! In Folge alles dessen, und weil in den Tagen Leopolds des Glorreichen Desterreich erscheint als das Land, wo Milch und Honig fließt, und das Manna vom Himmel niederthaut und der Herzog zu Desterreich und Steyer bey weitem als der mächtigste Fürst deutscher Lande, sagt der gelehrte Hr. Hofrath vom Nibelungenliede: »So geziemte es denn auch unserm theuern Wien, daß »das erste, älteste, herrlichste Epos deutscher Zun»ge, daß das vielgepriesene, vielverkannte Lied von Wien, »daß die erste und größte Urkunde deutschen Dichterruhms, dieser »Stadt gewidmet fey« (?). — Leopold des Glorreichen Haus; sein Mittleramt zwischen Kaiser und Papst, und sein Tod am 28. July 1230. Ganz vortrefflich ist der in seinen treffenden, kurzen Parallelen so wahrheitsvolle Rückblick über die Herrschaft der Babenberger in Oesterreich, p. 113-116.

P. 116 180. Leben und Thaten H. Friedrich des Streitbaren. In dieser, schon aus dem vortrefflichen öfterreichischen Plutarch allbekannten, hier aber gedrängteren und vor Uebertreibungen mehr gehaltenen Darstellung bewegt sich der Verfasser wie in seinem eigenthümlichen Elemente. Ein großes, herrliches Tableau! Die Umrisse der Hauptfiguren groß und charakteristisch; Kolorit mit Licht und Schatten meisterhaft vertheilt, und alles zum lebenbewegtesten Zeitenbilde gesteigert. Ueber die damaligen Sitten der Wiener vermuthet der Verfasser, daß Handel und Wohlleben und alle Verzweigungen des Reichthums, Leopolds Milde, Friedrichs Jugend, die Aufhebung der Kuenringer und der Nachbarn, argen Uebermuth und Verfall der Sitten in Wien hätten lustig wuchern lassen, so daß der heilige Vater dem zu Wien neu eingeführten Dominikanerorden gemessenen Auftrag, salbungsvoller Gegenwirkung gab. Kein geringes Bild des Ueberflusses, der Pracht und der freudigen Kühnheit jener Tage (wird weiters bemerkt) geben auch die Abenteuer Ulrichs von Lichtenstein, welcher zweymal durch die Lande zog: einmal von Venedig nach Wien und bis an die Taja, deutscher Erde und Zunge Gränzenmark gegen das slavische Land, als Königin Venus; das andere Mal, als König Artus, der vom Paradiese kömmt, die Tafelrunde wieder herzustellen.— Wahrlich man darf wohl den abenteuerlichen Geschmack jener Zeiten anstaunen, wenn man sich den geschminkten und gefärbten Ritter Ulrich als Königin Venus turnirend denkt, und hinschaut auf den Sänger 3 a chäus von Himmelberg, welcher der Königin als Mönch, und auf den reichen Otto von Buchau, der ihr als windisches

Weib nachzieht! Die Mähren der Reimchroniken, wie Herzog Friederich auf den Rath Wolfsgang von Parau die stolzübermüthigen Wienerbürger hart besteuert, wie er sehr nach ihren Frauen und Töchtern begehrt, wie er vorzüglich einer schönen, tugendhaften Wienerin, Brunehilde (nach einigen, ein Edelfräulein vom Hause Pottendorf?) lange nachgetrachtet, und endlich auf einem Balle seinen Zweck erreicht habe? widerlegt der Verfasser durch geschichtliche und psychologische Gründe vollständig.

Der römische König Heinrich entseßt. Herzog Friedrich gewählet; in Folge dessen das Ungewitter von allen Seiten über Desterreich heranzog, und der Kaiser selbst in den ersten Jammertagen des Jahres 1237 nach Wien kam, der Stadt Wien und ihren Bürgern die berühmte goldene Bulle ertheilte, und Wien zu einer unmittelbaren, freyen Reichsstadt erhob. Dieser wichtige Majestätsbrief verordnet unter vielen andern auch, daß zur Bildung des Volkes, und zum Unterrichte der Jugend ein bequemes Studium in Wien bestehen, und der Meister der Schulen gesezt werden solle von des Kaisers Majestät. Mit dem Rathe weiser Männer dieser Stadt möge dieser die Doktoren oder Lehrer in den Fakultäten verändern. Als Erläuterung und Ergänzung der goldenen Bulle wurde auch noch eine zweyte Urkunde in Italien (August 1238) gegeben, der sogenannte Judenbrief, -über dessen Inhalt und über die Ge schicke des jüdischen Volkes und über ihren hochwichtigen Einfluß auf Handel und Wandel in Oesterreich der Verfasser P. 153 -159 weitläufiger spricht. - Friedrich abermals Herr. Wiens Noth und Unterwerfung. Des Herzogs edles Herz gegen die Wiener. Seine Wiederversöhnung mit dem Kaifer. Die Mongolen. Friedrichs Sieg und Tod 15. Juny 1246. Das Zwischenreich.

-

[ocr errors]

Unter den diesem Hefte am Ende beygegebenen Anmerkun= gen erscheinen die vom Archivar zu Admont, Albert Muchar, p. 188-194, nicht bloß aus Hansiz und aus Bernard Pez, sondern aus den Original - Saalbüchern und Diplomen des admontischen Archives mitgetheilten urkundlichen Nachrichten über die Salzquellen und Salzsiedereyen im Admontthale in dieser Zusammenstellung hier wohl zum ersten Mal.

(Die Fortseßung folgt.)

"

Art. IV. The seven seas a Dictionary and Grammar of the persian language by His Majesty (hier folgt persisch geschrieben der Namen Abul- Musaffer Muiseddin Schah seman Ghas sieddin Haider Padischah Ghasi) the King of Oude, in seven parts. Printed at his Majesty's press in the city of Lucknow 1822. Sieben Folio Bände. L 354 Seiten. II. 242 S. III. 245 S. IV. 179 S. V. 180 S. VI. 161 S. VII. 227 Seiten.

Der Verfasser dieses in mehr als einer Hinsicht wahrhaft

königlichen Werkes ist der dermalige König von Aude, Haider oder Ali Schah, Sohn Seadet Ali's, des Verbündeten der Engländer, welcher in dem leßten Kriege derselben wider die Pindaris und Gorkas aus seinem aufgehäuften Schaze von 18 Millionen Pfund Sterlingen der ostindischen Gesellschaft auf den bloßen Empfangschein des Vicekönigs Statthalters Marquis von Hastings dritthalb Millionen Sterling lieh 1) und dessen Sohn Schah Haider theils dafür, theils, weil es die englische Politik erheischte, den Nabob (Nuwwa b) von Aude, als den erblichen Großvesir der ehemaligen Großmogolen mit den noch übrigen Abkömmlingen derselben vollends zu kompromittiren, zu Ausgang des Pindari-Kriegs von den Engländern nicht mehr als Wesir des Großmogols, sondern als König und unumschränkter Herr von Aude anerkannt ward. Haider Schah trat in seines Vaters Seadet Ali Fußstapfen, welcher der einzige von allen indischen Fürsten wahre Neigung für europäische Bildung bewies 2), indem er nicht nur die von seinem Vater angefangenen Bauten und Verschönerungen seiner Residenz Lekhneo 3) vollendete, sondern auch in selbem Jahre, wo er den Thron bestieg (1813), die Verfassung des vorliegenden Werkes begann, und, wie er in dem Vorberichte (I. S. 7 l. 3.) erzählt, in dem Zeitraume von zwey Jahren zu Stande brachte. Die über

=

1) The Honourable Company was accommodated with above two millions and a half sterling on my simple receipt. S. 16, in dem als Manuscript gedruckten Summary of the administration of the Indian Government, from October 1813, to January 1823. By the Marquess of Hastings, Governor-General. London: William Earle, Berkeley Square 1824. Reprinted at Malta.

2) He possesses superior abilities to the generality of his countrymen, and is the only native prince who ever appeared to have a real taste for European conveniences. Hamilton's East Gazeteer, London 1815. S. 133.

3) So und nicht anders muß der von den Engländern Lucknow ge schriebene Namen der Residenz ausgesprochen werden. Siehe V. Band, Seite 70.

allen Begriff kurze Zeit von zwey Jahren, in welcher es einem gewöhnlichen Gelehrten, der auch von allen anderen Geschäften befreyt sich einzig und allein lerikographischer Arbeit widmen könnte, kaum möglich wäre, sieben Folianten zu schreiben, be rechtigt schon allein zur Vorausseßung, daß der königliche Ver= fasser wenigstens die mechanische Arbeit der Zusammentragung des Stoffes den Gelehrten der zahlreichen Akademien seiner Residenz aufgetragen und seinen (bey der vorwaltenden Sorge der englischen Verbündeten freylich minder verwickelten) RegierungsGeschäften unbeschadet, sich blos die Auswahl und Anordnung des gesammelten Stoffes vorbehalten haben werde, weil er im Vorberichte (I. S. 3 vrl. 3.) ausdrücklich als der Verfasser des Werkes genannt wird. Ohne hier weiter auf die Untersuchung eingehen zu wollen, wie viel von diesen sieben Folianten den Professoren und Akademikern, und wie viel Sr. Majestät dem Bater des Sieges, dem Beehrer des Glaubens, dem Schah der Zeit, dem Glaubenskampen, dem Löwen, dem Padischah (dieß ist die Uebersehung des dem englischen Buchtitel eingeschalteten persischen Königstitels) ange= hören, so ist es gewiß, daß seit dem größten der indischen Großmogole, seit Kaiser Ekber, kein anderer indischer Fürst der Wissenschaft so wesentliche Dienste geleistet habe, als Schah Haider, welcher nicht nur die Herausgabe und den Druck dieses Werkes, im größten Folio mit größtem (zur Auswerfung der einzelnen Wörter benüßten) Rande mit typographischer Pracht besorgt, sondern auch mit königlicher Freygebigkeit eine Anzahl von Eremplaren der ostindischen Gesellschaft zur Vertheilung an die ersten Bibliotheken und Orientalisten Europa's übersendet hat. Nicht sowohl der größere Reichthum an Wörtern ist das vorleuchtende Verdienst dieses großen persischen Wörterbuches vor den bisherigen besten, nämlich vor dem Ferheng Dschihangiri, Ferheng Schuuri 1) und Burhani Fati 2), fondern vielmehr die genaueste Bezeichnung der Aussprache jedes einzelnen Wortes, Buchstab für Buchslab und Vokal für Vokal, so, daß fortan jeder in Europa durch die falsche Aussprache von Reisenden so oft veranlaßte Streit über die wahre Aussprache eines Wortes künftighin aus dieser Quelle unwiders

Ferheng Schuuri, gedruckt zu Konstantinopel 1555 d. H. (1742) in zwey Felio-Bänden.

2) Burhani kati, gedruckt zu Konstantinopel 1214 (1799) 1 Folio-Band, und Boorhani Quatiu, a Dictionary of the Persian Language, explained in Persian, by Capt. Thomas Roebuck. 4to. Calcutta 1818, 1 kl. Folio-Band.

[ocr errors][ocr errors][ocr errors]

ruflich entschieden werden kann 1). Der größere Reichthum von Wörtern ist mehr ein scheinbarer als wirklicher, denn, wenn gleich der Burhani fati nur 22004 Wörter, der Ferhengi Schuuri deren 22550, das vorliegende Werk aber deren 22777 aufführt, so besteht dieser größere Reichthum meistens nur aus arabischen oder griechischen Namen von Pflanzen und Medikamenten und ein paar hundert Sendwörtern (wofür der Ferhengi Schuuri ein paar hundert dschagataische gibt), wäh rend andere theils im Ferhengi Schuuri, theils im Bur hani kati aufgeführte echtpersische Wörter fehlen, welches in dem als Anhang dieser Anzeige gelieferten Wörterverzeichnisse mehr als einmal zu bemerken Gelegenheit seyn wird.

Den ganzen Wörterschaß eines Lerikon zu mustern und zu sichten ist die mühsame aber unerläßliche Pflicht eines sprachfähigen Beurtheilers desselben, wenn er anders eine gründliche und belehrende, und nicht blos oberflächliche oder unterhaltende Anzeige davon zu liefern gesonnen ist 2). Wirklich hat die hier ge

1) Wie z. B., gleich in der Aussprache des Namens Lekhneo (V. S. 70) welches die bisherigen Anzeiger dieses Wörterbuchs, in der Leipziger Literatur-Zeitung, in den Göttingisc; en gelehrten Anzeigen und in dem Konversations-Blatt, ja selbst in dem Journal des Savans feiner an der Quelle selbst zu berichtigen sich die Mühe gegeben, sondern blos mehr oder weniger die bisherige englische Schreibweise nachzubeten für gut befunden haben, indem die Leipz ziger gelehrte Zeitung Luknau, die Göttinger gelehrten Anzeigen Lucknow und das Convers. Blatt Lekehnou ft. Lekhneo schreiben. Es heißt B. V. S. 70: Mit Feth auf dem ersten Buchstaben, der zweyte ruhend, so daß das h mitgehört wird (Lekh); das Nun mit Feth und das W a w mit Dhamm (ne o); also Lekhne o. 2) Oberflächliche Anzeigen dieser Art sind in jüngster Zeit in deutschen recensirenden Blättern nur zu sehr Mode geworden, und um nur bey dem vorliegenden Werke stehen zu bleiben, gehören darunter namentlich die Anzeigen desselben in der Leipziger Literatur- Zei= tung und in den Göttingischen gelehrten Anzeigen, deren Verfasser, sey es aus Flüchtigkeit, sey es aus Unkunde, bey der bloßen Schale und dem Aeußeren des Werkes stehen geblieben sind, ohne im Ge= ringsten den Gehalt selbst zu erfassen, über welchen sie vielmehr noch zum Theile irriges Licht verbreiten, wie z. B. über die große, 22 Folio Seiten füllende Episode des V. Bandes (S. 140 bis 162), welche einen im höchsten Schmuck persischer Redekunst ausgeführten Apolog mit eingeschalteten Erzählungen nach dem Muster der sogenannten Fabeln Bidpai's enthält, dessen Lehre einzig und allein dahin geht, die Nothwendigkeit des gemeinsamen Vereins von Kräften zur Erreichung großer Zwecke einzuprägen ; ein Apolog, der allem Anscheine nach in früherer Zeit von dem königlichen Verfasser in der guten Abscht geschrieben seyn mochte, indischen Radschas die Nothwendigkeit von Einigkeit zu predigen, wenn wider den gemeinsamen Feind etwas mit Erfolg ausgeführt

« VorigeDoorgaan »