Pagina-afbeeldingen
PDF
ePub

nicipalsaßungen. Auf der alten Schule bey St. Stephan werden fort und fort Griechisch, Latein, Dichtkunst und Beredsamkeit, überhaupt die freyen Künste gelehrt. Am 13. Oft. 1370 fertigte Albrecht, der Pfarrer zu Gars, den Stiftbrief des Kollegiums der Bakkalauren. Am 20. Februar 1384 verwilligte endlich der Papst die Errichtung der theologischen Fakultät an der Universität. Als Vordermänner derselben berief Berthold von Wähing, Propst bey St. Stephan und des Herzogs Kanzler, unter anderen zwey berühmte Lehrer aus Pa= ris, Heinrich von Hessen und Heinrich von Oyta. 1384 überträgt Albrecht die Universität in die Nähe der Dominikaner. - Umfang der in Rudolphs Stiftbriefe beschlossenen, eigenen, mit Mauern und Thoren umgebenen Universitätsstadt. - Lange und vielfach verwickelte Irrungen in Handelssachen zwischen Wien und Prag werden endlich am 13. Oktober und 4. Dezember 1385 verglichen und ausgetragen. Sie gingen meist aus der damals allgemeinen gegenseitigen, wilden Feindschaft der Fürsten und des Adels wider Städte und Landvolk hervor. Der Landreichthum der ersteren sank immer mehr vor dem Gold der Städte, und das von diesem schon an und für sich bezwungene Eisen ward auch noch ein eben so nieder schmetterndes Werkzeug in der Faust jener fast immer siegreichen, eidgenössischen Bauern. - Die immer steigende Macht der Lichtensteine und ihr Ansehen am Hofe. Hanns von Lichtenstein der jüngere in Oesterreich unter Jung und Alt und bis in die fernsten Lande nur der gewaltige Hofmeister genannt! - Die Wiener Dichter, Heinrich Teychner und Peter Suchenwirth. Kaiser Wenzels Gefangenschaft und Rettung aus Wien, und Antheil der Lichtensteine an seiner Befreyung. - Christophs von Lichtenstein Geschicke in Frankreich. - Klosterwesen, Karmeliter, Büßerinnen, Nikolaerinnen in und vor der Stadt. Die Pest in Wien 1370 und 1381. Große Kälte und Mißjahre 1384 und 1392. Albrecht erbaut Lachsenburg, wo er auch am 29. August 1395 starb. Albrecht IV. und der in die Mitherrschaft sich eindrängende Wilhelm, für welchen in Wien Volk und Handwerker wider die Reichen, wider den Rath und auch wider den Adel der inneren Lande standen, und ihn in seinen grundlosen Foderungen unterstüßten. Um diese Zeit sah Wien nach beynahe zwey Jahrhunderten wieder einen Kreuzzug gegen die mächtig herandringenden Türken. Solch gewaltiger Bewegungen im Morgenland ungeachtet, entschloß sich der neunzehnjährige Albrecht zu einem Zug ins heilige Land. Die mährischen und böhmischen Räuber verwüsten Oesterreich.

[ocr errors]

--

[ocr errors]
[ocr errors]

Albrecht IV. stirbt zu Klosterneuburg am 14. September 1404. In dem Vormundschaftszwiste über den jungen Albrecht V. gegen Wilhelms Brüder, Leopold, Ernst und Friedrich, und den übermüthigen Propst bey St. Stephan, Berthold von Wähing, standen die biedern, tapfern Waldsee, durch Furcht und Hoffnung gleich unbewegt, mit ganzer Seele für das Recht des Knaben Albrecht, weil darin allein Heil und Ruhe lag. Wien in wilder Parteyung. Der Rath und die reichen Bürger standen für Ernst, die Handwerker und niedere Klasse für Leopold. Kein Tag verging ohne Thatlichkeiten. Der edle Friedrich von Waldsee nahm durch unter seinem Bette ausgestreutes, entzündetes Büchsenpulver ein jämmerliches Ende. Des Bürgermeisters, Konrad Vorlauf, und seiner Freunde, welche treu aushielten bey Albrechten, ihrem jungen Herrn, Haft und Hinrichtung, 1408. Allgemeiner Unwille über diese Blutthat. Die Pest 1410. Ramprecht von Waldsee und Leopold von Eckardsau entführen den jungen vierzehnjährigen Herzog nach Eggenburg. Leopolds plöhlicher Tod. ALbrecht wird zu Eggenburg als Landesherr ausgerufen und hält seinen feyerlichen Einzug in Wien. »In dieser langen »Zwietracht und Verwirrung war ganz Desterreich eine Räuber»höhle geworden. Die den Hofe nächsten glaubten sich um so »mehr jedes göttlichen und menschlichen Rechtes ledig und in »wenigen Jahren nannten die fernher kommenden Kaufleute wie »die Nachbarn das neuerblühende Oesterreich ihren Rosengar»ten, wo sie Gold und Silber in offener Hand durch Feld und >>Wald tragen könnten. Unverkennbar die heilsame Folge von »Albrechts V. unerbittlicher Gerechtigkeit und von der strengen »Handhabung seiner zahlreichen, trefflichen Gefeße für die Ber»fassung, für den Handel, für Gerechtigkeitspflege, Privat»rechte, Landwirthschaftspflege und Sitten! Keine Zunft, kein »Gewerbe, die nicht sonderheitliche Sagungen von diesem weisen »Fürsten aufzuweisen hätte. In seinen Anordnungen über Haus»und Hofzine, über Miethparteyen und Inwohner, Dienstboten »und Tagwerker herrscht ein unverkennbarer Geist der Billigkeit, verhaltend die, im Familienkreise wie im Staat so nöthige Welt»>bauklammer der hausväterlichen Gewalt und die be»stimmteste Fürsorge für den ärmeren und verlassenern Theil, »aus gerechter Furcht vor demagogischen Umtrieben und ochlokra»tischen Zuckungen, daß man wohl gewahrt, daß jener ewige »Krieg der Armen wider die Reichen, jene vielerley Variationen »eines ewig unerschöpflichen Thema des Ackergesezes von den Gracchen bis auf die französische Schreckenszeit und bis auf die

"

-

[ocr errors]

-

[ocr errors]
[ocr errors]

»höchst unhistorischen Hirngespinste der heutigen Nivellirer, auch »in unserem alten Wien jeder Unruhe Quelle gewesen seyen.«Denselben Geist der Gefeßlichkeit und guten Ordnung, wie in den bürgerlichen zeigte Albrecht auch in den geistlichen Dingen der Stadt ohne Unterschied der höheren, oder der niederen Geistlichkeit. Es erbitterte Albrechten ungemein, daß die Schotten jedem seiner Unterthanen die Aufnahme beharrlich weigerten, daß sie sich immer wieder mit harten Köpfen aus Schottland und Irland ergänzten. Ehe als sie seinen Anordnungen gehorchten, verließen die Schotten im August 1418 das Kloster, worauf der gelehrte Meister Niklas von Respiz, der erste deutsche Abt, durch deutschen Fleiß und deutsche Biederkeit des tiefgesunkenen Stiftes Wiederhersteller wurde. Es war ein überaus wichtiges Hinderniß für den Handel nach dem ganzen, durch die Macht und durch den Unternehmungsgeist der Hanse belebten Norden, daß die Verbindung zwischen den beyden Donauufern bey dem reichen, lebendigen Wien, noch immer so unstät und dürftig, von häufigen Elementarunfällen, von den Grillen und Erpressungen der Schiffer abhängig war, die nicht selten Zwing und Bann gegen einander übten. Darum beschloß Albrecht mit den Wiener Bürgern am 4. July 1439, auf seine und auf ihre Kosten, Brücken zu bauen, so viel deren von Wien über alle Donau bis an das enthalbige Gestade. Doch soll Niemand über die Brücken müssen, sondern auch zu Schiff herüber können, oder bey einem von den alten Urfarn. Wie im Grundbesitz und Geldreichthum eine wesentliche Veränderung vorgegangen durch die große Judenverfolgung zeigt der Verfasser ausführlich p. 84-88. Dem klugen und kühnen Freunde der gedrückten und traurigen Jugend Albrechts, dem Waldsee, ward noch die Freude, die Kronen Ungerns und Böhmens ins Haus zu bringen! indem nämlich am 26. April dem 25jährigen Herzoge die 15jährige Elisabeth, einzige Tochter des K. Sigmund, in der Stephanskirche zu Wien angetrauet wurde. K. Sigmund, der lehte Lurenburger, und dessen Gemahlin, Barbara von Cilly gerecht gewürdiget. Der Kirchenrath zu Konstanz, zu welchem von Wien abgeordnet wurde Peter von Pulka, Kaspar Meisselstein, der geistlichen Rechte Meister, und als Albrechts Syndiker und Gesandte die theologischen Doktoren Heinrich Dünkelspiel und Heinrich von Kizbüchel. - Der Hussiten= Krieg Albrechts Nachfolge in Ungern und Böheim 1437, und sein Tod, 27. Okt. 1439. Mit sinnreicher Hinweisung auf unsere Zeit, sagt der Verfasser: »Sein ganzes Leben war ein

- -

[ocr errors]

»Kampf, dem unserer Tage in vielen Stücken zu vergleichen, »und Albrecht hat ihn gekämpft; nicht mit dem Strome »schwimmend, was auch die leere Tonne, was der Strohhalm »am besten vermag, sondern klug und kräftig ihm entgegen weh»rend. Was ist denn über einen treuen Freund? sprach er, »auf dem Waldsee zeigend, zu Sigmunden; und: »meiner Unterthanen Liebe ist mein höchster »Schaß! Eine Frau, schön und gütig wie seine Elisa= beth, wie diese mit ihrem noch neugebornen Sohne von ver»größerungsfüchtigen Feinden bedrängt und vertrieben, auch »größer als sie, hat jenen Spruch Albrechts in dem: Strin»git amore! und ein Fürst, zu noch viel drohenderem »Kampfe berufen, hat das: Opes regum corda subditorum! »auf die Hausorden geseht!

-

P. 110-115. Friedrich IV. und Albrecht VI., Söhne Ernest des Eisernen, werden vortrefflich charakterisirt. Jeder war das erklärte Widerspiel des Andern. P. 115 – 168. Zwist um die Vormundschaft über Ladislaw Posthumus. Die Türkengefahr, Hunyady und Skanderbeg. Konstantinopels Fall, 28. May 1453: »Italien, Ungern und Deutsch»land erbebten. Aber hätten wir nicht Aehnliches erlebt, es fände >>keinen Glauben! Sie vergaßen darum nicht ihrer inneren Zwi»stigkeiten; sie vergaßen nicht der kleinlichsten Interessen über »der großen, allgemeinen Gefahr für Glauben, Sitte und Frey>>heit!«< -Ueber die beyden, persönlich einander so sehr entge gengesezten Herzoge spricht der Verf. im Allgemeinen folgendes schöne und ganz unpartenische Wort: »Nach oben schaut die »leicht bewegliche Menge, und die Völker keuchen und bluten in »der Könige Jrrsal und Zwist. Die Familienähnlichkeiten wie»derholten sich in riesengroßen Umrissen. Es ist leicht zu er»messen, in welchem Maße Herzog Albrechts für die Sitten, »für die bürgerliche Ordnung, für die Heiligkeit der Legitimität »verderbliches Beyspiel, wie die kaum begreifliche Schwäche »Friedrichs, wie die unaufhörliche Unsicherheit des Eigen»thums, des Leumundes, des Lebens, wie der beständige Kriegs»zustand auf Wien und dessen Bürger, noch mehr auf das »preisgegebene Landvolk gewirkt habe!« Aus jenen verhängnißvollen Tagen schildert uns Wien Aeneas Sylvius Piccolomini von Siena, der größte Redner und Gelehrte feiner Zeit, Geschichtschreiber, Minister und Freund K. Friedrichs, seine Laufbahn beginnend als Dorfpfarrer in einem der wildesten Thäler Tyrols, und endigend auf dem Stuhle Petri als Pius II. P. 129-136 wird dessen Schilderung Wiens angeführt, und durch die gründlichsten Bemerkungen

[ocr errors]
[ocr errors]

[ocr errors]
[ocr errors]

das Uebertriebene sowohl, als das ganz Falsche in den Angaben berichtiget. - Johann Capistran prediget in Wien 1451 durch acht und zwanzig Tage. Der Studentenaufruhr. Andreas Baumkircher, auf der Zugbrücke zu Neustadt die That des Horazius Cocles erneuernd, rettet den K. Friedrich vor Gefangenschaft. Sultan Mohamed vor Belgrad, welches Hunyady und Capistran heldenmüthig vertheidigen, und 1456 durch entscheidenden Sieg Ungern und Desterreich retten. Großer Einfluß Ulrichs Grafen von Cilly und Ulrichs Eytzinger, Hubmeister oder Finanzministers, auf Ladislaven.Dessen unvermutheter Tod am 23. Nov. 1457 zu Prag. In den trüben Tagen von Albrechts bis auf Ladislavs Tod ist für die Entwickelung der Verfassung, für Handel und Verkehr, für Geseze sehr Vieles, ja wider Erwarten Vieles geschehen. Die Freyheiten Wiens erneuerte Ladislav vorzüglich wegen dessen unwandelbarer Treue an den Glauben und gegen die Fürsten seiner Väter in der Feuerprobe des Hussitenkrieges, 1459. Es ist kein gerin ger Beweis für Wiens damalige Macht, daß Friedrich in seinen Absichten auf Ungerns Krone nach Ladislavs Tode es aufforderte, ihm mit 300 Reisigen zu Pferd, mit 500 Fußknechten und mit 12000 Dukaten behülflich zu seyn!

-

[ocr errors]

[ocr errors]

[ocr errors]

War schon die Vormundschaft über Ladislav der Zunder erbitterten Bruderzwistes und bürgerlichen Krieges gewesen; waren wenige Jahre ohne Verwüstung vorübergegangen; hatte Cilly und nach ihm Eytzinger jede Gewalt geübt, des Fürsten Kammergut verseht, verschleudert, und seinen Schatz geplündert: so schien nun vollends des jungen Fürsten höchst unerwarteter Tod, 10. July 1458, den legten überfließenden Tropfen in den Becher des allgemeinen Elends gegeben zu haben; indem alsogleich in hellen Flammen aufloderte der Erbstreit zwis schen Friedrich, Albrecht und Sigmund. Der über eilte Schwur der beyden leßteren, nicht wieder den Fuß in ihre Wohnungen zu sehen, bis sie in der Burg ein köstlich Nachtmal eingenommen hätten. Die Theilung der Wiener Burg. -Mathias Corvin in Ungern, Georg Podiebrad in Böhmen. Die Schinderlinge, vom Bolke Hebrenko genannt, eine zu Neustadt und Gräß geprägte, gehaltlose Münze, überschwemmen Desterreich. Wiens neues Wappen, ein goldener, gekrönter kaiserlicher Doppeladler im schwarzen Felde, verliehen am 26. Sept. 1461 -- P. 183-188 werden Wolfgang Holzer, Herzog Albrechts vorzüglichstes Werkzeug in Wien, alle andern Parteyhäupter, und das Bürgerleben in der Stadt aus gleichzeitigen Quellen sehr sprechend

-

[ocr errors]
[ocr errors]

« VorigeDoorgaan »