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Product der wandelnden Umgebungsverhältnisse, des Milieu ambiante im jedesmaligen Schöpfungs-Centrum. Das Erzeugniss der geographischen Pro. vinz hängt von den geologisch-meteorologischen Verhältnissen ab, von den orographischen, hydrographischen, continentalen oder maritimen, von der Ortslagerung unter den Curven der Isothermen, Isotheren, Isochimenen, Isogeothermen, Chthonisothermflächen, isobarometrischen Linien u. s.w. und einer Menge*) erkennbarer oder verborgener Nebenumstände. Während die Pflanze, die dem Lande seine Physiognomie ertheilt, das nähere Resultat der Bodenbestandtheile ist, die ihr zur Ernährung dienen, der klimatischen Wechsel, unter denen sie aufwuchs, besitzt das Thier in seinen Wanderungen einen weitern oder engern Spielraum der Adaptationsfähigkeit und der Mensch vergrössert diesen, indem er durch seine geistigen Fähigkeiten die Feindseligkeit derUmgebung zu überwinden und günstig umzugestalten vermag. Die Eintheilung in drei Zonen zu Grunde legend, unterscheidet v. Meyen in jeder Hemisphäre acht kleinere Zonen, als durch eine eigenthümliche Vegetation characterisirt, und die Phasen der horizontalen Richtung wiederholen sich auf den entsprechenden Abstufungen der verticalen, bei gleichem Mittel aus Temperatur und Höhe. Die Eintheilung der geographischen Provinzen in der Zoologie**) würde den Bedürfnissen der Ethnologie näher kommen, wenn sie statt das ganze Thierreich (wie in den 14 Swainson's oder in den 8–12 Agassiz') gemeinsam zu umfassen, für jede einzelne Ordnung, oder besser noch Familie, markirende Trennungslinien zöge, wenn sie z. B. genauere Aequationen zwischen der Lebensexistenz des Ursus arctos und der gemässigten Zone, des Ursus maritimus und der kalten, des Ursus malayensis und der heissen aufzustellen vermöchte, oder die Verkettung des Lepus timidus, variabilis, tolai, macrotis, nigricollis, aegyptius, capensis, americanus, campestris, callotus, brasiliensis, cuniculus, hispidus, brachyurus mit dem Boden, über den sie streifen.

Während wir nun die Flora und Fauna, die für jede geographische Provinz charakteristisch ist, bei einiger Vorsicht direct bestimmen können, werden wir in der Ethnologie nur auf indirecten Umwegen dahin gelangen können, da der Mensch die Erde unter seinen Händen verändert und, mit dem Wechsel dieser, seinen eigenen Typus modificirt. Die in der geschichtlichen

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*) Für die Mannigfaltigkeit der Fische in dem überall mit einander communicirenden Flussnetz Südamerika's wies Humboldt nach, wie Temperatur, Höhe, Tiefe oder Schnellig. keit der Gewässer, ihre Unreinheit, ihre chemischen Auflösungen, der bald lehmige, bald kieselige Boden bedeutsamen Einfluss auf die localen Erscheinungen ausübte. Für das in den Menschenrassen hervortretende Resultat trägt ausser seinen physischen Umgebuungsverhältnissen die psychische Atmosphäre bei, in der er lebt.

**) Für die Menschen stellt Maltebrun 14 Rassen auf, Bory de St. Vincent 15, Dumoulin 11, dann Prichard 7, Lesson 6, Maury 8, Morton 22. Zeune hielt 3, Weber 4 Urformen des Schädels fest. Zu den nach den Nähten bestimmten Schädeln des Hippocrates (und Galen) fügte Vesal eine füufte Form.

Bewegung statthabenden Kreuzungen führen die Völker zu immer neuen Mischungen und bei der dem Geiste innewohnenden Macht die Natur zu überwinden und ihre Hindernisse aus dem Wege zu räumen, wird der Mensch, je höhere Fertigkeiten er erwirbt, desto unabhängiger von seiner Umgebung, desto weniger also der unmittelbare Abdruck seiner geographischen Provinz. Den direct geographischen Typus können wir nur bei solchen Völkern anzutreffen hoffen, die durch eine Jahrhunderte oder Jahrtausend lange Abgeschlossenheit in möglichster Isolirung Zeit hatten, eine feste Physiognomic auszuprägen, die dann völlig den Werth der durch die geographische Provinz bedingten besitzt. Bei schärferer Untersuchung wird man dann wieder diesen Typus in eine Unzahl von Unterabtheilungen zersplittert sehen, wie in Brasilien fast jedes Thal, fast jeder Flusslauf den für ihn characteristischen Stamm beherbergt, (2. v. Martius) aber wir werden auch wieder für allgemeinere Anschauung das miteinander Zusammengehörige unter grössere Ganze zusammenfassen können, und z. B. in einem seiner Gesammtausdehnung nach isolirten und für Beziehungen mit den Nebenländern geschichtlich todten Continent, wie Afrika, einen Grundtypus unter allen organisch mit ihm verbundenen Variationen festhalten. Je öfter ein Boden die Bühne für geschichtliche Ereignisse abgegeben hat, je wechselvoller also über ihn das Völkerleben dahingegangen ist, desto mehr werden alle Spuren des Ursprünglichen verwischt sein, und können sie nur nach einem Jahrhundert langen Brachliegen wieder aufzutauchen beginnen. Im Gegensatz zu den vielgebrochenen und buntgescheckerten Terrain der Culturstaaten wird immer die ethnologisch werthvollste Beobachtungsbasis durch die weiten Flächen der Steppen und Wüsten geboten, in deren isolirender Oede Horden umherziehen, die unter gleichartiger Umgebung sich gleichartig erhalten, und zwar gerade diejenigen Horden, die zu bestimmten Intervallen in die Culturstaaten einzutreten pflegen, um durch ihre Eroberung eine neue Epoche der Geschichte ciuzuleiten. Ihr Studium ist deshalb nicht allein für das Studium der geographischen Provinz, die sie bewohnen, zu unternehmen, sondern auch um einen leitenden Faden zu gewinnen, wenn ein Bild des ganzen Typus entworfen werden soll, der als Effect der geographischen Provinz die untere Schichtung in den Culturstaaten bildet.

Bei Eintheilungen hängt es von der Schärfe des Massstabes ab, wie weit man in Zerspaltungen übergeht, und für Anwendung jener wird der in der Eintheilung beabsichtigte Zweck die Auswahl bieten.

Während in ethnologisch - historischer Betrachtung jene minutiösen Scheidungen der Stammverhältnisse in Süd-Amerika, die die Missionaire unzählige nennen (non molte moltissime, sondern infiniti, inumerabili nach Abbé Gilii), für die Behandlung dieses Landes zwar nicht vernachlässigt werden darf, aber bei einer den gesammten Globus umfassenden Eintheilung zurücktreten muss, werden dagegen immer vorzugsweise diejenigen Areale die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die bei grösster Masse dennoch eine hinlängliche Gleichartigkeit der

Verhältnisse bewahren, um Gleichartigkeit des Typus zu gewährleisten, und die deshalb beim Aufeinanderwirken geschichtlicher Reizeinflüsse besonders schwer ins Gewicht fallen werden. Die in den Steppen wurzelnden Nomadenvölker reichen zugleich mit ihren Ausläufern in die Culturstaaten hinein und verschwinden dort in den höher combinirten Erzeugnissen, in welche sie als mitwirkende Elemente übergehen. Die so

Die so aus fortgehenden Mischungen entstehenden Völker sind dann in zatürliche Gruppen, der Höhe ihrer gleichwerthigen Atome gemäss, neben und über einander zu ordnen, nach ebepmässiger Abwägung aller ihrer hervortretenden Symptome, unter denen die Sprache eine der wichtigsten, aber nicht die einzige Rolle spielt.

Dass man sich versucht halten konnte, das Eintheilungsprincip nach geographischen Provinzen unmittelbar auf die jetzt in der ethnologischen Vertheilung der Menschenrassen bestehenden Verhältnisse zu übertragen, ist ein kaum verständlicher Missgriff, besonders wenn man sich mit sechs Hauptprovinzen begnügte, von denen Europa (mit Kleinasien und Küsten des Mittelmeers) die kaukasische Rasse decken sollte, Asien jenseits des Ural die mongolische, America die amerikanische, Australien die malayische, die Polarländer die hyperboräische und Africa (südlich von der Sahara) die Neger. Mit solchen Allgemeinheiten ist ebenso wenig etwas gesagt, als

man zur Erklärung ethnologischer Verhältnisse in der Geschichte Arier oder Turanier *) herbeizieht, d. h. Wolken- und Nebelgestalten unserer Denkoperationen, die für Projection und Illustrationen ephemer gültiger Systeme einen trefflichen, und oft genug einen sehr wünschenswerthen, Hintergrund abgeben, die jedoch im vollsaftigen Völkerleben kein Steinchen aus der Stelle rücken werden. Aber dennoch glauben Manche in solchen Formeln einen magischen Sesam-Schlüssel zu besitzen, vor dem sich jede Felsthüro öffnen müsste.

Beim Betreten eines bis dahin unbewohnten Landes wird der Botaniker diejenigen Pflanzen finden, die nach unserer Anschauung als das Product der geographischen Provinz aufzufassen sind. Ueber das Ursprüngliche ibres Bestehens dort ist damit nichts weiter ausgesagt, denn Speculationen über einen ersten Anfang sind nur metaphysisch zu behandeln. Sollten unter den im Lande vorgefundenen Pflanzen einzelne durch die Welle des Meeres dahin getragen sein, andere im Kropfe der Vögel, so würden sie doch völlig den Werth der einheimischen besitzen, so bald sie auf dem ibnen octroyirten

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*) Broca tadelt mit Recht die unbedachte Verwendung solcher Ausdrücke, wie turanisch, semitisch, japetisch, chamitisch, wodurch nur Irrthümer beschönigt werden. Verallgemeinerungen sind dem Fortschritte der Wissenschaft stets gefährlich, wenn die Einzelheiten noch nicht genügend bekannt sind, und so lange sich jene im Stadium der Entwickelung findet, müssen auch die Systeme im Zustande flüssiger Umbildung gehalten werden. Die glänzenden Erfolge, die die Philologie durch Aufstellung ihrer indogermanischen Sprachfamilien erlangt hat, dürfen den Ethnologen nicht verblenden, zum blinden Nachbeter eines Dogmas zu werden, das der Philologe mit Recht hochhält, das sich aber noch nicht für Alle schicken dürfte.

Boden sich in voller Gesundheitsfülle entwickeln, so bald sie also dadurch eine congeniale Verwandtschaft zu demselben beweisen. Es bedürfte nur eines gewissen Zeitraumes der Beobachtung, um zu entscheiden, welche Pflanzen als absterbende früher oder später zu Grunde gehen müssten, und diese auszuscheiden. Die andern besässen dann alle gleichmässig den vollen Werth solcher, die als das Product der geographischen Provinz anzusehen sind, als ein mit einer festen Reihe von Causalitäten im Gleichgewicht stehender Effect. Dabei wird die terrestrische Constitution der jedesmaligen Localität als eine unveränderliche gedacht, oder doch als eine so gering veränderliche, dass die aus Statt habenden Schwankungen resultirenden Folgen für unsere Beobachtung nicht mehr notirbar bleiben. Wie früheren Erdepochen bestimmte Floren entsprechen, so rufen auch jetzt die Wanderungen der Menschen häufig eine Aenderung in dem Pflanzencharacter hervor, theils indem sie durch vorsichtig eingeleitete Uebergänge eine vielleicht sonst unmögliche Acclimatisation verwirklichen, theils indem sie durch ihre Ansiedlungen selbst den Boden für diesen sonst fremdartige Vegetationen praedisponiren, theils indem sie Insecten zur Befruchtung in den Waaren mit sich führen können oder Thiere zur Zerstörung bisher hinderlicher Feinde u. dgl. m. Dann ist noch das von der Natur selbst angezeigte Ringen der Pflanze mit ihrem Boden in der Weite des darin möglichen Ausschrittes mitspielend. Nachdem Saxifragen, Compositen, Cruciferen. (Flechten, Moose) den kahlen Fels oder Sand bemeistert haben (bemerkt Kerner), finden Leguminosen und Orchideen das für ihr Bedürfniss genügende Substrat des Humus und dann folgen in dritter Generation diejenigen Pflanzen, die eines tieferen Humus bedürfen. Ferner tritt unmittelbar die Wirkungsweise der Gesteinschicht zu Tage im Asplenium Serpentini auf den Serpentinstöcken Mährens, im Asplenium Seelosii auf den südtirolischen Dolomiten, wie in Androsace Hausmanni oder Woodsia glabella derselben. Vor dem Sirocco buchtet Valeriana supina nach Norden aus.

Nur wenige Thiere scheinen durch die Gewöhnung des Menschen zu Kosmopoliten erzogen werden zu können, die meisten gehen in fremden Klimaten zu Grunde. Manche der stattfindenden Aenderungen *) sind an ganz locale **) Einflüsse gebunden. Nach Vandiemensland versetzte Schafe

*) En France et en Angleterre les poules naissent couverts d'un duvet irès serré, Chez la même espèce transportée dans les iles du golf de Mexique et dans la partie chaude de l'Amerique, ils portent d'abord le même vêtement d'enfance. Mais au bout de quelques générations, ce duvet s'éclaircit de plus en plus, si bien quà l'époque des observations de M. Roulin, les poulins créoles n'en avaient plus guère au moment de leur naissance et le peu qui leur restait. ne tardait pas à tomber (Quatrefages).

**) Dagegen hebt Cuvier wieder die geringen Verschiedenheiten von Wolf und Fuchs hervor, obwohl sie in der kalten und heissen Zone wohnen. Le Tigre royal se rétrouve sans changements des îles de la Sonde au nord de la Sibérie, du céleste empire aux latitudes de Berlin et de Hambourg. Le Heron ne change pas de Norvège au Congo, du Tonkin au Malabar. Même stabilité chez les végétaux, le Mourou des oiseaux est spontané dans toute l'Europe on le retrouve dans la Sibérie et l'Himalaya, au Cap et en Algérie, en

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werden weiss, nach den Faroer-Inseln fleckicht oder braunroth. In Syrien erhalten Katzen und Ziegen langes, weiches Haar, die Schweine in Cubagua lange Klauen, Hunde und Pferde auf Corsica Flecken. Ausser Vögeln und Insecten wandern in Tenasserim die Elephanten; die Bisamochsen, Lemminge, Moschus-Ratten in Canada, die Affen, Semnopithecus entellus, Funcius erythraeus vom Himalaya nach Bengalen und zurück, die Quagga in Afrika. Für die Beutelthiere Neuhollands, vicariren in Amerika die Beutelratten und amerikanische Auchenien für die Kameele der alten Welt. Die Affen Südasiens und Afrikas werden durch die breitnasigen Affen Amerikas und durch die Lemuren in Madagascar ersetzt.

Nach Schmarda's Vorschlag begrenzen sich die zoologischen Provinzen im Norden und Süden durch das Streichen der Isochimenen und Isotheren, im Osten und Westen nach orographischen und hydrographischen Verhältnissen, obwohl eine solche, theoretisch bequeme, Eintheilung in der practischen Ausführung manche Schwierigkeiten finden dürfte. Auch würde wegen der freiern Wanderungsfähigkeit des Menschen im Vergleich zu den Thieren, bei Aufstellung anthropologischer Provinzen in Bestimmung der verschiedenen Rassen, vor allem die Frage im Auge zu behalten sein, wie weit sie als ursprüngliche, als später eingewanderte oder als durch neue Kreuzungen veränderte betrachtet werden müssten. Die früher angenommene Gleichartigheit der arctischen Provinz *) ist durch die anerkannte Verschiedenheit der durch Guérault gesammelten Lappenschädel von den Esquimaux erschüttert worden, und Geoffroy Saint-Hilaire trennt die eigentlichen Hyperboräer (Europa's) von der paraboräischen Rasse, unter welcher er die Esquimaux begreift. Die Sibirien innerhalb des Polarzirkels bewohnenden Völker bleiben vorläufig unclassificirt, und auch sie werden, sobald eine hinlängliche Masse des Materials genaueres Eingehen in Specialitäten erlaubt, ohne Zweifel wieder manche Nebenbestimmungen nöthig machen. Wollen wir hypothetisch den Eskimo als den eigentlichen Ausdruck der arctischen Provinz gelten lassen (d. h. im Eskimo denjenigen Typus sehen, wie er durch den Einfluss der äusseren Umgebung bei einem solchen Volke hervorgerufen wird, das genügend lange unter denselben gewohnt hat, um dadurch den Werth eines dort ursprünglich entstandenen zu erhalten), so würden wir schon a priori weiter schliessen dürfen, dass der Typus**) der übrigen diese selbige (vorCalifornie et au Chili, au Kamtschatka et à la nouvelle Zelande, partout il demeure le même (Faivre). Die Tebu-Kameele gehen im Norden, die arabischen in Bornu zu Grunde (s. Rohlfs). Quelques brins de derias, mêlés par hasard parmis la paille que l'on donne aux bestiaux suffisent pour tuer le chameau le plus robuste, né sous un autre ciel que celui de Barcah (Pacho).

*) Nilsson stellte die polarisch-tingirten Lappen unmittelbar mit den Grönländern zusammen, aber nach Retzius würden die Lappen als Brachycephali orthognatae diametral den Grönländern als Dolichocephali prognathi gegenüberstehen. Linné lässt die Lappen von den Samojeden stammen, in Same-Ednam, Land der Sabme-adzh oder Lapp (Zauberer).

**) Für das richtige Verständniss des Ausdruckes Typus müssen wir seine Geschichte in der Chemie verfolgen, wo er durch Dumas eingeführt wurde, indem sich die Elemente

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